Tina Langenegger* machte sich Hoffnungen auf die grosse Liebe. Aber sie war nicht naiv. Sie kannte die Geschichten über Betrüger, die im Internet Liebe vorgaukeln, es aber aufs Geld abgesehen haben. Sie bringen Frauen unter einem Vorwand dazu, grössere Summen zu überweisen. Die Masche nennt sich «Romance-Scam» oder «Love-Scam», auf Deutsch Romantik- oder Liebesbetrug.

Im Fall von Tina Langenegger hatte der mutmassliche Betrüger den Trick derart perfektioniert, dass der Scam kaum mehr durchschaubar war. Auf der Singlebörse Swissfriends trat er unter dem Namen «Freddy Hofer» auf, nutzte eine E-Mail-Adresse von Blue­win.ch und schickte Tina die Nummer seines 031er-Festnetzanschlusses und seines 076er-Handys. Sie fand «Freddy» in Online-Telefonbüchern tatsächlich in Gümligen, wie von ihm erwähnt. Es gab keinen Grund, an seiner Lauterkeit zu zweifeln.

Perfekter Betrug

Tina horchte nur einmal auf, als er ­angab, seine Frau sei gestorben und er lebe mit seinem Sohn allein. Doch «Freddy» schickte Bilder, die seine Geschichte authentisch erscheinen lies­sen. Und Tina sah in ihm einen Schicksalsgenossen. Auch sie hatte vor einigen Jahren ihren Partner verloren.

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Die beiden tauschten sich bald über SMS und Whatsapp aus. Einmal schrieb sie ihm, sie sei gerade in Bern, man könnte sich doch treffen. Er antwortete, er besuche gerade seinen Cousin in Küsnacht. Aber er hätte Zeit, um zu telefonieren.

«Freddy» rief an, auf Tinas Display erschien eine 043er-Nummer. Die hatte er über einen Genfer Anbieter legal vom Bundesamt für Kommunikation bezogen. Im Online-Telefonbuch fand Tina den Namen des «Cousins» tatsächlich in Küsnacht.

Plötzlich verunfallt… in Lagos

Es kam, wie es kommen musste: Tage später teilte ihr «Freddy» mit, er müsse kurzfristig geschäftlich nach Lagos, der Millionenstadt in Nigeria. Auch von dort schickte er Fotos. Dann plötzlich die Hiobsbotschaft, er sei verunfallt und liege im Spital. «Nein, er fragte nie konkret nach Geld, aber es war klar, dass er ‹Hilfe› wünschte», sagt Tina. Sie habe ihm mitgeteilt, sie sei nicht in der Lage, Geld zu überweisen. Daraufhin meldete sich «Freddy Hofer» nicht mehr.

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Recherchen des Beobachters zeigen, dass die Telefonbucheinträge von «Freddy Hofer» in Gümligen und seines vermeintlichen Cousins in Küsnacht nur wenige Tage zuvor erstellt worden waren. Denn jedermann kann via Local.ch/Search.ch Adressen eintragen. Allerdings betont Local.ch/Search.ch, sämtliche Neueinträge und Änderungen würden einen Kontrollprozess durchlaufen, und der Kunde werde jeweils kontaktiert. Weil das bei «Freddy» nicht möglich gewesen sei, wurden beide Fake-Adressen gelöscht.

Fotos aus sozialen Netzwerken

Für seine fiktive Identität verwendete «Freddy» Bilder, die er sich offensichtlich aus einem sozialen Netzwerk beschafft hatte. Die Polizei ordnet solche Romance-Scams nigerianischen, ghanaischen und russischen Betrügerbanden zu. Auf Swissfriends ist «Freddys» Profil inzwischen gelöscht.

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*Name geändert

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Quelle: Thinkstock Kollektion