Frage von Madeleine B.: «Ich lasse mich immer wieder unter Druck setzen – weil ich das Gefühl habe, schuld zu sein, wenn es anderen nicht gut geht. Das ärgert mich.»

Schuldgefühle sind eine Rückmeldung an uns, dass wir etwas getan haben, das wir im Rückblick als falsch ansehen. Oder dass wir etwas nicht getan haben, das richtig und wichtig gewesen wäre. Hintergrund der Schuld­gefühle sind unsere Erwartungen an uns selber, wie man sich als guter Mensch ­gegenüber anderen verhalten sollte.

Diese ­innere Stimme wird schon im frühen Kindesalter aufgebaut. Wir lernen, was wir tun sollen, damit wir andere nicht schädigen. Das haben wir als Regeln, Normen, Ideale und Werte verinnerlicht, nach denen wir unser Tun ausrichten. Wenn uns das gelingt, sind wir mit uns zufrieden. Scheitern wir, können Schuldgefühle die Folge sein. Wir versuchen, etwas wiedergutzumachen, uns zu entschuldigen oder uns anders zu verhalten. Wenn uns vergeben wird und wir verstanden werden, bringt uns das Erleichterung.

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Es gibt Menschen, die kaum Schuld­gefühle haben. Andere wiederum machen sich schnell Vorwürfe, auch wenn sie ein ­Verhalten gezeigt haben, das sich mit dem anderer Menschen vergleichen lässt. Die Selbstvorwürfe werden begünstigt durch ­hohe Erwartungen an sich selbst, den eigenen ­Idealen zu entsprechen, durch ein starkes Verantwortungsgefühl und eine geringe Fehler­toleranz sich selber gegenüber.

Haben Sie Angst, Ihren Weg zu gehen?

Selbstvorwürfe können zu Gefühlen der Hilflosigkeit, zu Aggressionen gegenüber sich selbst oder anderen sowie langfristig zu Depressionen führen. Schuldgefühle können auch zur Folge haben, dass wir erpressbar und manipulierbar werden – durch das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen.

Wer sich ständig mit Vorwürfen quält, weil er nicht getan hat, was andere angeblich von ihm erwarten, hat in einem gewissen Mass auch Schwierigkeiten, Konflikte mit ­anderen auszutragen und seinen ­eigenen Weg zu gehen. Betroffene stellen die Ansichten und Bedürfnisse der anderen über die ­eigenen und achten zu wenig auf sich selbst.

Im täglichen Miteinander wird es jedoch zwangsläufig immer wieder zu Situationen kommen, in denen wir etwas tun, was nicht mit den Wünschen anderer übereinstimmt. Unrealistische Wertvorstellungen und das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, hindern einen dann, den eigenen Weg zu gehen.

In einem solchen Moment wirken Selbstvorwürfe und Schuldgefühle zerstörend. Denn vieles können wir nicht vorhersehen. Wir wissen nicht, was geschieht, wenn wir aus Unachtsamkeit oder Unlust etwas tun, was negative Folgen für einen anderen hat. Und: Nicht alles, was geschieht, hat mit uns zu tun. Wir können nicht alles kontrollieren. Wir können nicht die volle Verantwortung für das Wohlbefinden anderer übernehmen. Schuldgefühle zu haben heisst nicht immer, auch Schuld zu haben.

So haben Sie weniger Schuldgefühle

  • Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie schnell ein schlechtes Gewissen bekommen. Welche Ihrer Wertvorstellungen werden dadurch angesprochen? Wie viel Verantwortung haben Sie in dieser Situation, und welche Verantwortung trägt Ihr Umfeld?
  • Welche Konsequenzen hätte es, wenn Sie das tun, was Sie selber als richtig erachten? Was macht es für Sie schwierig, es zu tun?
  • Tun Sie in solchen Situationen bewusst das, was für Sie stimmt, und nicht das, was andere als Selbstverständlichkeit von Ihnen erwarten.
  • Lernen Sie, Nein zu sagen und mit Fehlern umzugehen. Niemand ist perfekt. Es gibt Gründe dafür, dass Ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Etwa weil Sie eine Situation falsch eingeschätzt haben, etwas nicht wussten oder die Kräfte nicht mehr ausreichten, um das geben zu können, was notwendig gewesen wäre. Nehmen Sie Ihre Fehler an und versuchen Sie, sich selbst nicht abzuwerten.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

Wissen, was dem Körper gut tut.

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