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Film «Der böse Onkel»Opfer zu Tätern gemacht

Ein neuer Schweizer Film verharmlost Pädophilie.

Provokation um jeden Preis: Jörg-Heinrich Benthien als «böser Onkel»
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Das neuste Werk des Nidwaldner Regisseurs Urs Odermatt kommt im Frühling in die Kinos: «Der böse Onkel», so der Filmtitel, ist ein Sportlehrer namens ­Armin, der seine Schülerinnen sexuell missbraucht. Die Geschichte erinnert stark an den realen «Fall Möriken», als Turnlehrer Köbi F. in den neunziger Jahren Schülerinnen ausbeutete. Ruth Ramstein wurde 1998 vom Beobachter mit dem Prix Courage ausgezeichnet, weil sie sich für die Opfer einsetzte.

«Ich verstehe Täter»

Im Film kommt der pädophile Sportlehrer als cooler Rockstar daher, den fast das ganze Dorf liebt. «Der Täter wird auf einen Thron gehoben – unerträglich», sagt Ruth Ramstein. Mit der Verharmlosung der Pädophilie «überschreitet Odermatt die Grenze der künstlerischen Freiheit massiv. Er scheint zu vergessen, dass sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ein schweres Verbrechen ist.»

In «Der böse Onkel» gehe es überhaupt nicht um sexuellen Missbrauch, sagt Regisseur Urs Odermatt. «Ich verstehe Opfer. Und ich verstehe Täter. Weil wir alle beides in uns haben. Der Film zeigt, dass es nicht Weiss oder Schwarz gibt. Und er stellt die Frage, ob Opfervertreter mehr Opfer oder mehr Täter sind.» Eine Frage, die Odermatt im Film selber beantwortet: Die Mutter, die sich gegen die sexuellen Übergriffe zur Wehr setzt, stellt er als rechthaberische, frustrierte Schachtel dar.

Deren Tochter wiederum fühlt sich von der Klasse aus­gestossen – weil sie als Einzige nicht von Armin missbraucht wird. «Odermatt macht sich lustig über die jungen Frauen, stellt sie übersexualisiert dar und beutet sie aus. Doch über Pädophilie dreht man keinen Klamaukfilm», kritisiert Ruth Ramstein. Die Kritik ficht Odermatt nicht an: «Anders als bei meinen früheren Filmen be­obachte ich hier nur entweder bittere Ablehnung oder euphorische Zustimmung. Für mich heisst das: Ziel erreicht.» Auch wenn es auf Kosten der realen Opfer geht.

Veröffentlicht am 31. Januar 2012