22_99_felder.jpgBeobachter: Eigentlich kann man Ihnen gratulieren, Herr Felder. Wenn das Zürcher Stimmvolk am 28. November Ja sagt, erhalten Sie einen Flughafen geschenkt.

Josef Felder: Gratulieren können Sie höchstens den zwanzig Millionen Flugpassagieren und dem Kanton Zürich. Von Geschenk kann übrigens keine Rede sein: Der Kanton erhält für den Flughafen 1,2 Milliarden Franken. Als Grossaktionär kann er zudem in Zukunft von Dividenden und Steuern profitieren.

Beobachter: Falls der Flughafen überhaupt rentiert. Gegen München und Milano-Malpensa sind Sie bereits heute im Hintertreffen. Hat Zürich gegen diese Konkurrenz überhaupt eine Chance?

Felder: Bezüglich Passagiere hat Zürich viel Boden verloren. Vor zehn Jahren lagen wir in Europa noch an sechster Stelle. Dieses Jahr fallen wir aus den Top Ten heraus und liegen hinter München und Brüssel. Doch Grösse ist relativ. Wir wollen ein interkontinentales Drehkreuz bleiben, um Verbindungen zu allen wichtigen Destinationen bieten zu können und die Standortattraktivität zu sichern.

Beobachter: Die Gegner des neuen Gesetzes haben Angst, dass der privatisierte Flughafen sein Pistensystem ausbauen wird.

Felder: Uber Veränderungen am Pistensystem entscheidet der Kantonsrat. Die Flughafen AG hat dazu nichts zu sagen. Das ist gut so. Einen Flughafen wird man nie entwickeln können, wenn man die Bevölkerung nicht hinter sich hat.

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Beobachter: Sie hoffen auf möglichst viel Flugverkehr und zugleich auf das Verständnis der Bevölkerung. Wie stellen Sie sich das vor?

Felder: Ich hoffe nicht auf möglichst viel Verkehr. Das Verkehrsaufkommen hängt allein von der Nachfrage ab. Die Infrastruktur des Flughafens darf jedoch nicht zum Wachstum beschränkenden Faktor werden. Den Dialog mit der Bevölkerung müssen wir aber noch intensivieren.

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