Wer auf seine Zähne achtet, braucht vor dem Zahnarzt keine Angst zu haben. Denn in den letzten Jahren hat sich viel getan. Heutige elek­trische Zahnbürsten entfernen die kariesauslösende Plaque gründlicher von den Zähnen. Beginnende Karies entdeckt der Zahnarzt früher und kann sie ohne Bohren über viele Jahre stoppen.

Wenn der Zahn doch ein Loch hat, sorgen fili­grane Bohrer, dichtere Füllmaterialien und die Erkenntnis, dass Karies nicht um jeden Preis radikal aus dem Zahn entfernt werden muss, für den Erhalt der wertvollen Zahnsubstanz.

Entsprechend hat auch in der Zahnarztausbildung die Erhaltung der Zahnsubstanz Vorrang. «Das ­typische Bohren am Zahn müssen die Studenten heute nicht mehr lernen», sagt Ivo Krejci, Ordinarius für Zahnmedizin an der Universität Genf. Denn dank modernen Füllmaterialien muss der Zahnarzt nicht am gesunden Zahn bohren, um das Ma­te­rial zu verankern.

«Mit den heutigen Möglichkeiten muss niemand mehr einen Zahn verlieren», sagt Krejci. Eminent wichtig sei aber nach wie vor, dass der Pa­tient seine Zähne gut pflegt und nicht alles dem Zahnarzt überlässt. «Man muss den Zahnarzt als eine Art dentales Fitnesscenter sehen», so Krejci. Zur Zahnpflege gehört daher neben der regelmässigen Reinigung auch die regelmässige Kontrolle in der Praxis.

Karies vorbeugen

Die wichtigste Massnahme ist das Zähneputzen. «Fast jeder hat karies­erzeugende Bakterien im Mund. Sie ­füh­ren aber erst dann zu Löchern, wenn sie eine genügende Menge Säure genügend lange und genügend oft produzieren können», ­erklärt Experte Ivo Krejci. Die Bakterien setzen sich in einem zähen Biofilm, der Plaque, auf die Zähne. Man muss sie regelmässig und möglichst vollständig entfernen. Wirklich gut funktioniert das nur mit der Bürste, Mundspülungen schaffen das nicht. Moderne elektrische Zahnbürsten beseitigen die Plaque zum Teil sorgfältiger und schonender als eine Handzahnbürste. Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen entfernen den Biofilm auch an schwer zugänglichen Stellen zwischen den Zähnen, wo ­Karies gern entsteht. Täglich sollte man eine fluoridhaltige Zahnpasta verwenden, um zusätzlich der Demineralisierung der Zähne vorzubeugen. Und mindestens einmal im Jahr sollte man zum Zahnarzt zur Kontrolle.

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Frühe Karies im Zaum halten

Karies im Frühstadium ­beginnt mit der Entkalkung des Zahnschmelzes. Diese ist an weissen Flecken auf den Zähnen zu erkennen oder bereits an einer Delle, die bis ans Zahnbein ­(Dentin) reichen kann. Zur Remineralisierung trägt der Zahnarzt Fluorid in Form ­eines Gel-Lacks auf die ­betroffenen Stellen auf. Die weitere Behandlung erledigt der Patient zu Hause: nach dem Putzen einmal wöchentlich mit der Fingerspitze ein Fluoridpräparat auf die weissen Flecke ­reiben. Nach einem halben Jahr folgt die Kontrolle beim Zahnarzt.

«Wenn der Patient die ­Zähne gut putzt und mit Fluorid versorgt, kann man eine kariöse Verletzung im Frühstadium über Jahre oder gar Jahrzehnte unter Kontrolle halten, so dass sie sich nicht weiter in den Zahn frisst», sagt Adrian Lussi, Dozent an der Klinik für Zahnerhaltung der Uni Bern. Mit Fluoriden, gutem Putzen, der Reduk­tion ­zuckerhaltiger Getränke und Snacks sowie regel­mäs­siger Kontrolle sind 30 bis 50 Prozent weniger Füllungen nötig, zeigt eine Studie der Uni Sydney.

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Wenn sich die weissen Flecke mit Fluorid nicht mehr aufhalten lassen, kann die Infiltration ­helfen. Am verbreitetsten ist die Methode Icon, die von der Berliner Charité stammt. Dabei versiegelt man den Zahn mit dünnflüssigem Kunststoffmaterial bis in die kleinste Ritze. So dringen keine neuen ­Kariesbakterien ein, während diejenigen im Zahn verhungern. Diese Methode schont die Zahnsubstanz und ist schmerzarm. Bisherige Studien zeigen, dass Infiltration fünf Jahre und länger schützt. Vor allem bei Karies-Läsionen zwischen zwei Zähnen bescheinigen Untersuchungen laut der unabhängigen Forschungsgemeinschaft Cochrane der Infiltration gute Erfolge.

Karies mit Loch sanft entfernen

Wenn der Zahn bereits ein Loch hat, führt auch heute kein Weg am Bohrer ­vorbei. Allerdings hat sich die Technik allein in den letzten zehn Jahren enorm weiterentwickelt. «Ein ­moderner Zahnarzt hat ­einen kleinen Bohrer und arbeitet mit einer Lupe oder besser noch mit ­einem ­Mikroskop», sagt Experte Ivo Krejci. So wird nur noch die geschädigte Zahnsubstanz entfernt. Manche Zahnärzte verwenden auch einen Laser.

Wenn das Loch bereits bis nahe an die Pulpa des Zahns geht, wo die Blutgefässe und Nerven liegen, «hat man heute keine Bedenken, einen Rest an Karies im Zahn zu belassen, mit dem Ziel, die Pulpa nicht zu beschädigen», sagt Krejci. Möglich wird dieses Vorgehen durch Füll­materialien, die den Zahn absolut dicht und kaufest verschliessen.

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Bei stark kariesgeschädigten Milchzähnen eignet sich eher die ART-Methode, bei der man ohne Bohrer auskommt. «Der Zahnarzt entfernt dabei mit einem Handinstrument ein wenig den Karies und verschliesst dann das Loch mit einem weissen Mate­rial», erklärt Adrian Lussi. Das wirkt laut Studien ­genauso gut und schützt den nachkommenden Zahn vor Karies.

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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