1. Welches ist das beste Alter?

Obwohl das Leben mit kleinen Kindern anstrengend sein kann – nicht zuletzt in einer neuen Umgebung –, gilt beim Auswandern die Faustregel: Je kleiner die Kinder sind, desto leichter fällt ihnen der Wechsel. Für die Jüngsten ist die Kern­familie das Wichtigste, also fühlen sie sich dort wohl, wo immer sich ihre Liebsten befinden. ­Zudem sind die Kleinsten ge­rade beim Sprachenlernen beneidenswert flexibel: Sie schnappen das Vokabular gleichsam im Vorüberkrabbeln auf.

Bis zum Schulalter stellt eine Auswanderung die Kinder deshalb nicht vor allzu grosse Herausforderungen – solange die Bedingungen vor Ort stimmen. Für ein Schulkind kann es schon ein bisschen ­anspruchsvoller werden, weil es bereits einen eigenen Alltag und Freunde hat. Aber trotz allem gewöhnen sich auch ­Kinder im Schulalter oft schneller in der neuen Heimat ein als ihre Eltern.

Schwieriger wird es, wenn die Kinder älter sind. «Ab 12, 13 Jahren ändert sich die Situation», sagt Michèle Geiger, Spe­zialistin für Auswanderungsfragen beim Eid­genössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Buben und Mädchen haben dann einen eigenen Freundeskreis, der eine grosse Bedeutung hat, und den Schulalltag, den sie nicht so leicht aufgeben möchten. Zudem beginnt mit der Pubertät ohnehin eine stürmische Zeit, die auch ohne Umzug in die Fremde fordernd genug ist.

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2. Wie sind die Lebensumstände?

Die Wahl des Auswanderungslands ist für den Nachwuchs entscheidend. «Wenn man in ein Land mit Sicherheitsproblemen zieht, hat das grossen Einfluss auf den Alltag der Kinder», so EDA-Expertin Geiger. Falls sie sich zum Beispiel wegen drohender Entführungen kaum frei be­wegen können, schränkt das die Lebensqualität stark ein.

3. Wie funktioniert das Schulsystem?

Es lohnt sich, das Schulsystem im Auswanderungsland genau zu studieren. Dabei sollte man sich fragen, welche Abschlüsse es bietet, ob die Ausbildung mit derjenigen in der Schweiz vergleichbar ist – und auch, was das Ganze kostet. In ­Ländern wie etwa Grossbritannien oder den USA kann eine qualitativ gute Schulbildung schnell sehr teuer werden.

4. Wie ist die Gesundheitsversorgung?

Wichtig ist auch, wie das Gesundheits­system funktioniert und wie die medizi­nische Versorgung aussieht. Längst nicht jedes Land hat ein so gutes öffentliches System wie die Schweiz.

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Spezialfall: Kinder nach der Trennung

Getrennte und Geschie­dene dürfen bei gemeinsamem Sorgerecht nicht mit dem Kind ins Ausland ziehen, wenn der Expartner nicht einwilligt. Wer es trotzdem tut, kann sich strafbar machen.

Wenn sich die Eltern nicht einig sind, muss die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde entscheiden, ob ein Umzug möglich ist. Dazu berücksichtigt sie das Alter der Kinder, die Lebensumstände im Ziel­land und die Frage, wie eng die Beziehung zum ­jeweiligen Elternteil ist.

Informationen und Anlaufstellen

  • Das Departement für auswärtige Angelegen­heiten bietet Länderinformationen, auch zum Schul- und Gesundheitssystem: www.eda.admin.ch/...
  • Konkrete Fragen: Helpline des EDA, Telefon +41 (0)800 247365; E-Mail: helpline@eda.admin.ch
  • Eine erste Anlaufstelle im jeweiligen Zielland ist die Schweizer Botschaft.
  • Nützlich ist auch der Kontakt zu lokalen ­Zusammenschlüssen von Auslandschweizern.
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