Barbara B.* suchte einen guten Zahnarzt, weil an einem ihrer Backenzähne die massgeschneiderte Füllung, ein Goldinlay, herausgefallen war. Im Internet stiess sie auf Vaclav Velkoborsky. «Bester Preis in der Schweiz» heisst es auf seiner Website. Gleich darunter bedankt sich ein «F. W., Kantonspolizei Zürich» für die «angenehme Behandlung zu fairen Konditionen». Barbara B. sagt: «Ich war wohl naiv.» 

Velkoborsky betreibt seine Praxis an bester Lage am Zürcher Bellevue, zeigt sich gern mit den Reichen und Schönen und ist immer wieder für eine Schlagzeile gut. Er vertreibt etwa eine Zahnpasta Zahnpflege Was uns die Zahnfee verschwieg , mit der sich sogar Paris Hilton die Zähne putzen soll. 

Tiefer Taxpunkt ist nicht gleich günstiger Zahnarzt

Mit der ersten Behandlung war Barbara B. zufrieden, sie liess sich auch später wieder von ihm behandeln. «Velkoborsky berechnete einen vergleichsweise moderaten Taxpunktwert von 3,5 Zahnärzte Ein Geschäft mit Löchern . Das überzeugte mich.»

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Der Taxpunktwert soll angeben, wie teuer ein Zahnarzt ist Neuer Zahnarzttarif «Das ist eine versteckte Preiserhöhung» . Doch ein tiefer Wert bedeutet nicht automatisch, dass er günstig ist. Jeder zahnärztlichen Leistung ist eine Taxpunktspanne zugeordnet, der Zahnarzt hat Spielraum. Der Preis ergibt sich, indem man den Taxpunktwert mit der Anzahl der Taxpunkte multipliziert. Je schwieriger die Behandlung ist, desto höher die Anzahl Punkte.

Zahnarzt verrechnete immer die maximale Taxpunktzahl

Stutzig wurde Barbara B., als sie sich die Rechnungen genauer ansah. «Ich stellte fest, dass Velkoborsky bei allen Rechnungen die maximale Taxpunktzahl verrechnet hatte. Das macht den Effekt des niedrigen Taxpunktwerts zunichte.»

Sie fragte nach dem Grund. Velkoborsky antwortete schriftlich: «Ich habe in meiner Software die maximale Taxpunktanzahl fixiert und dafür den Taxpunktwert auf 3,5 eingestellt. Die Taxpunktanzahl bei jedem einzelnen Eingriff mit einem subjektiven Schwierigkeitsgrad zu korrelieren, halte ich nicht für transparent.»

«Eine systematische Festlegung der Taxpunktzahl widerspricht dem Gedanken des Tarifs.»

Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft

 

«Das ist irreführend und nicht zulässig», heisst es bei der Zürcher Gesundheitsdirektion. Bei der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) kommentiert man: «Mit der Spanne soll dem individuellen Schwierigkeitsgrad Rechnung getragen werden. Eine systematische Festlegung der Taxpunktzahl an das Maximum hebelt diese Einzelfallbetrachtung aus und widerspricht dem Gedanken des Tarifs.» Das Vorgehen sei klar abzulehnen und hätte für SSO-Mitglieder eine standesrechtliche Überprüfung zur Folge. 

«Frau B.'s Fragen waren zeitintensiv»

Bloss: Vaclav Velkoborsky ist vor 20 Jahren aus der SSO ausgetreten. «Ich fühlte mich dort nicht gut aufgehoben», sagt er. Stattdessen sei er Mitglied in der Society for Dental Science mit Sitz in Genf. Er verrechne keinesfalls systematisch die maximale Taxpunktzahl. «Meine Antwort bezog sich nur auf die Patientin Barbara B.» Sie habe viele Fragen gestellt, die er gerne beantwortet habe, er habe sie als zeitintensiven Fall eingestuft.

«Tatsache ist, dass Frau B. bei der Bezahlung direkt nach dem Eingriff jeweils einen Rabatt von fünf Prozent erhalten hat. Sie hat im Schnitt pro Sitzung Fr. 169.50 gezahlt. Der Preis belief sich damit auf weniger als den Betrag, welcher bei Anwendung der maximalen Taxpunktanzahl entstanden wäre.»

«Die Antwort überzeugt mich nicht», sagt Barbara B. «Herr Velkoborsky geht offenbar davon aus, dass man sich von ihm ohne Beratung behandeln lassen muss.» Sie hat sich einen neuen Zahnarzt gesucht. 

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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