Gion gehört zu den Gewinnern der Pandemie. Geboren am 20. März in Zürich, mitten in der Bleiben-Sie-zu-Hause-Phase. Mama ist im Mutterschaftsurlaub, Papa auf Kurzarbeit. Beide kümmern sich um den Kleinen. Wenn Gion auf eigenen Beinen steht, wird er eine andere Welt vorfinden, als wir sie kennen. Bloss: welche? Erst in Umrissen kann man die gesellschaftlichen Veränderungen erahnen, die Covid-19 verstärkt oder angestossen hat.

Zentrum unseres Lebens ist die Arbeit. Sie definiert den Ort, an dem wir uns niederlassen. Sie bestimmt, wie wir pendeln, diktiert, wo wir essen und einkaufen gehen, wo wir Sport treiben oder zum Apéro schreiten oder beides oder weder noch. Die Pandemie hat die Prinzipien der Arbeitswelt ausgehebelt. «Kommt noch jemand?», fragte jüngst das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» und zeigte Bilder verwaister Büros. Vermutlich nicht. Oder später. Vielleicht.

Das amtlich verordnete Stubenhocken legte den öffentlichen Verkehr weitgehend lahm. Strassen und Trams blieben leer, in den Zügen sassen 80 Prozent weniger Leute als üblich, Gäste aus dem Ausland blieben aus , die Einnahmen sanken dramatisch. Die SBB fuhren in der ersten Jahreshälfte im Personenverkehr 419 Millionen Franken Verlust ein, rund 30'000 Generalabos wurden nicht er­neuert. Etwa von Leuten, die kurzarbeiten und fürchten, ihren Job zu verlieren. Oder von Menschen, die keinen Grund mehr haben, für eine Sitzung den Zug zu nehmen, weil die Sitzung online stattfindet oder gar nicht, weil sie den Job im Reisebüro, in der Luftfahrt oder in den Medien bereits verloren haben.

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Gleichzeitig wurden in der Schweiz im ersten Halbjahr 2020 noch nie so viele E-Velos verkauft, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Manche E-Velos waren so begehrt, dass den überrumpelten Händlern die Ware ausging. Studien zeigen einen klaren Anstieg der Nutzung von Velos seit Beginn der Covidkrise. Das angenehme Wetter mag die Flucht aus der Stube begünstigt haben.

Infografik: Viel weiter mit dem Velo unterwegs

Infografik: So veränderte sich die Mobilität der Schweizer während der Coronakrise
Quelle: ETH Zürich/Universität Basel: «Mobilitätsverhalten in der Schweiz, Coronavirus-Studie» – Infografik: Andrea Klaiber

Auch in den Redaktionsräumen des Beobachters ist gegenwärtig weniger als ein Drittel der Besatzung physisch anwesend, kaum jemand verbringt die volle Arbeitszeit im Grossraumbüro. Das ist bedeutend weniger als etwa in Deutschland, wo 74 Prozent der Angestellten ins Geschäft zurückkehrten, oder in Frankreich, da sind es 84 Prozent. In den nahen Büros der Grossbank UBS arbeiten deutlich weniger Leute als üblich, die Kantine hat ihr Angebot stark eingeschränkt, die Tische sind spärlich besetzt.

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Viele trauen sich nicht raus

Neben all jenen, die sich trotz allem bewegen oder bewegen müssen und mehrheitlich mit Schutzmaske und Segelohren im öffentlichen Verkehr sitzen, verlassen etwa 15 Prozent der Bevölkerung ihr Heim bis heute nur in Ausnahmefällen. Oft sind es Ältere oder Angehörige einer Risikogruppe. Sie fehlen den SBB, den Museen, Läden, Restaurants, Bars. Aber sie haben Firmen wie Luma-Delikatessen gerettet, eine Onlinemetzgerei aus Neuhausen am Rheinfall.

Für Luma war die Pandemie Fluch und Segen zugleich. Der Gastrobereich ging wegen Covid auf praktisch null zurück, sagt einer der Gründer. Dafür schossen die Bestellungen Privater um 800 Prozent hoch. Die 25 An­gestellten arbeiteten zum Teil nachts, um die Lust auf Koteletts und Rindsfilet zu befriedigen.

Auch weniger exklusive Lieferdienste wie LeShop, Farmy, Coop@home und Brack wurden von der Flut an Bestellungen überrascht. Brack rief auf dem Höhepunkt der Covidkrise die Leute sogar dazu auf, weniger zu bestellen. Inzwischen schreibt etwa Coop@home wieder fleissig Mails an die Kundschaft und will Frustrierte mit Rabatten zurück auf die Website locken.

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55 Prozent der Leute wollen weniger einkaufen und mehr sparen.

Zu den Gewinnern der Covidkrise zählen auch die Buchhandlungen – zumindest online. Erst kam der Schock der verordneten Schliessung, «dann sind wir gerade im Zeitraum des Lockdowns regelrecht in Aufträgen ertrunken», sagt Natal Müller von Elantis.ch. Der Onlineshop aus Gähwil SG liefert gemäss Eigenwerbung «Bücher zu Amazon-Preisen». Elantis konnte den Umsatz ab Beginn der Pandemie «mehr als verdoppeln».

Besonders oft landeten Back- und Kochbücher im Warenkorb, aber auch Ratgeber und Esoterik wurden überproportional nachgefragt – und, was Müller besonders freut, Klassiker der Literatur. Die Kehrseite der Medaille: Die grossen Aufträge der Bibliotheken blieben weitgehend aus, und die vielen Kleinbestellungen von Neukunden drücken auf die Marge, weil der Postversand in der Schweiz teuer ist.

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Karton als Indikator

Generell war der Onlinehandel der grösste Gewinner der Covidkrise, Schätzungen zufolge wuchs er im ersten Halbjahr um 22 bis 30 Prozent. Das wirkte sich umgehend auf die Post aus. Sie brachte an Spitzentagen über 800'000 Pakete in die Häuser. Und auch die Kartonabfuhr nahm zu. Was online bestellt wird, erzeugt Abfall, der offline die Keller, Dachböden und Strassen verstellt. Wegen Zalando, Digitec, Amazon und anderen Onlinehändlern wurden allein in der Stadt Zürich von April bis Juni 1896 Tonnen Karton auf die Strasse gestellt. Das sind 30 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahrs.

Um der Flut von Kartons Herr zu werden, will Zürich den Altkarton ab nächstem Jahr alle zwei Wochen einsammeln statt einmal im ­Monat. Andere Orte verlangen für die Kartonabfuhr bereits eine Gebühr, etwa Grenchen im Kanton Solothurn. Das hat einen Grund: China übernimmt seit Anfang Jahr weder Karton, Plastik noch andere Abfälle aus dem Westen. Was in der Schweiz nicht wiederverwendet werden kann, wird in der Regel verbrannt. Das gilt auch für Bücher und Textilien. Während des landesweiten Hausarrests wurden Keller, Bücherregale, Kleiderschränke ausgemistet, die Brockenhäuser quellen über.

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Bin dann mal länger weg

Die Umwälzung (Bleiben Sie zu Hause!) ist so bedeutend wie die Einführung der Fabrikglocke vor 200 Jahren. Wenn auch im umgekehrten Sinn. Damals hiess es: Erscheinen Sie in der Fabrik! Und zwar pünktlich! Der Ton der Glocke führte zu einem der ersten Streiks der Schweiz, in Glarus, 1837. Die Glarner Stoffdrucker sollten durch das Gebimmel diszipliniert und verwaltet werden. Sie wehrten sich, und sie verloren.

Mit den Jahren wuchsen die Fabriken, die Produktion musste verwaltet werden. Es gab Sitzungen, interne Meldungen, Lohnausweise und Zeugnisse. Heute kommunizieren die Büromenschen vom Küchentisch aus per Skype, Teams oder Zoom, und ein erheblicher Teil der übrigen Werktätigen ist davon ausgeschlossen. Sie müssen den Beton vor Ort giessen, Kinder vor Ort hüten, Bärte stutzen und Bettlägerige vor Ort waschen.

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49 Minuten länger als im Büro dauert ein Arbeitstag im Homeoffice.

Der Kampf, wer von zu Hause aus arbeiten darf und wer nicht, hat längst begonnen. Oft ist Heimarbeit unmöglich, sonst hebt kein Flieger ab, wird kein Medikament gegen Covid entwickelt, keine Goji-Beere geerntet. Manche Firmen geben sich damit zufrieden, wenn die Angestellten «für immer» zu Hause bleiben. Das spart Mieten für Büros und Parkplätze.

Anders ist es bei Wavetech, einem Generalunternehmer im Bereich Telekommunikation aus Adliswil ZH. Die Firma ist auf Leute angewiesen, die vor Ort Leitungen legen und ein Netz aufbauen, das die Kommunikation im Büro und bei der Heimarbeit erst recht ermöglicht. Wavetech sucht händeringend Multi­media-­Elektroniker. Unter den 186'000 stellenlosen Bühnentänzern, Grafikern, Kamera­frauen, Mezzosopranistinnen und Religionspädagogen auf Job-room.ch sind sie wohl kaum zu finden. Auf eine offene Stelle kommen vier Suchende. Aber allzu oft passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen.

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Infografik: Mehr Arbeitslose, weniger Stellen

Infografik zur Corona-Krise: Mehr Arbeitslose, weniger offene Stellen

151'111 Arbeitslose zählte die Schweiz Ende August. Das sind 51,8 Prozent mehr als im August 2019.

Quelle: Seco – Infografik: Andrea Klaiber

Der lange Weg zurück

Die fixe Arbeitszeit hat morgens und abends zu ärgerlichen und teuren Staus auf den Strassen geführt. Zu vollen Zügen und Trams voller missmutiger Fahrgäste, die angewidert den Kopf wegdrehen, wenn der Nachbar am Morgen ein Bier kippt und die Nachbarin sich die Nägel schneidet. Auf die Frage, worauf sich die Homeofficer am meisten freuten, wenn sie wieder ins Büro dürften, antworteten 20 Prozent der Berufstätigen: «auf gar nichts».

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Gefragt hatte Korn-Ferry, ein Unternehmensberater. Er fasste jüngst Gedanken zur Arbeit nach Covid zusammen. Also für die Zeit, wenn eine verlässliche Impfung gegen das Virus möglich sein wird – was allerdings Jahre dauern kann. Neben baulichen Massnahmen (berührungsloser Zutritt zu Bürohäusern) rät Korn-Ferry der Chefetage an, sie solle Angestellte nach ihrer Leistung beurteilen und nicht danach, wer am Morgen zuerst am Pult sitzt. Zudem solle man auf Geschäftsreisen verzichten. Firmen sollten sich vermehrt um die psychische Gesundheit der Belegschaft kümmern, denn die Pandemie sei für viele eine traumatische Erfahrung gewesen.

Kein Kuss für Mutter

Am tragischsten sichtbar ist die Zerstörung von Ritualen bei Beerdigungen. «Es war schrecklich. Für alle. Wir wussten nicht, wohin mit den Händen», sagt der Cousin einer im August Verstorbenen. Keine trös­tende Umarmung, kein Handschlag, keine Berührung. Maske tragen in der Kirche, wo die Angehörigen in ihrer Trauer mit Abstand platziert wurden. «Die Abdankung fühlte sich an, als hätte ich mein eigenes Leben zu Grabe getragen», sagt der Cousin.

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Die Verstörung über jede soziale Begegnung unter Covidverdacht wird noch lange anhalten. Freundeskreise verkleinerten sich, Jassrunden verschwanden, Familienfeste blieben aus. Viele Ältere leiden unter der Isolation und wünschen sich, öfter eingeladen zu werden – oder ihr Enkelkind wieder einmal in die Arme schliessen zu dürfen.

Die Beratungsstelle Scala in Solothurn stellte fest, dass viele Paare die Grosseltern nicht mehr fragen, ob sie die Kinder hüten. Um die Älteren vor einer Ansteckung zu schützen. Das wiederum hat Einfluss auf die Paarbeziehung, weil weniger Zeit zu zweit möglich ist.

40 Prozent der Leute fühlten sich nach dem Lockdown gestresster als vor der Coronakrise.

Zum Tragen kam gerade in der monate­langen Bleiben-Sie-zu-Hause-Phase die Tatsache, dass in der Schweiz in 36 Prozent aller Haushalte nur eine Person lebt. Die redete mit der Wand oder der Turmdohle, und ihr Bewegungsradius schnurrte mehr oder weniger auf ihre Wohnfläche zusammen. Die beträgt im Schnitt immerhin 84 Quadratmeter. Ausser bei einer Ausländerin oder einem Ausländer zu Hause. Dort sind es 70 Quadratmeter.

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Mehr Nähe, mehr Klagen

Der Hausarrest ­dürfte nicht für alle so goldig und harmonisch gewesen sein wie für den kleinen Gion. In der ersten Covidphase verzeichnete die Aargauer Kantonspolizei überproportional viele Fälle häuslicher Gewalt. Parallel dazu stritten sich auch mehr Nachbarn. Die Lärmklagen nahmen um 40 Prozent zu, weil Kinder im Freien kreischten oder Tag und Nacht Coronapartys gefeiert wurden, während die anderen am Tisch zu Hause arbeiten mussten und kein Auge zudrücken konnten.

Wenig überraschend nahmen in der ersten Covidphase Verkehrsdelikte, Einbrüche und Ladendiebstähle ab. Seit Öffnung der Grenzen ist der Verkehr auf dem alten Niveau, und «es scheint im Einbruchsektor wie auch bei den Streitereien im öffentlichen Raum ein gewisser Nachholbedarf zu bestehen», schreibt die Kantonspolizei Aargau.

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Weniger Nähe, weniger Sex?

War früher ein Flirt an der Bar oder im Club üblich, ver­lagerte sich der Balztanz für kürzere oder längere ­intime Bedürfnisse aufs Handy. Die App Tiktok entwickelte sich zur Plattform für junge Lesben, Grindr blieb das bevorzugte Jagdgebiet für Schwule und Tinder jenes für Heterosexuelle. Wisch und küss oder wisch und weg.

«Die Erfolgsquote auf Tinder war in der Zeit des Lockdowns mager», erzählt eine junge Frau. Neun von zehn Männern waren zwar ansprechbar, aber wenig paarungswillig. «Egal ob für die Bank oder fürs Bett.» Mit Bank meint sie Parkbank. Zu einem Gespräch.

Covid verstärkt möglicherweise den inneren Druck, immer vernünftig zu sein, ständig sich selbst zu optimieren und möglichst lange leben zu wollen. «Deshalb trinken wir Bier ohne Alkohol, essen Margarine ohne Fett und haben im Internet Sex ohne Körperkontakt», bemerkte der österreichische Philosoph Robert Pfaller Jahre vor der Pandemie.

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Die verbotene Nähe während Covid führte zum Bankrott von Europas grösstem Bordell, dem «Pascha» in Köln. Das grösste Schweizer Etablissement, der Club Globe in Schwerzenbach ZH, lockt weiterhin mit 33 «Girls». Anfragen des Beobachters beantwortete der Club mit «kein Interesse». Auch bei anderen Sexclubs mochte man sich nicht äussern.

75 Prozent der Kundschaft zahlen heute kontaktlos. Jede vierte Person verzichtet komplett auf Bargeld.

Die Zahl der Geschlechtskrankheiten, die dem Bundesamt für Gesundheit gemeldet wurden, ging während der Covidkrise zurück. Die Gründe sind unklar. «Zum einen hat sich das Sexualverhalten eventuell verändert, zum andern wurde auch weniger getestet. Routinekontrollen waren ja ein paar Wochen lang sogar verboten», sagt Benjamin Hampel, ärztlicher Co-Leiter bei Checkpoint Zürich, einem Gesundheitszentrum für Männer und Transmenschen.

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Möglich sei sogar, dass sich Chlamydien und Tripper stärker verbreiteten, weil 60 bis 70 Prozent der Bakterienträger keine Beschwerden haben und ahnungslos andere anstecken konnten. Daher kann man sich im September und Oktober bei Checkpoint für 40 Franken auf HIV, Syphilis, Chlamydien und Tripper testen lassen. Das erklärte Ziel sei, damit möglichst viele unentdeckte Infektionen herauszufischen.

Checkpoint hat sich schweizweit mit dem Sexualverhalten während Covid befasst. «Die Daten sind noch nicht ausgewertet, aber ich kann schon mal so viel sagen: Die Empfehlung des Bundesrats, nur noch Sex mit Personen aus dem gleichen Haushalt zu haben, ist für viele nicht durchführbar gewesen. Ein Teil hat sogar angegeben, durch Homeoffice oder Kurzarbeit mehr Möglichkeiten für Sexualkontakte gehabt zu haben», sagt Hampel.

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Und was geschieht mit den Büros?

In den grossen Städten wird die Nachfrage nach Geschäftsräumen um mindestens zehn Prozent sinken, schätzen Fachleute. Da Büro- und Gewerbeflächen für fünf oder zehn Jahre gemietet werden, wird es dauern, bis diese Entwicklung preislich durchschlägt. Bis dahin kämpfen manche Mieter mit hohen Ausgaben bei tieferen oder ausbleibenden Einkünften. Sie hätten ihre Räume in der ersten Phase der Pandemie zwar nutzen dürfen, aber niemand kam.

So blieb das Restaurant Not Guilty im Erdgeschoss des Medienparks in Zürich-Altstetten (wo auch der Beobachter eingemietet ist) von einem Tag auf den andern leer. «Wir leben vom Mittagsgeschäft. Wenn alle zu Hause bleiben, ist es für uns günstiger, das Lokal nicht zu öffnen. Wir brauchen einen gewissen Mindestumsatz», sagt Gründer Roland Wehrle.

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Wenn dem Schreiner oder der Physiotherapeutin die Miete erlassen wurde, tat das meist ein privater kleiner Hauseigentümer oder die Stadt – und nicht ein börsenkotierter Grossvermieter. Diese fürchten einen Preisverfall, der sich bereits ankündigt: Im zweiten Quartal sank der Marktwert von Schweizer Büroimmobilien gegenüber den drei Monaten davor um 4,1 Prozent.

Die Besitzerin des Medienparks wartet erst mal ab, wie die meisten anderen grossen Immobilienfirmen. Zwar haben sie da und dort Klein­gewerblern zwei Mieten gestrichen, aber letztlich wird das Parlament entscheiden, wer das finanzielle Loch aus Covidzeiten stopfen muss.

Infografik: Die grossen Verlierer

Infografik: Die grossen Verlierer der Coronakrise
Quelle: Seco – Infografik: Andrea Klaiber
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Schwere Zeiten durchleben die meisten Hotels und Restaurants. Erste Betriebe wie das Luxushotel Richemond in Genf machten bereits dicht, vielleicht für immer. In Zürich musste die Eröffnung des frisch renovierten «Felix» um vier Monate verschoben werden. Es gehört zur Meili-Gruppe. «Wir haben Mitte März drei Hotelbetriebe in Zürich mangels Nachfrage geschlossen», sagt Yves Meili.

Der Grossteil des Personals arbeitete kurz, die Hotels wurden nach und nach wieder eröffnet, als letztes das «Felix». Normalerweise sei ein Zürcher Hotel zu 82 Prozent ausgelastet, in diesem Jahr weit darunter. «Alle Stadthotels werden dieses Jahr unter Einbezug der Kapitalkosten rote bis tiefrote Zahlen schreiben», sagt Meili. Er rechnet mit diversen Verkäufen und Betriebsschliessungen. Schweizweit dürften gegen 200 Hotels zum Verkauf stehen. Aber es ist nicht klar, ob Covid die alleinige Ursache ist.

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3200 Gastbetriebe könnte die Coronakrise vernichten, schätzt der Schweizer Tourismus-Verband.

Auch für die Gastronomie wird 2020 ein insgesamt schlechtes Jahr werden – obwohl Ferienorte wie Disentis GR Rekordumsätze erlebten. Vor allem in Basel, Genf und Zürich und ihren Agglomerationen blieben die Gäste aus. Im Schweizer Schnitt sackte der Umsatz im Juli um fast einen Drittel ab, registrierte der Branchenverband Gastrosuisse. Manche Lokale schränkten die Öffnungszeiten ein, etwa der «Löwen» in Fraubrunnen BE.

Das Restaurant ist nur noch von Donnerstag bis Samstag geöffnet, und auch dann ist das Geschäft wetterabhängig. «Wenn man draussen sitzen kann, kommen Gäste», sagt Kevin Bracher, der Wirt. Von Montag bis Mittwoch ist er bei einer Getränkefirma, als Einkaufsleiter. Für den «Löwen» ist die Wildsaison wichtig. Auch die hängt nun vom Wetter ab. Ebenfalls wichtig sind die Weihnachtsessen. Im Frühherbst seien normalerweise viele gebucht. «Dieses Jahr noch kein einziges.»

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Covid hat auch noch dem Stammtisch den Rest gegeben. «Es gibt in der ganzen Gegend keinen mehr.» Bis zum Lockdown kamen die Stammtischgäste noch. Nun bleiben auch sie fern, haben Angst oder einfach kein Interesse mehr. Schweizweit blieben die Umsätze weit unter den Erwartungen. Die Branche rechnet mit Hunderten von Betriebsaufgaben und Konkursen. Und damit mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Vorausblickend haben die Kantone rund 200 neue RAV-Beamte eingestellt.

In welchen Bereichen hat die Corona-Pandemie Ihr Leben am stärksten verändert? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

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René Ammann, Redaktor

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