Eine Fledermaus flattert über den halben Rücken, Tribals, asiatische Zeichen, Totenköpfe, Sternchen, Buchstaben und Namen zieren den Körper. Sie sollen den Tätowierten ein Leben lang begleiten. Und sie halten auch ewig: Eine der ältesten dieser Hautsticheleien wurde vor rund 5250 Jahren geschaffen und ziert den Körper der Gletschermumie Ötzi. 61 Strichmuster hatte er sich stechen lassen, wobei als Farbe Kohlepulver in die Wunden gerieben wurde.

Die Wissenschaft nimmt allerdings an, dass Ötzis Tätowierungen weniger der Verzierung als vielmehr der Schmerzlinderung im Sinne einer Akupunktur dienten. So abwegig ist die Idee der medizinischen Markierungen nämlich gar nicht: Eine Studie aus dem Jahr 2012 hat jedenfalls gezeigt, dass Tätowierungen an Akupunkturpunkten durchaus eine heilende Wirkung haben können.

Geschmack ändert sich

Heute sind Tattoos für die meisten, die sich stechen lassen, eine Art Kunstwerk. Doch ein Totenkopf ist nicht unbedingt ein Bild für die Ewigkeit, und oft ist Kunst eine Frage des Geschmacks Geschmack Warum mögen wir, was wir mögen? . «Und der ändert sich im Laufe der Zeit», stellt die Dermatologin Kristine Heidemeyer am Berner Inselspital immer wieder fest. Sie ist Spezialistin für Tattoo-Entfernung mit Lasertechnik. Der sich ändernde Geschmack sei der häufigste Grund, warum ihre Patienten eine Tätowierung loswerden wollten, aber nicht selten seien es auch berufliche Gründe: «Wenn im neuen Job ein Tattoo nicht sichtbar sein darf. Oder der Name einer grossen Liebe, der den Unterarm ziert, nicht mehr aktuell ist.»

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Ab und zu gehe es auch um politische oder ideologische Einstellungen, die sich geändert hätten. Ein Hakenkreuz im Nacken macht sich nicht gut. Und nicht jede Tätowierung lässt sich «covern» – dabei wird ein altes Tattoo in ein neues eingebaut und überdeckt; es entsteht ein sogenanntes Cover-up-Tattoo. 

So vielfältig die Gründe, so zahlreich sind die Angebote von Privatkliniken und Schönheitspraxen, die mittels «revolutionärer, weltweit führender Lasertechnologie» das Entfernen von Tätowierungen «einfach, schmerzfrei, hautschonend und ohne Narben» versprechen. Ganz so problemlos geht das Tattoo-Ausradieren allerdings nicht.

«Der Erfolg hängt von mehreren Faktoren ab», sagt Kristine Heidemeyer. Dazu gehörten auch die Stechtechnik des Tätowierers und die von ihm verwendeten Farben. Meist sei bei sachgerechter medizinischer Anwendung des Laserverfahrens das Risiko einer Narbenbildung oder Verfärbung der Haut gering.

Bei gewissen Tätowiertechniken werde jedoch derart dicht gestochen, «dass schon während des Stechens Narben entstehen, die aber durch die Farbe übertüncht und erst beim Entfernen sichtbar werden», schränkt Heidemeyer ein. Und wer eine Allergie auf die Tattoo-Farben entwickelt habe, dem könne man die ungewünschten Motive mit den konventionellen Verfahren überhaupt nicht mehr weglasern.

1000 Franken kann eine einzige Sitzung zur Entfernung eines Tattoos mit Laserstrahlen kosten.

In der Regel funktioniere das Entfernen von Tätowierungen bei hellen Hauttypen besser als bei dunklen. Doch wer nach der Prozedur zu früh an die Sonne gehe, riskiere hellbraune bis schwarze Flecken verschiedener Grösse auf der Haut.

Und schliesslich, weiss die Dermatologin, gebe es noch Unterschiede bei den verwendeten Farben: Ein in Schwarz oder Rot gehaltenes Tattoo lässt sich in der Regel recht gut entfernen, machbar sind auch die Farbtöne Blau und Grün. Anders sieht es bei Weiss, Gelb, Beige und Pink aus. «Diese Farben werden vor allem beim Permanent-Make-up verwendet», sagt Kristine Heidemeyer. Hier sei besondere Vorsicht geboten: Es gebe Kosmetikstudios Haarentfernung Endlich keine Haare mehr! und andere Anbieter, die mit Säure arbeiteten. «Das kann zu Vernarbungen führen.» Auch von den scheinbar harmlosen Hausmittelchen, die im Internet kursieren, etwa Salz, rät sie ab.

Laserbehandlung braucht viel Geduld

Früher wurden Tattoos abgeschliffen, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Dabei entstanden Wunden, die sich leicht entzündeten und Narben zurückliessen. Dieses Verfahren wurde von der Lasertechnik überholt. Die Strahlen werden aus kurzer Entfernung auf die Tätowierung gerichtet und geben einen intensiven Lichtblitz ab. Dieser dringt in die Haut und zertrümmert die Makrophagen (Zellen im Blut) samt Farbpigmenten in unzählige Bruchstücke, die zum Teil ins Lymphsystem gelangen.

Da die Makrophagen jedoch einige dieser Stückchen wieder einfangen, braucht es mehrere Laserbehandlungen und viel Geduld, bis ein Tattoo ganz verschwunden ist. Je nach Grösse und Stechdichte der Tätowierung muss man mit 4 bis 20 Sitzungen rechnen. Dazwischen braucht die Haut jeweils bis zu sechs Wochen Ruhe, damit sie sich ausreichend regenerieren kann und die zertrümmerten Pigmente abtransportiert worden sind.

Da die Behandlung im ärztlichen Tarifwerk Tarmed nicht existiert, reichen die Kosten je nach Anbieter und Tattoo-Grösse von 150 bis 1000 Franken pro Sitzung – oder auch mehr, die keine Krankenkasse Krankenkasse Sind Sie überversichert? übernimmt.

Zwei Arme mit zwei verschiedenen Tattoos

Auch so wird man ein altes Tattoo (l.) los: Man überdeckt es mit einem neuen.

Quelle: Dado Tattoo Studio Arbon/Montage Beobachter

Langfristige Folgen sind noch unklar

Ob das Entfernen von Tätowierungen zu langfristigen gesundheitlichen Schäden führen kann, ist in der Wissenschaft noch nicht geklärt und Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten. Bekannt ist, dass Tätowierfarben nicht ausschliesslich in der Haut Haut Die Allrounderin verbleiben, sondern sich ein Teil davon auch im Körper ausbreitet. Und die beim Lasern entstehenden Spaltprodukte werden unter anderem in den Lymphknoten eingelagert.

«Seit längerem finden sich Hinweise, dass bei der Laserentfernung giftige, teilweise krebserregende Abbauprodukte entstehen können, zum Beispiel Benzol und Cyanwasserstoff», sagt Max Ludwig Deubel, Facharzt für Dermatologie und Venerologie der Hirslanden-Gruppe. Allerdings brauche es, um potenziell schädliche Substanzen zu produzieren, nicht zwingend eine Tattoo-Entfernung, «diese sind schon durch die Tätowierung vorhanden oder können daraus entstehen». 

Kaum Erfahrungswerte

Um sichere Kenntnisse über die Langzeitauswirkungen von Tattoos und deren Entfernung zu haben, brauche die Wissenschaft mehr Zeit. «Das Forschungsgebiet ist relativ jung und wurde lange sehr stiefmütterlich behandelt.»

Dass das Problem schon beim Stechen beginnt, ist unumstritten: «Wenn eine Tätowierstube mit ‹schnell› und ‹günstig› wirbt, dann ist besondere Vorsicht geboten», warnt Kristine Heidemeyer. Und die Entfernung mit Laserstrahlen sollte nur durch spezialisierte Hautärzte oder Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie Schönheits-OP Schöner dank Skalpell? erfolgen, nicht durch Laien.

Eine einfachere Lösung schlägt Thomas Rosemann, Professor für Hausarztmedizin an der Universität Zürich, vor: «Mein Rat: Erst gar kein Tattoo stechen lassen, dann hat man hinterher auch kein Problem damit. Man stelle sich nur vor, heute ein Kleidungsstück zu kaufen und dieses bis ans Ende seiner Tage zu tragen. Niemand würde das tun. Mit Tattoos ist es aber so.» 

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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