Beobachter: Sie haben ein Buch über Körpertabus geschrieben. Was ist Ihnen selbst peinlich?
Yael Adler: Als ich meine erste Liebesreise unternahm, war ich mit einem tollen Mann in einem Hotelzimmer in Paris und fragte mich: Wie gehst du jetzt aufs Klo? Ich war furchtbar neidisch auf meinen Partner, der sich keine Sorgen über die Geräusche und Duftmarken machte, die er ­produzierte. Mir jedoch war, wie vielen Frauen, alles peinlich, was mit Stuhlgang und Körpergerüchen zu tun hatte, und ich konnte in den drei Tagen nicht ein einziges Mal auf die Toilette.


Heute ist Ihnen nichts mehr peinlich?
Oh doch, ganz viele Sachen, deshalb habe ich auch so eine besondere Sensibilität für das Thema. Als ich mein Buch in einer Talkshow vorgestellt habe, wollte ich zur Veranschaulichung zeigen, wie Männer gern sitzen: Mit breiten Beinen und hochgeklappten Armen. Als ich meine Arme hob, erkannte ich am entsetzten Blick des Moderators, dass ich Schweissflecken hatte. Die Kamera hielt natürlich voll drauf, und am nächsten Tag ergoss sich in den sozialen Medien der Spott über mich.