Lange galten die Schweizerinnen und Schweizer als «Versicherungsweltmeister». Mittlerweile sind sie zwar nicht mehr Spitzenreiter, aber nach Angaben des Schwei­zeri­schen Ver­siche­rungs­verbands (SVV) zahlen die Eidgenossen gegenwärtig durch­schnittlich 6915 Franken Versicherungsprämien pro Kopf und Jahr; das sind rund 2000 Euro mehr als der Durchschnittswert der EU-Länder. Und die Sozialversicherun­gen AHV, IV und ALV sind dabei noch nicht einmal mitgerechnet.

Sind wir also überversichert? Ja und nein. Zwar berappen viele Schweizerinnen und Schwei­zer Jahr für Jahr Prämien für eine Versicherung, die sie wahrscheinlich nie brauchen, zugleich weisen zahlreiche ­Haus­halte Versicherungslücken auf – vor allem was den Wert des Hausrats betrifft.

Bevor Sie eine Versicherung abschliessen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie einen allfälligen Schaden nicht auch aus der ­eigenen Tasche bezahlen könnten. Ist das der Fall, zahlen Sie mit einer Versicherung grundsätzlich drauf. Beispiel Reisegepäckversicherung: Wer sich mit einfacher Ausstattung auf Reisen begibt, kann einen allfälligen Verlust verschmerzen und so die Prämie für eine Reisegepäckversicherung sparen. Es lohnt sich auch, zu prüfen, ob man nicht doppelt versichert ist. So zahlen viele bei der Reisebuchung für eine Annullierungskostenversicherung – und vergessen, dass sie dieses Risiko bereits mit dem ETI-Schutzbrief des TCS abgesichert haben. Ein weiteres Sparbeispiel ist die Autoinsassenversicherung. Ei­nerseits sind Mitfahrende dank der obligatorischen Unfallversicherung des Arbeit­gebers (UVG) oder via Krankenkasse gegen Unfall versichert. Anderseits schützt die Motorfahrzeug­haftpflichtversicherung Mitfahrende umfassend. Auch andere Versicherungsarten bergen Sparpotential:

Krankenkassen

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat rund ein Drittel der Krankenversicherten schon einmal die Versiche­rung gewechselt. Aktuell wollen 85 Prozent der Krankenversicherten bei ihrer Kasse bleiben. Dabei könnte jeder Haushalt laut Comparis allein durch den Kassenwechsel durchschnittlich 1269 Franken sparen, vorausgesetzt, es wird zur günstigsten ­Kasse mit dem günstigsten Versicherungsmodell gewechselt. Sparpotential ergibt sich auch mit der Wahl einer höheren Franchise. Wollen Sie Ihr Geld beisammenhalten, überlegen Sie, ob Sie auf Zusatzver­sicherungen wie Spitalkostenzusatz oder Zahnversicherung verzichten können. Und Langzeit-Pflegeversicherungen sind nur für wohlhabende Versicherte sinnvoll, die ihre Erb­schaft schützen wollen.

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Autoversicherungen

Bei den Autoversicherungen spart man im Moment fast von selbst. Die billigsten Prämien sind seit 2005 um über 20 Prozent gesunken. Trotzdem lohnt es sich laut Comparis weiterhin, die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Bis zu 480 Franken können Sie sparen, wenn Sie konsequent die Prämien vergleichen. Beachten Sie: Die meisten kosten­güns­tigen Versicherungen wickeln ihr Geschäft in erster Linie übers Internet ab.

Bei der obligatorischen Autohaftpflichtversicherung bieten alle Versicherungen mehr oder weniger gleiche Leistungen an. Es lohnt sich also, mehrere Offerten einzuholen und das günstigste Angebot auszuwählen. Worauf Sie bei Vertragsabschluss sonst noch achten müssen:

  • Wenn Sie wechseln möchten, sollten Sie zuerst in den allgemeinen Versicherungsbedingungen Ihrer alten Police kontrollieren, wann und mit welcher Frist Sie frühestens kündigen können. Sonst laufen Sie Gefahr, Prämien doppelt zu zahlen – für die alte und die neue Versicherung.

  • Hat Ihre Versicherung eine Prämien­erhöhung angekündigt? In diesem Fall können Sie den Vertrag ausserterminlich kündigen. Wichtig: Ihr Kündigungsschreiben muss spätestens am letzten Tag des laufenden Versicherungsjahres bei der Versicherungsgesellschaft eintreffen – am besten schicken Sie es eingeschrieben.

  • Um schneller auf günstige Angebote rea­gieren zu können, wählen Sie eine Laufzeit von einem Jahr. Oder vereinbaren Sie ­zusätzlich zur mehrjährigen Laufzeit ein jährliches Kündigungsrecht. Das erlaubt Ihnen, jährlich mit entsprechender Kündigungsfrist aus der Police auszusteigen.

  • Bonusklassen werden nicht bei allen Ver­sicherungen gleich gehandhabt. Machen Sie den Vergleich und verhandeln Sie – es lohnt sich.

  • Sie müssen die Autohaftpflicht- und die Kaskoversicherung nicht bei der gleichen Versicherungsgesellschaft abschliessen, son­dern können auch je das günstigste Angebot wählen.
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Hausratversicherung

Auch bei der Hausratversicherung gibt es beachtliches Sparpotential. Der Unterschied zwischen der teuersten und der billigsten Hausratversicherung beträgt fast 50 Prozent. Prüfen Sie beim Vergleichen der Angebote die unterschiedlichen De­ckungs­limiten zum Beispiel für Schmuck oder Bar­geld, wenn Sie solche Werte zu Hause haben. Wer ein hochwertiges Velo oder teure Sportgeräte besitzt, sollte darauf achten, dass diese zum Neuwert und nicht nur zum Zeitwert versichert sind. Wählen Sie auch vorteilhafte Deckungslimiten für Gäste­effekten, wenn Sie häufig Leute beherbergen.

Auch bei der Hausratversicherung sparen Sie am meisten, wenn Sie die verschiede­nen Angebote vergleichen. Sparen Sie aber auf keinen Fall, indem Sie für Ihren Hausrat einen zu tiefen Wert angeben. Denn ­eine Unterdeckung kann zu bösen Über­raschungen führen. Wenn die vereinbarte Versicherungssumme unter dem tatsächlichen Wert Ihres Hausrats liegt, spricht man von Unterversicherung. Das kommt häufiger vor, als man glaubt, weil laut Comparis viele Leute den Gesamtwert ihrer Einrichtung unterschätzen.

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Ein Beispiel: Ihr Hausrat hat einen Wert von 200'000 Franken, Sie haben ihn aber nur für 150'000 Franken, also zu drei Vierteln, versichert. Bei einem Totalbrand erhalten Sie demnach 150'000 Franken.

Bei einem Teilschaden kürzt die Versicherung proportional: Brennt zum Beispiel der Fernseher aus und verursacht auch noch Rauchschäden im Wohnzimmer, was Ihnen Kosten in der Höhe von 10'000 Franken verursacht, erhalten Sie diesen Betrag nicht voll erstattet. Sie erhalten nur drei Viertel, also 7500 Franken.

Bestimmen Sie deshalb den Wert Ihres Hausrats sorgfältig. Und vergessen Sie nicht, die Summe anzupassen, wenn Sie etwas Neues angeschafft haben.

Privathaftpflichtversicherung

Auf keinen Fall verzichten sollte man auf die Privathaftpflichtversicherung. Sie ist nicht obligatorisch, aber unbedingt empfehlenswert. Denn wenn man aus Unvorsichtigkeit plötzlich für einen Schaden haftbar wird, kann das teuer werden.

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Gerade auch für Mieter ist eine Privathaftpflichtversicherung wichtig. Damit können sie sich gegen Schäden in der Wohnung absichern, die über eine normale Abnutzung hinausgehen und für die sie haften. Hauseigentümer, die ihre Liegenschaft ­selber bewohnen, sind mit der Privathaftpflichtversicherung für Risiken abgedeckt, die von ihrem Gebäude ausgehen.

Apropos Hausbesitz: Um sich gegen Wasserschäden, die hohe Kosten verursachen können, abzusichern, ist eine Gebäudewasserversicherung empfehlenswert. Denn sicher ist sicher.

Privathaftpflicht: Blick aufs Kleingedruckte

Der Teufel steckt im Detail – also auch im Kleingedruckten der Versicherungspolicen. Achten Sie als Mieterin, als Mieter bei der Privathaftpflichtversicherung auf die Regelung des Selbstbehalts. Manche Gesellschaften verlangen bei Mieterschäden gar keinen Selbstbehalt, andere stellen den Selbstbehalt pro Auszug in Rechnung, wieder andere pro Raum. Letzteres ist die schlechteste Variante. Ein Beispiel: Haben Sie einen Selbstbehalt von 200 Franken und in vier von fünf Zimmern ­einen Schaden, zahlen Sie 800 Franken statt 200 Franken, wenn der Selbstbehalt pro ­Auszug fällig wird.

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Ferien: Spitalaufenthalt kann teuer werden

Statt die heimischen Skipisten unsicher zu machen, ziehen viele Schweizerinnen und Schweizer in den Weihnachts- und Sportferien gen Süden, um sich an tropischen Stränden zu bräunen. Doch Vorsicht: Ohne ausreichende Versicherung kann der Tritt auf den Seeigel, der Knochenbruch oder die schwere Erkrankung im Ausland teuer werden. Zwar übernehmen die Grundversicherung der Krankenkasse und die obligatorische Unfallversicherung grundsätzlich die anfallenden Heilungskosten. Das aber nur bis zu einer bestimmten Höhe – die Grundversicherung der Krankenkasse zum Beispiel maximal den doppelten Betrag der Kosten, die in der Schweiz vergütet würden.

Doch in vielen Ländern, so etwa in den USA, Japan oder Australien, sind die Heilungskosten massiv höher. Kostspielig kann es auch in Afrika oder Asien werden, denn oft zieht man hier die Unter­bringung in einem Privatspital vor, weil die öffentlichen Spitäler nicht dem Schweizer Standard ­entsprechen. Um in einem solchen Fall abgesichert zu sein, empfiehlt sich eine Zusatzversicherung. Diese kann man bei der Krankenkasse für einen bestimmten Zeitraum abschliessen.