Ende April war Spatenstich bei der Biorender AG im thurgaui­schen Münchwi­len. Ab 2010 sol­len hier jährlich 30'000 Tonnen Schlachtabfälle und Speisereste zu Biogas verwertet werden. Gleichentags präsentierte nur zehn Kilometer entfernt die Tiermehlfabrik TMF in Bazenheid SG ihr Biogasprojekt für 80'000 Tonnen. Das Problem: Für zwei Betreiber in der­selben Region reicht die Rohwa­re nicht aus. Das entsprechende Angebot beträgt landes­weit höchstens 150'000 Tonnen pro Jahr.

Der Wettlauf um Biomasse wird erst noch vom Steuerzahler alimentiert: Die TMF, die 2011 betriebsbereit sein will, gehört zur Hälfte 15 Deutschschweizer Kantonen und Liechtenstein. Und in die pri­va­te Biorender-Anlage investieren Ostschweizer Städte wie St. Gallen, Schaffhausen, Wil und Winter­thur Millionenbeträge.

Die Vorgeschichte des unsin­nigen Subventionsduells: Die TMF, die heute 40'000 Tonnen Schlachtabfälle und Kadaver zu Tiermehl und Brennstoff für Ze­mentwerke verarbeitet, wollte von ­Biogas lange nichts wissen und agierte vor und hinter den Kulissen gegen das neue ­Projekt in Münchwilen. Dank Verträgen mit den Kantonen verfügt sie bei der Schlachtabfallverwertung faktisch über ein Monopol und garantiert dafür die Entsorgung bei Tierseuchen wie BSE.

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Ökologischer Unsinn

Weil Biogasanlagen nun ebenfalls heikles Material verwerten dürfen, wird Biorender zum ernsthaften Konkurrenten. Bruno Koster, TMF-Verwaltungsratspräsident, gibt sich dennoch gelassen: «Wir verfügen mittelfristig über ausreichend Rohware.

Biorender soll sich auf Speisereste beschränken.» Was der Konkurrent im Thurgau jedoch nicht vorhat, denn Schlachtabfälle sind energieträchtiger. «Mit dem Umbau unserer Anlage von Tierfutterproduktion auf Biogas schaffen wir im Gegensatz zur TMF keine zusätzlichen Kapazitäten», argumentiert Andreas Widmer, VR-Präsident von Biorender. Die TMF hat noch keine Betriebsbewilligung. Aber bereits einen ökologischen Tolggen: Die Anlage will 30'000 Tonnen tierische Nebenprodukte beim Partnerbetrieb in der Westschweiz erst zu Tiermehl verarbeiten, dann mit Camions nach Bazenheid karren und mit Wasser zu vergärbarem Schlamm mixen. Das dürfte für weitere Diskussionen sorgen, zumal sowohl im Thurgauer als auch im St. Galler Kantonsparlament Anfragen zum Bedarf an Abfallanlagen hängig sind.

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