«Bitte sorgen Sie dafür, dass diese Seite verschwindet», schreibt Betriebswirtin Sabine Schneider aus Bremen dem Beobachter. «Diese Webseite verharmlost den Missbrauch von Kindern, sie ermuntert zum Missbrauch.» Die Texte, die sie auf dem Internet gefunden habe, seien frauen- und kinderfeindlich.

Auch Karl Rössler von der Opferberatungsstelle für gewaltbetroffene Jungen und Männer in Zürich winkt ab: «Was da veröffentlicht wird, ist eine Verharmlosung der Pädophilie.» Man überlege sich, die Basler Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Die Rede ist von der Gruppe Arcados, einem Kreis von Pädophilie-Betroffenen um die gleichnamige Schwulenbuchhandlung in Basel. Ihre Homepage deklarieren sie als «Forum für Fakten, Erkenntnisse und Erfahrungen» und als «Ratgeber für pädophil veranlagte Menschen, besorgte Eltern und betroffene Kinder». Eine Kombination, die Karl Rössler für «sehr problematisch» hält.

Verharmloste Kinderpornografie Tatsächlich stösst man beim Blättern im Arcados-Angebot neben wissenschaftlichen Texten auf Erlebnisberichte schwuler Knaben und Bekennerartikel von pädophilen Homosexuellen. So schwärmt etwa ein Uwe Kroll über das «Objekt meiner Sehnsucht»: «Das heiter-melancholische Wesen und kindliche Gemüt eines Knaben, das liebe Milchgesicht, der zart-samtene Schmelz der unbehaarten Knabenhaut, die warme glatte Brust, die schmalen Hüften, die schlanken Beine und Schenkel, der weiche Knabenpopo…»

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Arcados will einen Unterschied zwischen «guter und schlechter Kinderpornografie» machen: Erstere gebe Einblick in das Sexualleben von Kindern, letztere zeige Kinder, die Erwachsene befriedigen müssten. Die selbst ernannten Berater polemisieren denn auch gegen die «Dogmen des Feminismus» und die «Verketzerung von Pädophilen als Monster mit menschlichem Antlitz». Und sie thematisieren den «Missbrauch mit dem Missbrauch».

Wer bei Arcados Hilfe sucht, stösst auch auf Sylvia Tanner. Ihre beiden Söhne im Alter von 13 und 15 Jahren seien traumatisiert worden, als sich ihr pädophiler Freund umbrachte. Seit sechs Jahren betreibt die Schaffhauser Hausfrau eine private Beratungsstelle für Pädophile. «Ich habe bereits 600 Leute beraten. Ich mache es weder als Hobby, noch habe ich ein Helfersyndrom.» Aus Betroffenheit versuche sie einfach, «das allgegenwärtige Klischee vom Sexmonster abzubauen».

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Für Pädophile macht sich auch Arcados-Gründer Peter Näf stark. Der 62-jährige Zürcher Psychologe behauptet, die bisherige Kampagne gegen sexuellen Missbrauch habe «mehr geschadet als genützt – hauptsächlich den Kindern». Dabei behandelt Näf vor allem die Täter – mit dem Konzept der Schadensbegrenzung: «Mit Beratung kann man mehr erreichen als mit Bestrafung.» Er spricht davon, dass es in der Schweiz «Tausende von Pädophilen zwischen 17 und 30 Jahren» gebe, die sich nicht strafbar gemacht hätten.

Diese «Gratwanderung» stösst bei anerkannten Opferberatungsstellen auf grösste Skepsis. Die Trennung in «gute» Pädophilie und «schlechte» Pädosexualität sei künstlich, sagt Katrin Maurer von Limita, der Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen und Jungen. «Bei Pädophilie ist immer auch Sexualität eingeschlossen. Und dann wirds gefährlich, weil zwischen Erwachsenen und Kindern ein Abhängigkeitsgefälle besteht.»

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«Eingangstor» für Kindersex
Für den St. Galler Sexualberater Karl Weilbach, der pädophile Täter therapiert, stellt Arcados die Verhältnisse auf den Kopf: «Wenn die politische Botschaft lautet: ‹Wir lieben Kinder und werden dafür bestraft›, werden die Täter zu Opfern gemacht.» Eine solche Beratung würde kaschieren, dass sich hier vor allem Pädophile gegenseitig stärken. «Das wäre ein Eingangstor für Pädosexualität.»

So ist es: Die Links von Arcados führen zu einem deutschen Pädoportal und zu englischsprachigen Boy- und Girl-Lover-Seiten. Hier kommen Leute auf ihre Rechnung, die keine wissenschaftlichen Texte und Gesetzesparagraphen suchen, sondern Kontakte. Und Arcados hilft dabei, indem sie eine Anleitung «Für mehr Anonymität beim Surfen und Mailen» mitliefert.

Die Arcados-Buchhandlung, die Literatur und Videos zur Pädosexualität vertreibt, war bereits mehrmals Ziel von Strafuntersuchungen der Basler Polizei. Auch beim Fachdienst Sexualdelikte der Kantonspolizei Zürich und bei der Schaffhauser Polizei ist Arcados als «Treffpunkt von Pädophilen» einschlägig bekannt.

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Inzwischen ist den Arcados-Leuten der Boden offenbar zu heiss geworden. Aufgeschreckt durch die Beobachter-Recherchen, haben sie die meisten Inhalte auf ihrer Homepage gelöscht. Zurzeit verkündet ein harmlos blinkender Schriftbalken: «Under construction.» Besser wäre wohl: «Under deconstruction.»