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SchmerzenSo reagieren Sie richtig, wenn es weh tut

Oft ist es das Beste, den Schmerz schnell und entschlossen zu bekämpfen. Sonst riskiert man, in einen Teufelskreis zu geraten. Eine Handlungsanleitung.

Schmerzen sollte man nicht unbedingt aushalten.
von aktualisiert am 21. November 2017

Das bisschen Schmerz halte ich locker aus, sagen die einen. Zu viel Chemie ist ungesund, meinen andere.

So reagieren viele auf akuten Schmerz – und leiden still. Doch genau das ist in vielen Fällen die falsche Reaktion. Gerade bei akuten Beschwerden wie Rücken- oder Kopfweh versucht man instinktiv, dem Schmerz auszuweichen. Dabei nimmt man eine Schonhaltung ein, was Verspannungen und weitere Schmerzen zur Folge haben kann. Anstelle einer Linderung tritt also eine Verschlimmerung ein. Ärzte und schmerzerfahrene Patienten wissen, dass es sinnvoll ist, akuten Schmerz sofort zu bekämpfen. Wenn er erst mal chronisch ist, braucht man unter dem Strich mehr Medikamente und leidet länger.

Vorsicht, Schmerzgedächtnis!

Es ist zudem ein Irrglaube, dass man sich an Schmerz gewöhnen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn der Schmerz über längere Zeit anhält oder immer wiederkehrt, sinkt die Schmerzgrenze. Denn andauernde und wiederkehrende Schmerzimpulse verändern die Nervenzellen. Mit der Folge, dass das Gehirn aus schierer Gewohnheit Schmerzmeldungen erhält, selbst wenn es dafür gar keinen körperlichen Grund mehr gibt. Man spricht von Schmerzgedächtnis, der Schmerz wird chronifiziert. 

Das Problem: Da der Schmerz nur noch eine körpereigene Erinnerung ist, lässt er sich mit Schmerzmitteln nicht behandeln. Patienten landen in einem Teufelskreis, aus dem sie aus eigener Kraft kaum mehr herausfinden.

Eine schnelle, quasi vorbeugende Schmerzbekämpfung ist daher meistens die richtige Reaktion. Im ersten Moment wirken etwa Paracetamol-Präparate und nichtsteroidale Antirheumatika gut, die zusätzlich Entzündungen hemmen. Diese einfachen Schmerzmittel sollte man in Absprache mit einer Fachperson mehrmals einnehmen – und nicht erst, wenn die Schmerzen mit voller Wucht einsetzen. So kann man Schmerzerinnerung und Schonhaltung verhindern.

So reagieren Sie richtig, wenn es weh tut

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Ein Espresso hilft allenthalben

Unterstützend können hier auch alternative Methoden helfen. So wird etwa bei manchen Patienten der Effekt von Schmerzmitteln verstärkt, wenn man sie zusammen mit einem Espresso oder einem Energy-Drink einnimmt. 

Eine positive Folge dieser Kombination ist, dass man die Mittel niedriger dosieren kann. Weil das Koffein angenehm anregend wirkt, besteht allerdings gleichzeitig die Gefahr, dass man sich schneller an die Schmerzmittel gewöhnt. Auch deshalb sollte man nach maximal drei Tagen unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn der Schmerz nicht abklingt.

Helfen kann auch Vitamin E. Denn bei Entzündungen werden vermehrt freie Radikale produziert, die Körperzellen zerstören und oft weitere Entzündungen auslösen. Ein Radikalfänger und somit ein wirksames Mittel gegen Entzündungen ist das Antioxidans Vitamin E. Auch hier gilt: Packungsbeilage gut durchlesen.

Viel Vitamin E ist in Oliven, Olivenöl, Rapsöl, Nüssen und Vollkornprodukten enthalten. Allerdings ist Vitamin E fettlöslich. Das bedeutet, dass man es überdosieren kann, weil es im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen nicht einfach wieder ausgeschieden wird. Daher gilt auch hier: besser zuerst den Arzt fragen.

Geradezu als Wundermittel wird derzeit CBD gehandelt, das in Cannabis-Pflanzen enthalten ist. Ihm wird eine positive Wirkung bei vielen Beschwerden nachgesagt. So soll es unter anderem bei Epilepsie, Angstzuständen und Schmerzen helfen. Die Forschung steht hier allerdings noch am Anfang, klinische CBD-Studien sind Mangelware.

Gegen Migräne kann Pestwurz helfen, wie Studien zeigen. Ausserdem soll die Heilpflanze auch präventiv wirken, also Migräneanfällen vorbeugen. Ganz harmlos ist die Pestwurz, die in der Bronzezeit auch als WC-Papier verwendet wurde, allerdings nicht. Die Pflanze enthält geringe Mengen giftiger Stoffe – selber sammeln und verarbeiten sollte man sie daher nicht. Kombipräparate mit dem krampflösenden Extrakt der Pestwurz, die zum Beispiel bei Menstruationsbeschwerden helfen, enthalten häufig auch Passionsblume, Melisse und Baldrian.

Alternativtherapeuten abchecken

Therapeuten, die alternative Heilmethoden anbieten, können gegen Schmerzen also ebenfalls helfen. Achten Sie auf folgende Punkte bei der Wahl einer Fachperson: 

  • Sie hat eine anerkannte Berufsbezeichnung, 
  • sie macht keine übertriebenen Versprechungen, 
  • sie äussert sich nicht abschätzig über Berufskollegen oder Ärzte, 
  • sie verlangt keine Vorauszahlung, 
  • sie rät nicht, alle anderen Therapien und Methoden sofort abzubrechen und nur noch auf sie zu hören. 

Klären Sie zudem im Vorfeld mit Ihrer Krankenkasse ab, welche Zusatzleistungen sie übernimmt und was Sie selber bezahlen müssen.

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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