Nach kalten und verregneten Wochen ist die Sehnsucht nach Sonne besonders gross. Die warmen Strahlen sind eine Wohltat auf der Haut, und das Licht hebt die Laune. Das ist nicht nur subjektives Empfinden, sondern wissenschaftlich bewiesen. Ab einer bestimmten Helligkeit wird Serotonin ausgeschüttet. Der Botenstoff macht wach, heiter und aktiv. 

Allerdings meldet sich auch gleich das schlechte Gewissen: Achtung, UV-Strahlung, Hautkrebsgefahr Hautkrebs Die Haut vergisst nie ! Also schirmen wir uns ab.

Sonnenstrahlung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus

Doch gerade in jüngster Zeit fokussieren Fachleute auf die positiven Effekte des Sonnenlichts. Denn nicht nur zu viel, auch zu wenig UV-Strahlung gefährdet die Gesundheit. Schwung in die Diskussion brachte eine schwedische Langzeitstudie. Befragt wurden dafür 30'000 Frauen im Alter von 25 bis 64 Jahren. Das überraschende Ergebnis: Jene Schwedinnen, die die Sonne mieden, hatten nach 20 Jahren ein doppelt so hohes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen Herzkrankheit Was fehlt dir, mein Herz? zu sterben, als jene Frauen, die sich am häufigsten sonnten.

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Obwohl es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen die Ergebnisse aufhorchen: Menschen, die öfter an der Sonne sind, leben offenbar länger, und das Hautkrebsrisiko ist nicht so hoch wie jenes, durch Lichtmangel zu sterben. «Ein bestechendes Resultat», sagt Christoph Schempp, Dermatologe am Uniklinikum Freiburg im Breisgau.

Weitere Studien aus anderen Ländern bestätigen die gesundheitsfördernde Wirkung der Sonne. Wer regelmässig, aber massvoll Sonne an die Haut lässt, hat demnach ein kleineres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Erhöht ist es hingegen bei Stubenhockern, die das Jahr über kaum draussen sind und dann in den Ferien stundenlang am Strand oder in der Badi brutzeln. 

Senkt Blutdruck, stärkt Knochen

Sonnenlicht setzt sich aus mehreren Strahlungsarten Sonnenschutz Hautfeind Sonne zusammen. UVA-Strahlung etwa bewirkt, dass sich die Blutgefässe erweitern. Das senkt, zumindest vorübergehend, den Blutdruck, wie britische Forscher nachwiesen.

UVB-Strahlung dagegen kurbelt die Vitamin-D-Bildung in der Haut an. Das Vitamin, eigentlich eine Hormonvorstufe, verhindert Rachitis bei Kindern und Knochenaufweichung bei Erwachsenen. «Eine genügende Vitamin-D-Versorgung fördert die Gesundheit und trägt zu einem geringeren Sturz- und Frakturrisiko bei älteren Menschen bei», so das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Darüber hinaus liefert die Forschung erste Hinweise darauf, dass Vitamin D chronische und schwere Krankheiten günstig beeinflussen kann. 

Die älteste medizinische, in Fachkreisen sehr angesehene, Zeitschrift «The Lancet» publizierte 2018 allerdings eine Studie, die den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit widerspricht. Der Studie zufolge schützt die zusätzliche Einnahme von Vitamin D Erwachsene nicht vor Knochenbrüchen und hat keinen Einfluss auf die Knochendichte.

«Raus ans Licht!», lautet deshalb die Devise. Mit einem massvollen Aufenthalt im Freien kann der Körper genügend Vitamin D bilden. Wer wie viel Sonnenlicht verträgt, hängt vom Hauttyp und von der Tageszeit ab. Wer blass ist, bildet schneller Vitamin D als ein dunkler Hauttyp.

So kommen Sie zu Vitamin D

Lassen Sie in aufrechter Haltung Gesicht und Arme ungeschützt von der Sonne bescheinen - lange genug, damit die empfohlene Menge Vitamin D in der Haut gebildet wird, aber nicht so lange, dass Sie einen Sonnenbrand riskieren. Die Dauer in Minuten (siehe unten) hängt von persönlichen Faktoren sowie vom Monat und von der Tageszeit ab. Die Empfehlungen gelten für jahreszeitliche Sonnenstrahlung bei unbewölktem Himmel im Mittelland.

Tabelle, wie lang man Sonne tanken muss, um Vitamin D Speicher aufzufüllen

Je nach Hauttyp variiert die Aufenthaltszeit in der Sonne.

Quelle: Anne Seeger und Andrea Klaiber / Quelle: BAG

In den anderen Monaten ist die Sonne in der Regel zu schwach für eine ausreichende Vitamin-D-Produktion. Neuste Studien zeigen, dass Menschen in der Schweiz in dieser Zeit einen Mangel entwickeln können. Ob dies problematisch ist, lässt sich aufgrund fehlender Langzeitstudien aber noch nicht beurteilen.

Die Strahlungsstärke der Sonne

Wie lange wir draussen bleiben können, bis wir einen Sonnenbrand bekommen, hängt von unserem Hauttyp und von der Sonnenstrahlung ab. Der UV-Index hilft, die Strahlungsstärke des UV-Lichts
richtig einzuschätzen.

Tabelle UV-Index

Quelle: Anne Seeger und Andrea Klaiber / Quelle: BAG
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«Panikmache» und «Verteufelung»

Empfehlenswert sind im Sommer zwei bis drei kurze Sonnenbäder, am besten vormittags oder nachmittags. Setzen Sie sich dazu aufrecht an die Sonne, die Arme, Hände und das Gesicht ungeschützt, während der Rest des Körpers mit Textilien bedeckt ist. 

Ungeschützt heisst ohne Sonnencreme Umweltschutz Sonnencremes töten Korallen . Diese reduziert die Vitamin-D-Synthese, vor allem dann, wenn sie einen hohen Schutzfaktor hat. Gerade in den immer höheren Lichtschutzfaktoren und den ständigen Warnungen vor der Sonne in Europa sieht Dermatologe Christoph Schempp «einiges an Panikmache». Er stellt damit nicht in Abrede, dass die Sonnenstrahlen Risiken bergen und individueller Schutz wichtig ist. Aber: «Eine einseitige Verteufelung bringt nichts.» Seine Empfehlung lautet deshalb: lernen, die gesunden Seiten der Sonne zu nutzen. Was eben bedeutet, sie wohldosiert und ohne schlechtes Gewissen zu geniessen.

Trotzdem: Sonnenschutz ist wichtig

In den Sommermonaten Mai bis August sind die UV-Strahlen besonders intensiv. Die Tipps der Krebsliga:

  • Tragen Sie Hut und Sonnenbrille. Bedecken Sie die Schultern, insbesondere bei länger dauernden Outdoor-Aktivitäten wie Gartenarbeit, Velofahren oder Wandern.
  • Suchen Sie vor allem zwischen 11 und 15 Uhr immer wieder Schatten auf.
  • Tragen Sie zusätzlich Sonnencreme auf die unbedeckte Haut auf. Aber Vorsicht: Die Cremen sind kein Freipass für einen unbeschränkten Aufenthalt an der Sonne.
  • Die UV-Strahlung von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko und beschleunigt die Hautalterung. Zudem stimmt es nicht, dass die Haut beim Vorbräunen einen eigenen Sonnenschutz entwickelt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Solarien in die oberste Kategorie der Krebsrisiken eingestuft.

Wovon die UV-Belastung abhängt

Diese Faktoren beeinflussen den UV-Index.

Tabelle, wovon UV-Belastung abhängt

Quelle: Anne Seeger und Andrea Klaiber / Quelle: BAG

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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