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LinsenimplantatDie Brille in meinem Auge

Klare Sicht dank Linsenimplantat: Brigitte Wicki ist heute froh, dass sie die Operation gewagt hat.

Künstliche Linsen gelten als Alternative zum Laser-Eingriff. Was man dazu wissen sollte.

von aktualisiert am 22. November 2018

So leuchtend, so kraftvoll, einfach wunderschön: An der Farbe Rot konnte sich Brigitte Wicki anfangs mit ihren neuen Linsen-Implantaten kaum sattsehen. Jahrzehntelang hatte die 53-Jährige wegen ihrer starken Kurzsichtigkeit – rechts minus 19, links minus 16 Dioptrien – nur eine vage Vorstellung von Farben Synästhesie Wenn Töne nach saurer Zitrone schmecken . Wenn sie ihre Brille trug, konnte sie zwar Grün, Gelb, Blau und Rot unterscheiden. «Aber derart intensiv habe ich es natürlich nie wahrgenommen», sagt die Landwirtin aus Balgach SG. Und ohne Brille verschwamm alles mehr oder weniger zu einem schwarz-weiss-grauen Brei.

Brigitte Wicki hatte von klein auf schlechte Augen Brille Fehlsichtigkeit früh erkennen . Praktisch jedes halbe Jahr brauchte sie eine stärkere Korrektur. Sie trug die typischen Flaschenboden-Gläser. «Mit der Zeit liessen sich die Gläser zum Glück immerhin etwas dünner schleifen», erzählt sie. Jahrelang arrangierte sie sich mit der starken Brille. Bis ihr Augenarzt sie auf die Linsen-Implantate aufmerksam machte.

Solche Linsen schienen zunächst verlockend. Und viel sympathischer als ein Laser-Eingriff, bei dem die Hornhaut abgeschliffen wird. Dass der Eingriff rückgängig gemacht werden kann, ist für viele Betroffene das entscheidende Argument für Kunstlinsen: Wenn jemand damit nicht klarkommt oder sie schlecht verträgt, lassen sie sich mit einer erneuten Operation wieder entfernen.

Kunstlinse wird bei vollem Bewusstsein eingesetzt

«Trotzdem habe ich monatelang gegrübelt, ob ich wirklich Linsen einsetzen lassen soll», sagt Brigitte Wicki. Sie war froh, dass ihr Augenarzt sie nicht drängte: «Man braucht Zeit, um den Entscheid in Ruhe zu fällen.» Wenn der Arzt die Zweifel seiner Patienten nicht ernst nehme, leide das Vertrauensverhältnis. Ein Arzt müsse auch bei wiederholtem Nachfragen geduldig bleiben und Operation wie Folgen verständlich erklären (siehe Infobox «Das müssen Sie über Linsenimplantate wissen» weiter unten).

Vor zehn Jahren hat es Brigitte Wicki schliesslich gewagt. Mit einem leicht mulmigen Gefühl: «Ich fand es eigenartig, dass der Eingriff bei vollem Bewusstsein geschieht.»

«Die Linse wird über einen kleinen Schnitt ins Auge eingeführt.»

Claude Kaufmann, leitender Arzt der Augenklinik am Kantonsspital Luzern

 

Kunstlinsen aus Acryl oder Silikon werden ambulant in die betäubten Augen eingesetzt. Das dauert rund 30 Minuten. Meist wird erst das eine, nach einigen Tagen das andere Auge behandelt. «Die Linse wird über einen kleinen Schnitt am Übergang der klaren Hornhaut zur weissen Lederhaut eingeführt», erklärt Claude Kaufmann von der Augenklinik des Luzerner Kantonsspitals. Die Kunstlinse wird entweder in die vordere oder die hintere Augenkammer eingesetzt. Je nachdem bleibt die natürliche Linse im Auge. Oder sie wird abgesaugt - wie zum Beispiel beim grauen Star.

Der Schnitt muss nur in sehr seltenen Fällen genäht werden, meist wächst er von selbst zu. Patienten haben nach der Operation in der Regel keine Schmerzen. Das Sehvermögen verbessert sich nach wenigen Tagen. Anfangs sind Augentropfen nötig, nachts muss man die Augen abdecken. Reiben sollte man sie nicht.

Aus kurzer Distanz kann man das Linsenimplantat im Auge drin sehen.
Aus kurzer Distanz ist die künstliche Linse im Auge erkennbar.
Quelle: Daniel Ammann

Überfordert, weil man plötzlich alles sieht

Viele Patienten berichten, sie seien seit dem Eingriff etwas lichtempfindlicher. Das sei aber nicht das einzige Problem, berichtet Brigitte Wicki. «Plötzlich alles zu sehen kann einen komplett überfordern.» Sie habe manchmal die Orientierung verloren, konnte Entfernungen und Ausmasse nicht mehr richtig einschätzen. Durch ihre starke Brille hatte sie alles verkleinert gesehen.

Jetzt schien ihr alles riesig – die Kaffeetasse, der Tetrapak, die Füsse ihres Sohnes. «Anfangs hätte ich die Kunstlinsen am liebsten wieder rausgenommen.» Denn im Haushalt und beim Einkaufen war Brigitte Wicki zunächst auf Hilfe angewiesen. Die Gewöhnung dauerte ein halbes Jahr. «Ein einschneidendes Erlebnis.»

Glücklich über die neue Brille

Brigitte Wicki hat ihren Schritt nie bereut. Die Kunstlinsen seien gut verträglich. Ungefähr sechs Jahre lang kam sie ohne Brille aus, jetzt trägt sie wegen Alterssichtigkeit eine schwach korrigierte.

Eigentlich ist sie froh darüber. «Ohne Brille kam ich mir richtig unvollständig vor, ich war sie ja ein Leben lang gewohnt.» Noch lange habe sie beim Aufwachen jeweils automatisch aufs Nachttischchen gegriffen, um sich die Brille zu angeln.

Das müssen Sie über Linsenimplantate wissen

Was können Kunstlinsen korrigieren?

Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung. Korrekturen sind von plus 10 bis minus 25 Dioptrien möglich, Bereiche, in denen ein Laser-Eingriff nichts hilft. Auch Alterssichtigkeit lässt sich korrigieren. Spezielle Linsen haben dafür zugleich Brennpunkte für Ferne und Nähe (Multifokalität). Oder ein Auge übernimmt die Ferne, das andere die Nähe (Monovision).

 

Was gehört zur Beratung?

Im Auge muss für das Implantat genügend Platz sein. Sonst kann die Linse die Hornhaut berühren, was sie trüb werden lässt. Daher sind Messungen zwingend. Zudem müssen bestimmte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Auch mögliche Nebenwirkungen wie Blendeffekte/Lichthöfe gehören ins Aufklärungsgespräch. Diese können etwa nachts beim Autofahren irritierend sein.

 

Wann sollte man skeptisch werden?

«Seien Sie vorsichtig, wenn in Werbeanzeigen viele Versprechen gemacht werden», warnt Christina Strässle von der Stiftung SPO Patientenschutz. Lassen Sie sich zu nichts drängen. Holen Sie im Zweifel eine Zweitmeinung ein – idealerweise bei einem Arzt, der selbst nicht operiert.

 

Was kostet der Eingriff?

Das hängt von der Methode und vom Linsentyp ab. Insgesamt können es bis zu 4800 Franken pro Auge sein. Bei Patienten mit Fehlsichtigkeit zahlen Krankenkassen in der Regel nicht.

Vom Licht zum Bild: So funktioniert das Auge

Die Lichtreize treten durch die Hornhaut ins Auge. Die Regenbogenhaut reguliert die Grösse der Pupille und steuert so den Lichteinfall. Die Linse kann ihre Dicke und damit ihre Brechkraft, also die Scharfeinstellung, verändern. Die Lichtreize werden schliesslich von der Netzhaut aufgenommen und ans Sehzentrum des Gehirns weitergeleitet.
Einzelteile des Auges im Querschnitt.
Quelle: Getty Images

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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