Vitamine sind wahre Wunderstoffe, die uns jung und gesund halten – hiess es jahrzehntelang. Heute stellen Forscher den gesundheitlichen Nutzen von Vitaminen immer mehr in Frage und raten von Vitaminpräparaten ab.

Die Ausnahme ist Vitamin D. In diesem Vitamin – das eigentlich ein Hormon ist – liegt die letzte grosse Hoffnung der Vitaminwissenschaft. Bisher war Vitamin D vor allem wegen seiner Funktion im Kalzium-Stoffwechsel und beim Knochenaufbau bekannt. Kleinkindern verabreicht man Leber­tran mit Vitamin D oder eben Vitamin-D-Tropfen zur Vorbeugung gegen die Knochenkrankheit Rachitis. Auch für ältere Menschen ist Vitamin D enorm wichtig, weil es altersbedingte Krankheiten wie Osteoporose und Arthrose verhindern hilft.

Forscher bringen das Vitamin auch in Verbindung mit Autoimmunkrankheiten, Diabetes, Krebs und Herzkreislauferkrankungen, da es ein Vitamin für fast alles ist und die Gesundheit generell unterstützt. Die Empfehlung für Menschen jeden Alters: 20 Mikrogramm respektive 800 Internationale Einheiten (IE) pro Tag. Ob die Zugabe in Tropfenform ausser für Knochen und Muskeln tatsächlich messbare gesundheitliche Vorteile bringt, weiss man allerdings erst im kommenden Jahr, wenn die erste grosse Vitamin-D-Studie in den USA abgeschlossen sein wird. Über die Nahrung lässt sich das Vitamin nur bedingt aufnehmen, denn dafür müsste man täglich zwei Portionen fetten Fisch essen.

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Auch die Sonne ist kein verlässlicher Lieferant: Ausser im Sommer reicht das UV-Licht nicht, damit unser Körper genügend Vitamin D produziert. Und nach drei bis sechs Wochen ohne tägliche Dosis Sonne sinkt der Vitamin-D-Spiegel.

Wo Vitamin D im Körper wirkt

In den Knochen: Ein höherer Vitamin-D-Spiegel im Blut fördert die Kalziumeinlagerung. Die Schweizerische ­Vereinigung gegen Osteoporose empfiehlt älteren Menschen deshalb eine zusätzliche Menge von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag.

In den Muskeln: Nicht nur auf die Knochendichte, sondern auch auf die Muskulatur wirkt sich Vitamin D in ausreichender Dosis günstig ­aus. Jede Muskelzelle hat Andockstellen für Vitamin D.

Im Immunsystem: Vitamin D könnte ­eine grundlegende Funktion im ­Immunsystem haben, wie eine neue Arbeit von Forschern der Universität Kopenhagen nahelegt. Das Vitamin reisse die Killerzellen der Körperabwehr aus einem inaktiven Zustand und befähige sie zum gezielten Angriff auf Krankheitserreger.

Im Fettgewebe: Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und  tiefem Vitamin-D-Spiegel fest­gestellt. Umgekehrt deutet dies darauf hin, dass sich Vitamin D günstig auf den Anteil des Fettgewebes im Körper auswirkt.