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«Büroklammer»Schlüsselfinder mit unseriösen Methoden

Schlüsselfinder mit unseriösen Methoden
Bild: Stock-Kollektion colourbox.com

75 Beschwerden über den Schlüsselfunddienst «Büroklammer» gingen allein im ersten Halbjahr 2009 im Beobachter-Beratungszentrum ein.

von Martin Müller

Die Schilderungen der Betroffenen gleichen sich fast bis aufs Komma: Sie hätten am Telefon nur zugestimmt, dass ihnen Info­ma­terial zugeschickt werden dürfe. Die Verkäu­fer hätten mit dem tiefen Preis von CHF 9.90 geworben. Die Rechnung beläuft sich aber auf 99 Franken – weil der Vertrag für die beiden Schlüsselfundplaketten über zehn Jahre läuft. Eine Frau schildert, sie habe zweimal nach­gefragt, ob es wirklich nur «9 Franken 90» koste, was ihr ebenso oft bestätigt worden sei.

Das Schlüsselfundgeschäft hat «Büroklammer» von Eliax übernommen, die im Januar 2009 Konkurs ging. Eliax wurde im Beobachter oft kritisiert; es ging um Verkaufstricks und nicht bezahlte Löhne. Beide Firmen haben dieselbe Adres­se in Berg TG – und denselben ­Eigentümer und Chef: Sascha Chessa. Der weist alle Vorwürfe «­entschieden zurück». Allen Kunden werde der Preis «klar mitgeteilt», niemandem werde versprochen, dass nur unverbindlich Informationen zugestellt würden.

Viele Betroffene sehen dies anders. ­Johannes Keel aus Rebstein SG: «Ich wurde gefragt, ob ich denn den Preis bezahlen könne.» Dies habe er bejaht, als leitender Spitalarzt ist er solvent genug. «Aber ich habe nicht gesagt, dass ich auch bezahlen wolle, denn ich habe bereits von einem anderen Anbieter solche Plaketten und wollte mich einzig über das Angebot informieren.»

Das Gespräch sei aufgezeich­net worden, wurde Keels Reklamation ­zurückgewiesen. Den Gesprächsinhalt wollte «Büroklammer» aber nicht offen­legen. «Ich werde sicher nicht bezahlen», so Keel. Seine Chancen stehen gut. Dem Beobachter ist kein Fall bekannt, in dem «Büroklammer» ihre Forderung per Betreibung geltend gemacht hat. Mit Grund: Im Betreibungsverfahren müsste «Büroklammer» einen schriftlichen Beweis für den Vertragsabschluss vorlegen können – und einen solchen gibt es nicht.

Veröffentlicht am 2009 M07 07

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29 Kommentare

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Rolf Müller
Jetzt ist der Telefonanruf bereits ohne Nummererkennung, und trotz *Eintrag erfolgt. Es wurde versucht mehrfach anzurufen. Das ist gesetzlich nicht erlaubt. Gibt es hier eine Klage am Laufen?
Pia Hollenstein
Als ich vom Anrufer 031 518 19 21 den genauen Namen wissen wollte (Herr Graf von der Schlüsselfinderstelle) und bestätigte, dass ich den Schlüsselservice noch habe, hängte er ohne Verabschiedung einfach auf.
Fiorini Brigitta
Meine Mutter hat Demenz und kam auch auf irgend eine Art zu diesen Schlüsselanhängern. Sie weiss logischerweise von gar nichts. Ca. einen Monat nach dem Erhalt der Anhänger, musste sie in ein Heim. Dort braucht sie def. keine Schlüssel. Ich habe die Rechnung nicht bezahlt, da sie ja von nichts wusste. Mitlerweile bekam ich einen Brief vom Inkasso Stufe 2. Der Betrag beläuft sich schon auf Fr. 229.-- Muss ich das wirklich bezahlen? Ziehen die das durch bis zur Betreibung? Vielen Dank für Ihre Antwort. MFG
Katja Post
Telefonische Belästigung durch: "Schlüssel-Funddienst ... Engler, mein Name!" - Telefonnummer 031 - 518 19 20. Anscheinend hat dieser Anrufer meine Nummer trotz des Eintrags mit * aus dem Telefonbuch herausgesucht. Um sich gegen solche unerwünschten Anrufe zu wehren, hat man nur die Möglichkeit, kommentarlos sofort aufzulegen. *-Einträge im Telefonbuch nützen absolut nicht.