Das Leben ist gefährlich. Im Jahr 2007 ver­zeichnete die Statistik der Schweizer Unfallversicherer UVG 734'000 Unfälle. Davon ereigneten sich 263'000 bei der Arbeit, 458'000 in der Freizeit. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), die auch Fälle registriert, die nicht nach UVG ver­sichert sind, kommt gar auf 991'000 Nicht­berufs­unfälle im Jahr 2005. Im Schnitt erleidet al­so etwa jeder siebte Bewohner der Schweiz einen Unfall im Jahr.

Gemäss BfU beliefen sich die materiellen Kosten der Nichtberufsunfälle im Jahr 2005 auf 12,5 Milliarden Franken. Die gesamte volkswirtschaftliche Belastung beziffert die BfU gar mit über 50 Milliarden Franken. Von den 991'000 Nichtberufs­unfällen ereigneten sich 294'000 beim Sport und 94'000 im Strassenverkehr.

Wer nun meint, er bleibe am besten zu Hau­se, täuscht sich. Mit über 600'000 entfallen die weitaus meisten Unfälle nämlich auf die Kategorie «Haus und Freizeit». 2006 haben sich beim «Umhergehen in Haus und Garten» 181'000 Unfälle ereignet, 25'000 mehr als 2000. Relativ stabil ist dagegen die Zahl der Unfälle, die sich bei «Anlässen, Spielen und Neckereien» ereignen. Sie liegt bei rund 80'000 pro Jahr. Gegen 50000 Menschen verletzen sich bei «Haushalts­arbeiten und kleinen Hantierungen».

Immerhin 20'000 Unfälle entfallen auf die Kategorie «Eigene Körperpflege, Kinder- und Krankenpflege». Mit je gut 12'500 pro Jahr sind Unfälle verbucht, die sich mit Haustieren oder bei Mahlzeiten ereignen. Zumindest ist wenigstens das Essen siche­rer geworden: Im Jahr 2000 verletzten sich dabei noch 15'850 Menschen.

Damit sind nur die Hauptbeschäftigungen aufgezählt, denen man im und ums Haus herum nachgeht. Von den Nebenbeschäftigungen sind Gartenarbeiten am gefährlichsten. Rund 15'000 Personen verletzen sich dabei pro Jahr – Landwirtschaft, Wein- und Obstbau sowie Tierhaltung nicht eingerechnet: Diese Bereiche schlagen noch einmal mit zirka 5700 Unfällen zu Buche.

Gut 11'000 Personen verunfallten im Jahr 2006 bei «Berufsarbeiten und -ausbildung» (in der Freizeit) – doppelt so viele wie im Jahr 2002. Besorgniserregend oder zumindest merkwürdig ist auch die markante ­Zunahme der Verletzungen, die aus «Boten­gängen, Besorgungen und Arztbesuchen» resultierten: 2000 waren es noch 7700, 2006 bereits über 10'000 – was einer Zunahme um mehr als einen Viertel entspricht.

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Ob Basteln (mehr als 8000 Verletzte), Holzen (5600) oder Autowaschen: Keine Tätigkeit ist frei von Risiko. Wobei der «Unterhalt von Fahrzeugen» durchaus zu den harmloseren Aktivitäten zählt – und immer ­sicherer wird. Im Jahr 2002 verunfallten dabei mit 2100 Personen noch mehr als doppelt so viele wie 2006 (910 Personen).

Wenn man in Job und Haus nicht sicher ist, warum dann sicherheitshalber nicht ausgehen? Sie ahnen es: weil es viel zu gefährlich ist! 93'000 Verletzte im Jahr 2006. Und falls Sie glauben, die beliebtesten Ausflugsziele könnten keinesfalls zu den gefährlichen Orten zählen: Über 17'000 Personen verletzten sich an Volksfesten, Versammlungen und in Vergnügungsparks.

Die häufigste Verletzungsursache in Haus und Freizeit sind Stürze. 182'000 Menschen kamen 2006 durch einen Misstritt oder Sturz auf ebener Fläche zu Schaden, dazu kommen jährlich rund 70000 Stürze aus der Höhe (Leiter, Stuhl und so weiter) und noch einmal so viele auf Treppen. Stürze sind auch die häufigste Todesursache bei Unfällen in Haus und Freizeit: Im Jahr 2005 kamen in der Schweiz über 1000 Menschen auf diese Weise um.

Schier endlos ist die Liste mit den Gefahren, die in Haus und Freizeit lauern: Blech und Scherben, Maschinen und Geräte, giftige oder ätzende Substanzen – und nicht zuletzt Tiere. Im Jahr 2006 wurden laut Angaben der Beratungsstelle für Unfallverhütung 42'950 Menschen durch Tiere verletzt. Das sind fast 10'000 mehr als im Jahr 2000. Zwar sind in dieser enormen Zahl auch Insektenstiche enthalten, dennoch sollte man sich die Anschaffung eines zahnbestückten Vierbeiners angesichts solcher Fakten gründlich überlegen.

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Überhaupt, am besten ist es ohnehin, möglichst allein und ohne menschliche Kontakte zu leben. In mehr als 30'000 Fällen vermerkt die Unfallanalyse nämlich «Verletzung durch Menschen» – Tendenz steigend. Zum Vergleich: Durch falschen Umgang mit elektrischen Anlagen oder Hantieren am Stromnetz verletzen sich nur 300 Menschen pro Jahr.

Unfallstatistik

So gefährlich ist das Leben in der Schweiz:

2005 starben in der Schweiz 2000 Personen durch Unfälle.

Mit 27 Todesfällen pro 100'000 Einwohner waren Unfälle 2005 die fünfthäufigste Todesursache.

Mehr als die Hälfte der 2005 bei Unfällen Getöteten war 65 Jahre alt oder älter.

Fast drei Viertel der tödlichen Unfälle ereigneten sich 2005 in Haus und Freizeit. Hier liegt die Quote der über 65-Jährigen sogar bei 82 Prozent.

Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt oder getötet zu werden, wird immer kleiner. 2007 starben in der Schweiz 384 Menschen im Strassenverkehr. 1965 waren es noch 1304.

2005 verletzten sich 294'000 Personen beim Sport. 90 Menschen starben.

Die meisten Verletzten gibt es bei Wintersport und Ballspielen. Beim Fussballspielen verletzen sich jährlich über 50'000 Personen, beim Skifahren 45'000 (Jahresdurchschnitt 2002 bis 2006).

Die meisten Schwerverletzten im Sport gab es 2005 beim Skifahren (2790), die meisten ­Todesfälle beim Bergsport (45).