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SchrittzählerDas Märchen von den 10'000 Schritten

Bewegung tut gut – das ist klar. Doch es reicht nicht, stur 10'000 Schritte pro Tag herunterzuspulen. Wer tagsüber viel sitzt, muss mehr tun.

Das ewige Sitzen im Büro sollte man unbedingt regelmässig unterbrechen – zum Beispiel, indem man die Treppe statt den Lift nimmt.
von aktualisiert am 22. Mai 2018

Die berüchtigten 10’000 Schritte wurden 1964 in Gang gesetzt. Kurz vor den Olympischen Spielen brachte damals eine japanische Firma einen Schrittzähler auf den Markt – den «Manpo-kei». Man po heisst «10’000 Schritte». Die Botschaft kam an. Die kleinen Apparate verkauften sich wie warme Weggli. Heute sind Schrittzähler wieder in Mode Fitness-Tracker Ich messe, also bin ich . Und mit ihnen die ominöse Zahl 10’000.

Aber: «Diese Angabe ist veraltet und entbehrt wissenschaftlicher Grundlage», sagt Vincent Brügger, Bewegungsspezialist bei der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz. Die Regel mit den 10’000 Schritten greife zu kurz, weil Laufen nur eine von vielen Möglichkeiten ist, mehr Aktivität in den Alltag zu bringen Fitness Erste Schritte für Sportmuffel . «Und weil die Schrittzahl allein nichts über die Intensität der Bewegung aussagt.» Die Intensität jedoch sei wesentlich für den gesundheitlichen Nutzen – neben Dauer und Häufigkeit.

Aktivitäten in den Alltag einbauen

Sinnvoller seien deshalb die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des Bundesamts für Gesundheit: Erwachsene sollten sich pro Woche mindestens zweieinhalb Stunden bewegen 10 Sporttipps Spass am Sport (siehe Infoboxen unten). 

Allerdings: «Solche Richtgrössen reichen nicht aus, um Leute zu motivieren und eine wirksame Gesundheitsvorsorge zu erreichen», sagt Julia Schmid vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern. Denn Studien zeigten: Es gibt verschiedene persönliche Gründe, sich mehr zu bewegen. Die einen wollen Kontakte knüpfen, andere die Figur optimieren Übergewicht Abnehmen, aber richtig , wieder andere Fitness aufbauen oder verbessern. 

Ebenso wichtig ist, dass sich die Aktivität in den Alltag integrieren lässt und vor allem Freude macht. Julia Schmid: «Nur wer sich dabei gut fühlt, bleibt längerfristig dran.»

Warum 10'000 Schritte langes Sitzen nicht kompensieren

Mehr als 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind heute in der Freizeit körperlich aktiv, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit. Das klingt nach einer guten Bilanz. Allerdings sitzen manche bis zu 15 Stunden Ergonomie Eine Frage der Haltung pro Tag – im Büro, im Restaurant, auf dem Sofa. Dagegen wird seit Jahren Bewegung als Ausgleich Bewegung Sport ist eine Superpille empfohlen.

Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt: «Immer mehr Studien zeigen, dass fehlende körperliche Aktivität und langes Sitzen voneinander unabhängige Risikofaktoren sind», sagt Vincent Brügger. 

Die negativen Folgen des dauernden Sitzens können darum nicht in der Freizeit ausgeglichen werden – sondern allenfalls gemildert. Nach heutigem Kenntnisstand wichtig ist: so oft wie möglich aufstehen und umhergehen. Das schützt am besten vor Risiken, zum Beispiel für Herzerkrankungen Herz Bewegung ist die beste Prävention

  • Für Anfänger gilt: Jede Form von Aktivität zählt und bringt einen direkten Nutzen.
  • Bereits Aktive sollten sich bewusst sein: Zusätzliches Training steigert zwar Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Der Zusatznutzen wird aber immer kleiner. Wer zum Beispiel pro Woche 50 Jogging-Kilometer abspult, profitiert kaum noch von einer Steigerung.
  • Die Wahl der Aktivität hängt von den persönlichen Vorlieben Fitness Die 12 faulsten Ausreden der Sportmuffel ab. Zu empfehlen ist, Verschiedenes zu kombinieren und dabei systematisch etwas für Ausdauer, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Kraft zu tun. Das beugt auch Stürzen im Alter effizient vor.
  • Ideal ist es, an mehreren Tagen pro Woche etwas für die Fitness zu tun. Alles, was mindestens zehn Minuten dauert, lässt sich addieren. Es zählt also auch der Fussweg zur Arbeit oder die Putzaktion daheim Fitness Bewegung hält den Körper schön . Dabei sind Varianten möglich, zum Beispiel eine halbe Stunde mittlere Intensität an fünf Tagen pro Woche. Oder eine halbe Stunde mässige Bewegung an drei Tagen plus Intensiveres an einem Tag. Die Faustregel: 10 Minuten hohe Intensität haben den gleichen positiven Effekt wie 20 Minuten mittlere Intensität.

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2 Kommentare

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alexbrunn
Toller Artikel und Top Experten! Endlich geht man ein wenig weiter als banale « Empfehlungen », die nicht einmal die berücksichtigen.
heidiwasser
Reisserische, aber irreführende Überschrift Wer einen Büro-Job hat und versucht, täglich 10'000 Schritte zu machen weiss, dass das fast nicht möglich ist, ohne bei der Arbeit zwischendurch aufzustehen und ein paar Schritte zu machen. Und natürlich muss man die 10'000 Schritte im Alltag unterbringen. Die Überschrift des Artikels "Das Märchen von den 10'000 Schritten" und die Kommentare des Experten sind deshalb alles andere als zielführend. Etwas mehr differenzieren hätte wie so oft auch hier nicht geschadet.