
Veröffentlicht am 29. März 2026 - 06:00 Uhr

Nadja Maurer, 45, hatte ihre Magersucht lange Zeit im Griff. Bis sie sich in einem Fitnessstudio anmeldete.
Am lautesten ist die Stimme in ihrem Kopf, wenn sie auswärts brunchen geht. Die Stimme drängt sie dazu, genug zu essen. Gleichzeitig warnt sie: «Zu viel ist auch nicht gut!» Die grosse Auswahl an Brot, Käse, Müesli, Waffeln und Früchten macht es Nadja Maurer schwer, das richtige Mass zu finden. «Sobald ich die unsichtbare Grenze überschritten habe, verliere ich die Kontrolle und stopfe einfach alles in mich hinein», sagt die 45-Jährige aus Basel. «Die Kalorien versuche ich danach durch Erbrechen, Fasten oder Sport wieder loszuwerden.»
Für viele Menschen mit einer Essstörung ist dieser innere Kampf allgegenwärtig. Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums von 2022 zeigen, dass Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 Jahren mit 31,7 Prozent am häufigsten betroffen sind. Zwischen 45 und 54 Jahren sind es bei Frauen noch rund 14 Prozent und bei Männern 11 Prozent. Mit zunehmendem Alter wächst oft die Scham, zuzugeben, dass man ein Problem mit dem Essen hat. Deshalb leiden viele im Verborgenen und finden keine Hilfe.