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ReiseversicherungWer zahlt die Annullierungskosten?

Reiseversicherungsgesellschaften prüfen Annullierungsfälle individuell und sehr genau. Bild: Thinkstock Kollektion

Wer an einer chronischen oder psychischen Krankheit leidet und die gebuchten Ferien annullieren muss, bekommt von der Reiseversicherung unter Umständen nichts. So sichern Sie sich ab.

von Doris Huberaktualisiert am 2017 M04 11

Wer eine Reise - egal, aus welchem Grund - vor Antritt annulliert, schuldet dem Reisebüro Annullierungskosten. Je kurzfristiger man die Reise absagt, umso höher ist in der Regel diese Entschädigung. Gegen dieses Risiko kann man sich mit einer Annullierungskostenversicherung abdecken, wobei die Versicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen zahlt (siehe weiter unten «Annullierung: Diese Absagegründe sind normalerweise gedeckt»). Massgebend sind die jeweiligen Allgemeinen Versicherungsbedingungen zur Police; sie zählen die versicherten Ereignisse auf.

Ein Arztzeugnis allein reicht den Versicherungen nicht

Krankheiten, die bereits bei der Buchung bestanden haben, sind grundsätzlich nicht gedeckt - mit einer Ausnahme: Wenn bei einem chronischen, aber stabilen Leiden eine unerwartete Verschlechterung eintritt, zahlt die Versicherung doch. Allerdings muss ein Arzt bestätigen, dass mit dieser Verschlimmerung nicht gerechnet werden musste und die versicherte Person bei der Buchung reisefähig war.

Wichtig ist deshalb, dass sich chronisch oder psychisch kranke Personen vor der Reisebuchung von einem Arzt bestätigen lassen, dass sie die geplante Reise antreten können. Tritt dann eine akute Verschlechterung ein, reicht ein telefonisch oder rückwirkend ausgestelltes Arztzeugnis in der Regel nicht. Bei Reisenden mit einem psychischen Leiden ist der Versicherungsschutz oft nur dann gegeben, wenn die Reiseunfähigkeit durch einen Psychiater speziell belegt wird und wenn sie eine Abwesenheitsbescheinigung des Arbeitgebers vorweisen können.

Lesen Sie vor der Reise das Kleingedruckte der Versicherungspolice

Je nach Situation ziehen die Versicherungen einen Vertrauensarzt bei, der das Dossier begutachtet und mit der behandelnden Ärztin Kontakt aufnimmt. Manche Versicherungsbedingungen schreiben sogar vor, dass es zu einem stationären Klinikaufenthalt gekommen sein muss, damit die Annullierungskosten übernommen werden.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich, vor der Reisebuchung das Kleingedruckte der Reiseversicherungspolice genau zu studieren.

Buchen und annullieren: Das müssen Sie wissen

Wer eine Reise wegen einer chronischen oder psychischen Krankheit annullieren muss, sollte vor allem Folgendes beachten:

  • Lassen Sie sich kurz vor der Buchung vom Facharzt bestätigen, dass Sie reisefähig sind. Der Ombudsmann der Privatversicherungsbranche rät, dass das Arztzeugnis auch auf die Art der Reise Bezug nehmen soll (Flugreise, Treckingtour, Hochgebirge).
  • Suchen Sie bei einer Erkrankung unmittelbar einen Facharzt auf. Wenden Sie sich an eine Notfallpraxis, wenn Ihr Arzt nicht verfügbar ist. Denn ein rückwirkendes Zeugnis reicht in der Regel nicht.
  • Setzen Sie sich sofort mit der Versicherung in Verbindung und annullieren Sie besser früher als später. Wenn die Versicherung feststellt, dass Sie zu lange gewartet haben, deckt sie nur einen Teil der Annullierungskosten.
  • Erkundigen Sie sich ausschliesslich bei der Versicherung über die Deckung. Was ein Arzt dazu sagt, ist rechtlich nicht relevant.

Annullierung: Diese Absagegründe sind normalerweise gedeckt

  • Die versicherte Person erkrankt schwer, verunfallt oder stirbt oder ein solches Unglück trifft eine mitreisende oder nahestehende Person (Angehörige, Lebenspartner).
  • Stellenverlust ohne eigenes Verschulden.
  • Unerwarteter Antritt einer Arbeitsstelle.
  • Die versicherte Person muss zu Hause bleiben, weil ihr Eigentum schwer beeinträchtigt ist (etwa wegen Überschwemmung).
  • Das öffentliche Verkehrsmittel, mit dem man zum Abreiseort fährt, fällt aus oder verspätet sich massiv, so dass man die Reise nicht antreten kann.
  • Wegen Gefahren am Reiseziel (etwa Krawalle, kriegerische Ereignisse) wird von der Reise abgeraten, oder Streiks oder Naturkatastrophen verunmöglichen sie.

Wann lohnt sich eine Annullierungskostenversicherung?

  • Die Annullierungskostenversicherung ist nicht obligatorisch. Sie deckt jene Kosten ab, die man als Kunde wegen des Vertrags schuldet, wenn man eine Reise absagt – etwa dem Reise­büro, der Ferienwohnungs­vermieterin, der Airline.
     
  • Bei Billig- und Last-Minute-Reisen lohnt sich die Annullierungskostenversicherung eher nicht.
     
  • Nützlich ist sie hingegen, wenn man teure (Familien-)Reisen macht oder mehrfach pro Jahr verreist. Eine Jahresversicherung kostet zwischen 80 und 200 Franken. Für junge Leute gibt es speziell günstige Angebote.
     
  • Achten Sie darauf, die Versicherung für eine Reise sofort bei der Buchung oder gleich danach abzuschliessen.
     
  • Beachten Sie bei einer Jahresversicherung die Kündigungsfrist, wenn Sie keine automatische Verlängerung wollen.
     
  • Bei einem chronischen Leiden lässt man sich vor einer Reisebuchung am besten von einer Ärztin bestätigen, dass man reisefähig ist.
     
  • Eine Absage wegen Schwangerschaft ist bei vielen Versicherern nur gedeckt, wenn sie nach der Buchung begonnen hat und Komplikationen auftreten. Elvia und Mobiliar übernehmen Annullierungskosten auch, wenn für das Reiseziel eine Impfung nötig ist, die für das ­ungeborene Kind ein Risiko bedeutet.
     
  • Kurzarbeit ist nicht gedeckt.
     
  • Ein Schadensvorfall ist unverzüglich zu melden und zu belegen. Beachten Sie die Vor­gaben in den allgemeinen Versicherungsbedingungen, manche Gesellschaften verlangen Originalbelege.
     
  • Versicherte haben auch eine Schadenminderungspflicht: Sie müssen alles vorkehren, um den Schaden gering zu halten. Da eine Annullierung umso teurer ist, je später sie erfolgt, empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Prüfen Sie als Erstes den Reisevertrag, wenn Sie vor der Reise ernsthaft erkranken. Setzen Sie sich rasch mit Ihrer Ärztin in Verbindung, um Ihre Reisefähigkeit zu klären. Informieren Sie auch Ihre Versicherung. Gibt die Ärztin grünes Licht für die Reise und verschlechtert sich Ihr Zustand wider Erwarten, sind Sie ab­gesichert. Im Zweifelsfall sagt man die Reise besser ab. Sonst läuft man Gefahr, dass die Versicherung die Leistung kürzt.
     
  • Die Annullierungskosten­versicherung gilt nur bis zum Antritt der Reise. Wer sich gegen finanzielle Folgen bei Unfall oder Erkrankung am Reise­ort absichern möchte, braucht eine Assistance- oder SOS-Versicherung. Dieser Schutz ist sinnvoll, da Rückführungen sehr kostspielig sind.
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Wer einen längeren Auslandaufenthalt plant oder öfters im Jahr verreist, wird sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, welche Reiseversicherungen er braucht. Guider informiert seine Mitglieder unter anderem darüber, ob sich eine Annullierungskostenversicherung lohnt und was durch den ETI-Schutzbrief gedeckt ist.