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DiabetesDie unsichtbare Bedrohung

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, nimmt die Zahl der Diabetes-Erkrankungen immer mehr zu. Aktuell schätzt man, dass fast eine halbe Million Schweizer daran erkrankt sind.

von aktualisiert am 16. Oktober 2017

Die schlechte Nachricht erhielt Andreas S. (Name der Redaktion bekannt) vom Hausarzt: Diabetes. «Ich dachte sofort an meinen Vater, der vor 30 Jahren starb und zuckerkrank war. Nein, bloss das nicht! So wie er wollte ich nicht leben müssen.» Dann habe er aber schnell gemerkt, dass sich die Zeiten grundlegend geändert haben: Wer heute an Diabetes erkrankt, dessen Alltag wird nicht mehr von schmerzenden Insulinspritzen, strengen Diätvorschriften und genau einzuhaltenden Tagesabläufen bestimmt. «Selbst strikte Ernährungsvorschriften sind passé - vorausgesetzt, man hält beim Essen Mass und ernährt sich einigermassen gesund», weiss der 55-Jährige heute.

Dass Andreas S. an Diabetes erkrankt ist, überrascht Fachleute nicht: Er verbringt viel Zeit im Büro und an Sitzungen, die bis spät abends gehen. Wenn er dann nach Hause kommt mag er nicht mehr joggen gehen, sondern es führt ihn der direkte Weg zum Kühlschrank. Die logische Folge seines Bewegungsmangels und der falschen Ernährung: Übergewicht - und eben «Altersdiabetes», wie die Krankheit im Volksmund auch genannt wird.

Doch diese Bezeichnung ist irreführend: Ein ungesunder Lebensstil und erbliche Vorbelastung begünstigen den Typ-2-Diabetes in allen Altersgruppen. Sogar Kinder und Jugendliche sind durch das immer häufiger vorkommende Übergewicht zunehmend davon betroffen.

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Wie kommt es zu Diabetes?

Doch wie kommt es überhaupt zu Diabetes? Weit verbreitet ist die Annahme, dass der Zucker in unserer Nahrung die «Zuckerkrankheit» verursacht. Falsch: Diabetes wird nicht allein vom Zucker in der Nahrung verursacht. Er hängt aber mit der durch Übergewicht verursachten sinkenden Insulinempfindlichkeit der Körperzellen zusammen − und hat somit einiges mit unserer Ernährung zu tun.

Ein gesunder Zuckerhaushalt funktioniert folgendermassen: Der Körper gewinnt Zucker (Glukose) aus der Nahrung. Über die Blutbahn wird er zu allen Zellen transportiert, die ihn zur Energiegewinnung nutzen. Die Zuckerkonzentration im Blut wird durch spezielle «Fühler» zu jedem Zeitpunkt gemessen und über das Gehirn gesteuert. Ist der Zuckerspiegel hoch - etwa nach dem Essen -, ergeht ein Befehl an die Bauchspeicheldrüse, das Hormon Insulin zu produzieren. Insulin wird daraufhin freigesetzt und übermittelt als Bote den Körperzellen, dass sie Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen. Dadurch sinkt der Zuckerwert im Blut.

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Diabetes: Jahrelang unentdeckt

Bei Diabetikern ist dieser fein aufeinander abgestimmte Regelmechanismus gestört: Der Körper bildet entweder kein eigenes Insulin mehr (Diabetes Typ 1), oder das noch vorhandene Insulin kann nicht ausreichend freigesetzt oder verwertet werden (Diabetes Typ 2) - es liegt eine so genannte Insulinresistenz vor.

Der weitaus grösste Teil der Patienten, nämlich 90 Prozent, leidet an Typ-2-Diabetes. Besonders tückisch dabei: Die Erkrankung wird jahrelang nicht entdeckt. Denn meist gibt es keine eindeutigen Anzeichen, die auf die Stoffwechselstörung aufmerksam machen. Erste Anzeichen sind Müdigkeit, Durst, häufiges Wasserlösen und schlechte Wundheilung. Dann hat der Diabetes aber bereits mit seiner Zerstörung begonnen. Und erst viel später, wenn die Blutzuckerspiegel lange Zeit schon deutlich erhöht sind, kann sich die Krankheit bemerkbar machen - und sich fatal auswirken. Herzinfarkte, Hirnschläge, Durchblutungsstörungen der Beine, Nerven-, Nieren- und Augenschäden, Impotenz: All diese Leiden können die späte Folge von «Zucker» sein.

Meist bringt erst der Zufall oder wie bei Andreas S. eine Routineuntersuchung den Befund zutage. Durchschnittlich geht man von sieben Jahren aus, bis die Diagnose gestellt wird. Zumal nicht alle Ärzte so vorbildlich reagieren wie jener von Andreas S.: Oft wird gegenüber den Patienten verharmlosend von «leicht erhöhten Blutzuckerwerten» gesprochen. Deshalb empfehlen die Ärzte allen über 45-Jährigen, alle zwei bis drei Jahre ihren Blutzucker messen zu lassen.

Ursachen, Symptome und Massnahmen

Diabetes ist eine chronische Krankheit, die in zwei Formen auftritt. Sowohl beim Typ-1-Diabetes als auch beim Typ-2-Diabetes leidet der Patient unter erhöhtem Blutzucker, doch die Ursachen dafür sind verschieden.

Typ-1-Diabetes: Insulinmangel

Der Typ 1 beginnt meist sehr rasch. Die Symptome sind ausgeprägt. Das Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen des eigenen Körpers. Die Bauchspeicheldrüse ist deshalb nicht mehr in der Lage, genügend Insulin zu produzieren. Diese Form des Diabetes muss immer und ausschliesslich mit Insulin behandelt werden.

Typ-2-Diabetes: Insulinresistenz und verminderte Insulinausschüttung

Im Unterschied zum Typ-1-Patienten verspüren Typ-2-Diabetiker lange keine akuten Beschwerden. Hier ist die «Chemie» zwischen den Körperzellen und dem Insulin gestört. Die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Insulin (verminderte Insulinausschüttung), und die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Körperzellen ist gestört (Insulinresistenz). Behandlung: Verhaltensänderung (Ernährung, Bewegung), später auch Medikamente und allenfalls Insulin.

Welche Anzeichen weisen auf Diabetes hin?


Wichtigste Massnahmen gegen Typ-2-Diabetes

  • bei Übergewicht: abnehmen
  • mehr Bewegung im Alltag (zu Fuss gehen, Treppen statt Lift benützen)
  • moderate körperliche Aktivität dreimal pro Woche während 30 bis 45 Minuten (zum Beispiel zügiges Gehen, Velofahren, Schwimmen)
  • zu jeder Hauptmahlzeit Vollkornbrot, Getreideprodukte, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte
  • reichlich frisches Gemüse, Salat und Früchte (zirka fünf Portionen pro Tag)
  • Süssigkeiten massvoll, dafür aber mit Genuss
  • Proteinbeilagen wie mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Eierspeisen, Tofu, Yasoja, Cornatur et cetera gehören zu jedem Mittag- und Abendessen
  • für die Mahlzeitenzubereitung Verwendung von Rapsöl oder Olivenöl
  • Vermeidung von fettreichen Nahrungsmitteln wie Wurstwaren, Fertigprodukten und Desserts
  • mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit in Form von ungezuckerten Getränken (Mineralwasser, Lightgetränke, Tee und Kaffee)

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