Wetten, dass die meisten Menschen mehr Zeit in den Kauf eines Autos investieren als in den Kauf eines Bettes? Das eine ist in der Regel zwar deutlich teurer als das andere. Doch im Bett verbringen wir rund einen Drittel unseres Lebens, im Auto vielleicht ein Jahr.

Immerhin: «Das Bewusstsein, dass dem Schlaf ein hoher Stellenwert zukommt, nimmt seit einigen Jahren zu», beobachtet Daniela Thöny, Geschäftsleiterin des Matratzen- und Kissenherstellers Elsa.

Das steigende Interesse spiegelt einerseits den Wellnessboom, anderseits den zunehmenden Alltags- und Arbeitsstress wider. Zudem fährt der Bewegungsmangel vielen Leuten ins Kreuz: Einer Befragung zufolge leiden 40 Prozent der 15- bis 34-jährigen Schweizerinnen und Schweizer regelmässig an leichten oder starken Rückenschmerzen. Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es schon mehr als die Hälfte. «Die Mehrheit der Rückenpatienten ist sich heute bewusst», sagt der Rheumatologe Claude Merlin, «dass ein gutes Schlafsystem ihre Schmerzen lindern kann.»

Nur, was ist ein gutes Schlafsystem? «Es gibt kein Bett, das für alle ideal ist», relativiert Claude Merlin. Bezüglich Härte der Unterlage lassen sich drei Kategorien bilden:

  • Eher hart: für junge, sportliche Typen.
  • Mittel: für schwergewichtige Menschen sowie für Rücken- und Bauchschläfer.
  • Eher weich: für ältere und leichtgewichtige Menschen sowie für Seitenschläfer.


«Gute Matratzen stützen den Körper in jeder Schlafposition», formuliert Claude Merlin einen der wichtigsten Ansprüche. Das heisst zum Beispiel: Beim Liegen dürfen im Schulterbereich keine Druckstellen entstehen, Hohlräume beim Kreuz müssen ausgefüllt sein.

Schlafen Sie ein paar Tage zur Probe
Diese Anforderungen erfüllen Wasser- und Luftbetten weitgehend, aber auch so genannte punktelastische Matratzen. Sie geben nur dort nach, wo es für die Körperform nötig ist. Das kann man testen, indem man einen Finger in die Matratze drückt: Je besser die Delle den Finger umschliesst, desto höher ist die Elastizität.

Die Matratze bildet unbestritten das Kernstück der Schlafunterlage. Deckt sie die individuellen Bedürfnisse optimal ab, ist die Wahl des Lattenrosts zweitrangig. Denn durch eine 15 bis 20 Zentimeter dicke Auflage hindurch wird seine Fähigkeit, sich jeder Körperbewegung anzupassen, deutlich eingeschränkt. Anderseits bieten fast alle Hersteller Matratzen und Roste an, die speziell aufeinander abgestimmt sind.

Für einen guten Bettenkauf ist aber noch einiges mehr zu beachten:

  • Beratung: Es ist wenig sinnvoll, sich anhand eines Prospekts oder nach kurzem Probeliegen in einem Möbeldiscounter für ein Bett zu entscheiden, das man zehn Jahre lang Nacht für Nacht benutzt. Informieren Sie sich in Spezialgeschäften oder spezialisierten Möbelhäusern. Erstellen Sie eine genaue Analyse Ihrer Bedürfnisse (siehe «Besser schlafen auf Wasser oder Kamelhaar»). Nehmen Sie sich Zeit; am besten reservieren Sie sich mehrere Termine.
  • Preis: Das teuerste Bett muss nicht das beste für Ihre Bedürfnisse sein. Trotzdem hat Qualität ihren Preis. Machen Sie sich vor dem Kauf Gedanken darüber, wie viel Sie ausgeben möchten. Sparen Sie, falls nötig, am Rahmen, aber nicht am Inhalt. Lassen Sie sich nicht von Aktionen blenden. Wasser- oder Luftbetten können doppelt bis dreimal so teuer sein wie eine gute Matratze. Anderseits entfällt ein zusätzliches Bettgestell. Ausserdem ist die Lebensdauer eines Wasserbetts gemäss Hans Wyler, Mitinhaber eines Schlafcenters in Ostermundigen, etwa doppelt so hoch wie die einer Matratze.
  • Service: Gute Fachgeschäfte liefern das Bett für 30 Tage zum Probeschlafen oder mit Gratis-Umtauschrecht. Machen Sie davon Gebrauch, denn meistens merken Sie erst nach einigen Nächten, wie gut das neue Bett Ihnen und Ihrem Rücken tut. Auch können Sie bei dieser Gelegenheit testen, ob die gewählte Bettgrösse passt und ob es richtig war, eine Grossmatratze zu wählen statt zwei schmalere Einzelmatratzen. Schliesslich kann es sich auch lohnen, die Liefer- und Garantieleistungen zu vergleichen und nach dem Preis für mögliche Reparaturen zu fragen.


Was den einen «zu hart» ist, ist für die anderen «gerade richtig». Klar ist hingegen, so Hans Wyler, «dass sich das Bett dem Körper anpassen muss. Ist es umgekehrt, erwacht man morgens wie gerädert und mit Schmerzen.»

Zurückhaltung beim Kauf von Futons
Dies ist auch der Grund, warum viele Fachleute zurückhaltend sind, wenn es um den Kauf eines Futons geht. Das japanische Original enthält mehrere Lagen wattierter Baumwolle in einem Baumwollüberzug, der auf einer Reisstrohmatte ausgelegt wird. Für leichte Menschen mag dies ausreichen. Für gewichtigere und ältere jedoch kann es heikel werden. «Je älter der Bewegungsapparat wird, desto rascher reagiert er auf ungünstige Schlafbedingungen», erläutert Rheumatologe Claude Merlin.

Die Härte von Futons ist eine solche «ungünstige Bedingung». Wenn die tagsüber belasteten Bandscheiben sich nachts nicht entlasten und ausdehnen können, leidet der Schlaf. Bei baumwollgefüllten Futons besteht zudem die Gefahr, dass der Inhalt innert weniger Monate zusammengepresst und somit noch härter wird. Mehr Elastizität bieten da Futons mit Rosshaar-, Kokos- oder Latexanteil in der Füllung.

Wer besonders auf Hygiene achtet, wählt eine waschbare Schaumstoffmatratze. Denn pro Nacht gibt der Mensch bis zu einen Liter Wasser ab. Diese Feuchtigkeit wird von der Matratze aufgenommen. Oder ein Wasser- oder Luftbett: Bei beiden können die Bezüge abgenommen und gereinigt werden. Im Gegensatz zu Matratzen mit Schafwoll- oder Rosshaarauflagen sind solche Betten auch erste Wahl für Allergiker. Wer im Bett öfters friert, sollte sich eher für eine poröse Matratze entscheiden, da diese besser isoliert. Auch eine Tierhaarlage als oberste Schicht wirkt wärmend. Und wer ein beheizbares Wasserbett wählt, sollte nie mehr kalte Füsse haben.

Beim Kinderbett gilt es zu beachten: Matratze und Lattenrost sollten bis zum Schuleintritt fester sein als in einem Erwachsenenbett. Dies berücksichtigt, dass die Wirbelsäule noch wächst. Ideal ist eine Matratze mit weicherer Oberfläche für komfortables Liegen, aber einem festen, kompakten Kern, der auch beim Stehen, Gehen und Hüpfen den Kinderfüssen guten Halt bietet.

Der Spieltrieb soll auch beim Rost berücksichtigt sein: Wird das Bett zum Trampolin umfunktioniert, gehen billige Holzlatten garantiert zu Bruch. Mit dem Schuleintritt kann man auf ein Erwachsenenbett mit flexiblem Rost umsteigen. Auf keinen Fall aber soll eine alte Matratze der Eltern an die Kinder weitergereicht werden: «Das kann Gift sein für den Rücken», warnt Claude Merlin.

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Quelle: Sanna Lindberg