
Veröffentlicht am 27. März 2026 - 14:26 Uhr

Verpflichtungssex heisst auch, dass Person A die unerfüllten Bedürfnisse von Person B nicht komplett egal sind.
«Kannst du mal etwas über Sex bringen, den man nicht aus Lust, sondern aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus hat?», schrieb mir kürzlich eine Kollegin. Ich konnte nicht nur. Ich hatte sogar Lust drauf. Gleichzeitig meldete sich bei mir augenblicklich auch ein Gefühl von Verpflichtungen. Verpflichtungen, die von aussen kamen («Bitte gib auch ein paar Tipps»), und Verpflichtungen, die sich in meinem Innern meldeten («Das ist ein komplexes Thema. Das musst du besonders gut machen!»). Und schon befand ich mich mittendrin in diesem Spannungsfeld aus Lust und Last, das vermutlich ganz stark zum Leben gehört, wir aber verständlicherweise nicht besonders mögen. Erst recht nicht, wenn es um Sexualität geht.
Klar ist: Die meisten Menschen haben in einer Langzeitbeziehung über kurz oder lang nicht dieselben sexuellen Bedürfnisse wie ihr Gegenüber. Das Paar, das während Jahrzehnten auf der gleichen sexuellen Wellenlänge schwingt, habe ich schlicht noch nicht getroffen. Standard ist, dass man sich immer wieder abstimmen und abholen muss. Das wiederum ist eine meist total unterschätzte Aufgabe, an der sich viele Menschen die Zähne ausbeissen.