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Luftreinhalte-VerordnungHeizungen sollen sauberer und effizienter werden

Ab Juni gelten schärfere Regeln für Heizungsabgase. Der Mieterverband begrüsst dies, der Hauseigentümerverband sieht dagegen schon ein Verbot von Ölheizungen am Horizont.

Wegen der neuen Luftreinhalte-Verordnung werden die Regeln für Heizungen bald strenger.
von aktualisiert am 02. Mai 2018

Am 1. Juni 2018 tritt die neue Luftreinhalte-Verordnung in Kraft, mit der verschiedene Vorschriften an den heutigen Stand der Technik angepasst werden. Der Bundesrat will damit primär die Emissionen von Feinstaub verringern, und rechnet wegen der Verbesserung der Luftqualität mit Einsparungen bei Gesundheitskosten und Gebäudeschäden von rund 50 bis 250 Millionen Franken pro Jahr. Die Änderungen betreffen vor allem Heizanlagen. Welche Auswirkungen hat die neue Verordnung?

Öl- und Gasheizungen

  • Heute wird bei Öl- und Gasheizungen alle zwei Jahre die Einhaltung der Abgaswerte kontrolliert. Gasheizungen unter 1 Megawatt (MW) Leistung müssen neu aufgrund der technischen Fortschritte nur alle vier Jahre geprüft werden. Bei Ölheizungen unter 1 MW bleibt der Zyklus bei zwei Jahren.
  • Bei neuen Öl- und Gasheizungen, die nach dem 1. Januar 2019 in Betrieb genommen werden, gelten künftig strengere Grenzwerte für Abgasverluste, sprich für den Anteil der erzeugten Wärme, die über Abgase verloren geht. Neu gilt dann ein Grenzwert von 4 Prozent Verlust. Bei bestehenden Heizungen gilt wie bisher der Wert von 6 - 8 Prozent.
  • Nach einer Übergangszeit von fünf Jahren darf ab dem 31. Mai 2023 bei Ölheizungen von unter 5 MW nur noch Ökoheizöl (Heizöl «Extra leicht Öko») zum Einsatz kommen.

Holzheizungen

  • Bisher gab es für Holzheizungen bis 70 Kilowatt (kW) Leistung keine Abgasgrenzwerte für Feinstaub. Diese wurden nun für Feinstaub festgelegt und für Kohlenmonoxid verschärft.  
  • Neu sollen solche Heizungen auch periodisch (alle vier Jahre) überprüft werden, bei Feinstaub allerdings erst ab dem 1. Juni 2019 und nur bei der Erstmessung einer neuen Anlage. Dies gilt nicht für Einzelraumfeuerungen wie Cheminées oder Schwedenöfen, wenn sie mit naturbelassenem Holz (oder Pellets, Schnitzel) befeuert werden.
  • Einzelraumfeuerungen wie Cheminées und Schwedenöfen müssen alle zwei Jahre einer visuellen Kontrolle unterzogen werden.

Details und weitere Anpassungen der Luftreinhalte-Verordnung sind im Erläuternden Bericht des Bundesamtes für Umwelt Bafu aufgeführt. 

Was müssen Betroffene jetzt unternehmen?

Zunächst müssen die Kantone ihren Vollzug an die neuen Vorschriften anpassen. Sie können diese unter Umständen auch schärfer auslegen, als es vom Bund gefordert wird. 

Konrad Imbach, Geschäftsleiter des Schweizerischen Verbands für Heizungs-, Lüftungs-, und Klimatechnik, erklärt, was dann auf die Haushalte zukommt: «Je nach Kanton werden die Hausbesitzer aufgefordert, ihre Anlagen messen zu lassen. Sie müssen den Servicetechniker oder den Feuerungskontrolleur anlässlich der Wartung für die Messung beauftragen oder dieser meldet sich selbstständig für die ordentliche Kontrolle an.» Beat Müller, Sektionschef Industrie und Feuerungen beim Bundesamt für Umwelt Bafu, meint, es entstehen daraus keine wesentlichen Zusatzaufwände: «Die Messungen können kombiniert mit der Reinigung der Anlage durch den Kaminfeger durchgeführt werden.»

Kommen hohe Kosten auf die Haushalte zu?

«Bei Neuanlagen wird es keine Mehrkosten geben, da die Geräte auf dem Markt die neuen Vorschriften schon einhalten», beruhigt Daniel Huber, Mitglied der Geschäftsleitung bei «5 Architekten» und Experte beim Hausverein Schweiz. «Da eine Übergangszeit von 10 Jahren für bestehende Anlagen gilt, ist davon auszugehen, dass in der angesetzten Frist durch altersbedingte Erneuerung schon ein Grossteil der Geräte ausgetauscht wird.» Zudem werde die Wartung von Gasfeuerungen günstiger, weil bei diesen die periodischen Kontrollen nur noch alle vier Jahre stattfinden.

Dem pflichtet auch Konrad Imbach bei, rechnet jedoch wegen der neuen Vorschriften künftig mit höheren Kosten bei Holzheizungen: «Nicht nur im Betrieb, sondern auch bei der Investition werden Holzheizungen in Zukunft eher teurer werden.»

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband befürwortet die Änderungen, wie Generalsekretärin Natalie Imboden sagt: «Wir unterstützen die Verbesserungen der Grenzwerte, die im Interesse der Gesundheit der Mieterinnen und Mieter sind. Wir gehen nicht davon aus, dass die Änderung für die Mietenden Auswirkungen hat (ausser besserer Luft). Das heisst, konkret auch nicht zu höheren Mieten führen soll oder darf.» Diese Annahme deckt sich mit derjenigen des Bafu, das damit rechnet, dass die entstehenden jährlichen Zusatzkosten in einer Grössenordnung seien, die die Wohnkosten für Haushalte (Eigentümer und Mieter) kaum beeinflussen dürften.

Und was ist mit den neuen Vorschriften beim Heizöl?

Der Hauseigentümerverband HEV moniert in einer Mitteilung, mit dieser Verordnungsänderung und der Vorschrift, welches Heizöl man verwenden müsse, sei der Bundesrat auf dem «Weg zum Verbot von fossilen Heizungen einen Schritt weiter gekommen». Bafu-Sektionschef Beat Müller sagt jedoch, von einem Verbot könne nur wegen des Wechsels auf eine umweltfreundlichere Heizölvariante keine Rede sein: «Der Einsatz von Ökoheizöl entspricht sowieso der aktuellen Tendenz. Bereits heute sind gegen 40 % des verkauften Heizöls Ökoheizöl.» Es sei mit der Umstellung nur mit geringen Mehrkosten im Rahmen von 1 bis 3 Prozent zu rechnen.
 

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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