«Seit ventitré anni gibt es Claudio Scattina nicht mehr», sagt der von Kopf bis Fuss assortierte Italoschweizer Valentino über sein bürgerliches Pendant. Mit dem Künstlernamen Valentino verabschiedete er sich damals von Claudio, dem Immigrantensohn mit Coiffeuranlehre. Der Aufstieg zum millionenschweren Lifestyleguru begann.

Heute umfasst seine Welt, «Mondo Valentino», 13 Geschäfte. Dort widmen sich 80 Angestellte ganz der schönen Oberfläche – und der Chef lebt sie vor. «In dieser Branche ist die Selbstinszenierung Teil des Geschäfts», erklärt Valentino. «Gewisse Luxusartikel gehören einfach dazu.» Er könnte sich alles leisten und müsste auf nichts verzichten. Doch neben der Verkörperung des schönen Scheins liegt ihm eine Rolle noch mehr am Herzen: die des Gastgebers. «Ich will doch etwas davon haben, wenn ich so viel arbeite.» Warum soll er sich jedes Mal nach einem 1000-Franken-Essen hintersinnen?

Es sind diese «kleinen Zückerli», die ihm helfen, am Abend den Wecker für einen neuen Zwölfstundentag zu stellen. «Ich müsste gar nicht mehr arbeiten», sagt er. Doch die Leidenschaft Arbeit treibt ihn an. «Jeden Tag stehe ich auf mit der quälenden Unzufriedenheit, nicht gut genug zu sein.»

Daran ändert die Millionenvilla genauso wenig wie das Rennboot oder der Range Rover. Wenn Valentino im Fernsehen sieht, wie in einem arabischen Deluxe-hotel die goldenen Türklinken geputzt werden, dann kann ihm das schon mal den Schlaf rauben. «Gemessen an solchem Pomp habe ich noch gar nichts erreicht.»

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