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SexualitätTipps für mehr Spass im Bett

Sexflaute: Probieren Sie es mal mit «schmutzigen» Wörtern oder lassen Sie sich vom Gemüseregal inspirieren.
Sexflaute: Probieren Sie es mal mit «schmutzigen» Wörtern oder lassen Sie sich vom Gemüseregal inspirieren. Bild: Anna Sommer

Pornos, Cellulite, Bierbauch: Die Sex-Expertinnen Caroline Fux und Ines Schweizer sagen, wie es in Schweizer Betten trotz allem rundläuft.

von Tanja Polli

Sex nach Plan?

Für manche Paare kann es hilfreich sein, nicht nur sogenannte Paarinseln im Alltag einzuplanen, die für Gespräche, gemeinsame Unternehmungen und auch mal romantische Zweisamkeit reserviert sind – sondern tatsächlich auch für Sex. Und zwar inklusive Termin­eintrag in der Agenda. Banal, aber wahr: Mit jedem Sexualkontakt, den man hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man bald wieder welchen hat.

«Schmutzige» Wörter benutzen?

Manche Leute kennen viele Begriffe in Sachen Sex, sie scheitern aber an deren angemessener Verwendung. So kann die Frage «Möchtest du, dass ich dir Oralverkehr gebe?» trotz dem verheis­sungsvollen Inhalt zu einem radikalen Lustkiller werden. Umgekehrt können «schmutzige» Wörter zur Luststeigerung führen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Welche «Frisur»?

Man kann sich durchaus fragen, ob der Partner ein Mitspracherecht hat, wenn es um die Intimbehaarung des anderen geht. Die Antwort lautet: bis zu einem gewissen Teil ja. So wie es einem Partner nicht egal sein muss, wenn sich der andere völlig gehenlässt, was Gewicht, Kleidung oder Körperpflege angeht, so darf auch zu einem gewissen Grad mitbestimmt werden, wie dieser Körperbereich gestaltet wird.

Wie wird Sex absolut perfekt?

Lösen Sie sich vom Leistungsdenken! Viel zu viele Leute vergessen auf der Suche nach dem perfekten Sexerlebnis, im Bett ganz einfach Spass zu haben und zu geniessen. Guter Sex, besserer Sex, perfekter Sex – diese Ideen bauen auf Bewertungen und Leistungsgedanken auf, die zu fiesen Stolpersteinen auf dem Weg zu einem erfüllten Sexual­leben werden können.

Wie gefährlich kanns werden?

Es ist möglich, sich beim Sex derart zu verausgaben, dass man stirbt. 90 Prozent der Betroffenen sind Männer. Aber auch als Mann braucht man keine Angst zu haben: Die Wahrscheinlichkeit eines Sextodes ist verschwindend klein – von einer Million stirbt einer beim Sex. Mehr als die Hälfte von ihnen übrigens nicht mit der Ehefrau, sondern mit einer Geliebten.

Caroline Fux Brändli (links) ist Psychologin und Blick-Sexberaterin. Ines Schweizer ist Sexual- und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Luzern. (Privataufnamen)
Caroline Fux Brändli (links) ist Psychologin und Blick-Sexberaterin. Ines Schweizer ist Sexual- und Psychotherapeutin...

Beobachter: Sex-Expertin – da haben Sie sich ein tolles Fachgebiet ausgesucht. Sex interessiert alle. Warum eigentlich?
Ines Schweizer: Jeder Mensch ist mit Sex konfrontiert, entweder weil er Sex hat, weil er Sex will oder weil er hat und eigentlich gar keinen möchte.

Beobachter: Letzteres wird häufiger: Die Hälfte der Frauen gab in einer  Studie an, nur selten Lust auf Sex zu haben…
Ines Schweizer: Das stimmt. Allerdings glaube ich nicht, dass der Trieb einer Frau grundsätzlich schwächer ist. Die weibliche Sexualität ist einfach störungsanfälliger. Für Männer reicht unter Umständen ein visueller Reiz, um in Fahrt zu kommen, für eine Frau muss die Atmosphäre stimmen, das ist ein wenig komplizierter.

Beobachter: Was heisst das konkret?
Caroline Fux: Skizzieren wir mal ein Muster­szenario: Der Mann kommt heim von der Arbeit. Er ist gestresst. Er sieht seine Frau, umarmt sie, greift ihr an den Po und an die Brüste. Er hätte gern Sex, weil ihn das entspannt. Danach würde er gern mit ihr zusammen etwas kochen und gemütlich ein Glas Wein trinken. Dann die Frau: Sie kommt gestresst nach Hause. Sie sieht ihren Mann, möchte ihm zuerst von ihrem Tag erzählen, dann gemütlich etwas kochen, ein Glas Wein trinken und dann als Höhepunkt noch Sex haben...

Beobachter: Um elf liegen beide enttäuscht im Bett.
Ines Schweizer: Genau. Ich behaupte, 90 Prozent der Paare haben irgendwann ein Problem mit diesen unterschiedlichen Bedürfnissen. Wenn man nicht darüber spricht, gibt die Frau oft nach, weil sie denkt, der Mann brauche das halt. Sie fühlt sich dabei als Ware, als Fleisch und entwickelt irgendwann eine Luststörung.
Caroline Fux: Der Mann bekommt vielleicht, was er will, leidet aber darunter, dass es Mitleidsex ist, den er sich da holt.

Beobachter: Das klingt nicht gerade sexy. Was tun?
Ines Schweizer: Kompromisse sind schwierig, vor allem für die Frau. Das heisst nicht, dass Frauen sich nicht auch mal auf Sex einlassen sollten, wenn die Lust noch nicht da ist. In erster Linie appelliere ich aber an die Männer: Redet halt vorher noch ein wenig, es lohnt sich auch für euch! (Lacht)

Beobachter: Und nach dem Reden: Ein Quickie auf dem Küchentisch oder Blüemlisex im Bett?
Caroline Fux: Völlig egal. Hauptsache, es macht Spass. Viele Paare schränken sich selber viel zu stark ein. Er liebt zum Beispiel Sex unter der Dusche, Doggy Style und die Missionarsstellung. Sie mag Sex im Bett, im Badezimmer und in der Mis­sionarsstellung. Irgendwann bleibt es beim «Kleinster gemeinsamer Nenner»-Sex: der Missionarsstellung. Und das wird dann logischerweise langweilig.

Beobachter: Sie raten zu Experimenten. Etwa die elektrische Zahnbürste mal als Vibrator einzusetzen…
Ines Schweizer: Das ist vor allem ein Plädoyer für mehr Kreativität. Eine Feder kann ein Sexspielzeug sein, oder auch ein Backpinsel. Es macht das Leben einfach bunter, wenn man mit erotischen Augen durch den Alltag geht. Vielleicht hat man in der Gemüseabteilung plötzlich ein Aha-Erlebnis.

Beobachter: Die Gurke als Dildo?
Caroline Fux: Warum nicht? Wir betrachten Sex einfach zu isoliert. Lustvoller Sex entsteht aus einem lustvollen Leben. Wer im Alltag nichts zu lachen hat, sich überlastet fühlt und gestresst, wird auch keinen sprühenden, elektrisierenden Sex haben. Deshalb ist jede Investition in die Beziehung eine Investition in die Sexualität. Es lohnt sich für Männer also durchaus, für die Frau etwa den Abfallsack runterzutragen.

Beobachter: Sex gegen Müllabfuhr?
Caroline Fux: Natürlich nicht so direkt, aber jede Entlastung schafft Raum für anderes. Sex zum Beispiel. Es lässt sich zwar nicht belegen, ob Paare, die mehr Sex haben, einfach glücklicher sind oder ob glückliche Paare sexuell aktiver sind. Tatsache ist: Glückliche Paare haben mehr Sex.

Beobachter: Heisst mehr Sex auch automatisch guter Sex?
Caroline Fux: Dieser Anspruch ist kontraproduktiv. Ich plädiere dafür, auch mal mittelmässigen Sex zu haben. Denn wenn jedes fünfte Mal genial ist, ist es doch eine schlaue Herangehensweise, möglichst viel Sex zu haben. Besser jedenfalls, als auf der Suche nach Perfektion kaum mehr Sex zu haben, weil es immer einen Grund gibt, warum er nicht grandios werden könnte.
Ines Schweizer: Daran scheitern viele Frauen. Sie können sich erst auf Sex einlassen, wenn alles perfekt ist: Haushalt gemacht, Haare epiliert, Ferienspeck abtrainiert…

Beobachter: Wir wissen halt alle, wie der perfekte Körper und der perfekte Sex auszusehen haben.
Ines Schweizer: Ich erlebe oft, dass Frauen nur im Dunkeln Sex haben wollen, weil sie sich für ihren Körper schämen. Für ihre Cellulite zum Beispiel. Dabei haben 80 Prozent der Frauen Cellulite! Das ist ganz normal, auch wenn uns die Medien etwas anderes vorgaukeln.
Caroline Fux: Leider sehen wir keine Bikinimodels mit Schwangerschaftsstreifen. Auch der Hollywoodfilm, in dem das Pärchen in der Schlussszene keinen Sex haben kann, weil sie gerade ihre Tage hat, muss erst noch gedreht werden. Wir tun gut da­ran, den inneren Filter zu aktivieren, wenn wir solche Bilder konsumieren. Vor allem bei Pornographie. Das sind keine Dokumentarfilme, sondern inszenierte Phantasien. Wenn wir uns dessen bewusst sind, verlieren die Bilder an Brisanz.

Beobachter: Niemand meint, die XXL-Brüste der Pornostars seien echt. Sie beeinflussen uns aber trotzdem.
Ines Schweizer: Das stimmt. Ich erlebe in meiner Praxis oft, dass Frauen schockiert sind und sich massiv bedroht fühlen, wenn sie entdecken, dass ihr Mann Pornographie konsumiert. Sie fühlen sich konkurrenziert, auch wenn der Mann sagt, dass er im richtigen Leben niemals mit diesen Frauen zusammen sein möchte.
Caroline Fux: Viele Frauen sind naiv. 60 bis 80 Prozent der Männer konsumieren Pornographie. Es gibt also eine gewisse mathematische Wahrscheinlichkeit, dass es der eigene auch tut.

Beobachter: Finden Sie das problematisch?
Ines Schweizer: Nicht grundsätzlich. Es ist wie alles eine Frage des Ausmasses. Solange es die Partnerschaft nicht negativ beeinflusst, ist es kein Problem.

Beobachter: Erstaunlich: Kein Mann will nur im Dunkeln Sex haben, bloss weil er einen Bierbauch hat…
Caroline Fux: Männer sind in der Regel tatsächlich offener und entspannter, was Kör­perlichkeit angeht. Bei sich selber sowieso, aber auch bei der Partnerin. Dadurch, dass sie sich nicht für sich selber schämen, genies­sen sie eine Freiheit, die für die Sexualität unglaublich kostbar ist. Das können sich viele Frauen gar nicht vorstellen: Diese Grosszügigkeit, die Männer sich selber gegenüber an den Tag legen, bringen sie auch gegenüber ihrer Partnerin auf.

Beobachter: Apropos Männer. Sie schreiben, dass Männer ihr Ejakulat selber einmal schlucken sollen, wenn sie das von ihrer Partnerin verlangen.
Caroline Fux: Das ist ein Notfalltipp. Es gibt Paare, in denen die Frage «Schlucken, spucken oder überhaupt in den Mund nehmen» zu absolut verhärteten Fronten führt. Bringen Frauen die Forderung auf den Tisch, dass er selber einmal probieren soll, kehrt meist Ruhe ein…
Ines Schweizer: Solche Dinge muss man als Paar aushandeln.
Caroline Fux: Auf jeden Fall. Und ich finde, man darf durchaus mal etwas für den Partner tun, was man selber nicht so prickelnd findet. Als Geschenk sozusagen. Aber natürlich nur, wenn sich Schenken und Beschenktwerden die Waage halten.

Beobachter: Schenken ist ein gutes Stichwort. Darf eine Frau einem Mann einen Orgasmus vorspielen?
Caroline Fux: Ein kniffliges Thema. Grundsätzlich finde ich, Vorspielen bringt einen nie weiter, aber es gibt vielleicht Situationen, in denen es das kleinere Übel ist.

Beobachter: Zum Beispiel?
Caroline Fux: Nehmen wir eine Frau mit Orgasmusschwierigkeiten. Sie hat zum ersten Mal Sex mit einem neuen Partner. Wenn sie ihm jetzt schon sagt: «Ich kann im Fall nicht kommen», ist das vielleicht eine zu grosse Belastung. Aber man muss sich bewusst sein: Mit jedem Mal, wo man etwas vortäuscht, wird im Verlauf der Zeit die Erklärungsnot grösser.

Beobachter: Und wenn er danach fragt: «Wie war ich?»?
Ines Schweizer: Ou, das klingt für mich jetzt ziemlich narzisstisch. Angebrachter finde ich «Hat es dir gefallen?» oder «Fandest du es auch schön?». Aber ehrlich gesagt, wenn ein Mann das immer fragen muss, dann hat er unterwegs einiges verpasst.

Beobachter: Zum Beispiel, ob sie einen Orgasmus hatte…
Caroline Fux: Wir sind die Letzten, die sagen, es spiele keine Rolle, ob man einen Orgasmus hat oder nicht. Aber wenn man nur noch Sex hat, um zum Orgasmus zu kommen, ist das der Anfang vom Ende. Der Orgasmus ist ein scheues Reh – wenn man zu laut nach ihm ruft, flüchtet er.
Ines Schweizer: Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit der Erektion. Liebe Männer, man kann erfüllenden Sex haben, auch wenn er mal nicht steht. Und liebe Frauen, ihr müsst keinen Orgasmus haben. Sex ist lustvolles Zusammensein und kein Leistungssport.

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Veröffentlicht am 2012 M10 23