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Ästhetisch-plastische ChirurgieOperation Schönheit

Bild: Getty Images

Ballonbrüste und Luftmatratzenlippen waren gestern: Heute helfen Frauen und Männer ihrer Schönheit dezent auf die Sprünge – selbstbewusst und ohne Scham. Über die Chancen und Risiken der Schönheitschirurgie.

von Sven Broder

Daniela Lüscher hat sich eine neue Nase gegönnt – für 6000 Franken. Dafür hat sie fünf Jahre gespart, vor der Operation zwei schlaflose Nächte voller Angst und Zweifel in Kauf genommen und sich vier Stunden auf den OP-Tisch gelegt. Als sie von ihrem Chirurgen Stephan Bessler vorgängig über den Eingriff und die Risiken aufgeklärt worden war, hatte sie ­ihre Ohren auf Durchzug gestellt; auf «Göschenen–Airolo», sagt sie. Wer will denn schon wissen, was sich hin­ter Ausdrücken wie Septum- und Turbino­plastik im Detail verbirgt? Wer will hören, dass nach einem Schnitt durch den Nasensteg die Haut wie das Faltdach eines Cabriolets über den Knorpel gezogen wird, um mit dem chirurgischen Werkzeug an das ­Nasengerüst zu kommen? Oder an die möglichen Komplikationen denken? Rein statistisch sinkt in drei von 100 Fällen die Nasenspitze ab, oder es entsteht ein Loch in der Scheidewand. Dazu die Warnung: «Kein Arzt kann garantieren, dass die ­Nasenoperation ästhetisch und/oder funktionell gelingt.»

Daniela Lüscher nahm es zur Kenntnis und segnete es per Unterschrift ab. Verschmälerung der Spitze, Begradigung der Scheidewand, des Nasenrückens, der Nasenpyramide. Wozu das alles? Und für wen? «Für mich», sagt sie. «Für mich allein.»

«Für mich allein»: Daniela Lüscher, 38, vier Wochen nach der Nasenkorrektur
Quelle: Christian Schnur

Die Gurke im Gesicht

Es ist nicht so, dass sich die 38-Jährige ständig über ihre Nase aufgeregt hätte. Aber immer mal wieder. Vor allem auf Fotos: «Als hätte ich eine Gurke im Gesicht.» Hinzu kam der gesundheitliche Aspekt: Wegen der schiefen Nasenwand litt sie jahrelang unter Atemproblemen. Bei der Operation liess sich das Nützliche mit dem Schönen verbinden. Als sie vor fünf Jahren erstmals eine Nasenkorrektur ins Auge gefasst hatte, hatte sie noch kurzfristig einen Rückzieher gemacht – und sich stattdessen ein Auto gekauft. «Doch schon damals wäre eine Operation die nachhaltigere Investition gewesen», sagt sie. Ein Auto verliere an Wert, eine schönere Nase sei etwas fürs Leben.

Die Bereitschaft, der Schönheit operativ auf die Sprünge zu helfen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Laut einer repräsentativen Studie von Acredis, einem unabhängigen Beratungszentrum für plastische und ästhetische Chirurgie, halten 40 Prozent der Schweizerinnen Schönheits-OPs bereits für etwas Alltägliches. Jede vierte zieht einen Eingriff selber in Betracht oder könnte sich einen solchen grundsätzlich vorstellen. 4,3 Prozent der 675 befrag­ten Frauen gaben an, sich bereits einer Schönheits-OP unterzogen zu haben. Angesichts der imposanten Markt- und Wachs­tums­daten dürften sechs bis acht Prozent jedoch realistischer sein, meinen Experten.

In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr um die 50'000 kosmetisch-chirurgische Eingriffe durchgeführt. Und mit jährlich 400'000 Anti-Falten-Behandlungen haben sich Herr und Frau Schweizer diskret an die Spitze der europäischen Botox-Statistiken gesetzt. Der hiesige Markt für Schönheits­operationen wird auf 600 bis 700 Millionen Franken geschätzt – mit einem jährlichen Wachstumspotential von rund 15 Prozent. Die häufigsten Eingriffe: Fettabsaugung, Brustvergrösserung, Nasen­korrektur, Oberlid- und Unterlidplastik.

Entgegen gängigen Klischees sind die Patientinnen, oder besser gesagt: die Kundinnen, kaum mehr auf Ballonbrüste oder Schlauchbootlippen aus. Heute verschönern sich Frau und immer häufiger auch Mann – mittlerweile ist gut ein Sechstel der Kundschaft männlich – dezent und sehr gezielt. Was «gemacht» wird, soll schön aussehen, aber ja nicht operiert. Waren früher etwa Stupsnasen der Renner, die dem Gesicht eine kindliche, herzige Attitüde verpas­sen, stehen heute «gerade Charakternasen» zuoberst auf der Wunschliste, wie Stephan Bessler erklärt. «Sie muss zum Gesicht passen und darf die Persönlichkeit nicht verändern», betont der Facharzt, der pro Jahr rund 200 Nasenoperationen durchführt.

Auch Daniela Lüscher wollte keine ­Nase nach Muster X, sondern ihre Nase «in einer etwas schöneren Ausführung». Schönheit nimmt im Leben der Zürcherin einen ­hohen Stellenwert ein. Nicht in Bezug auf andere. «Bei Männern stehe ich überhaupt nicht auf Schönlinge», sagt sie. Streng ist sie primär mit sich selber. «Oft zu streng», gibt sie zu. «Aber ich arbeite daran.» Mit Hilfe der Chirurgie? «Nein. Ich weiss, dass ich nie dem Schönheitsideal entsprechen werde. Aber deswegen plane ich doch keine ­chi­rurgische Generalüberholung. Die ­Nase, okay – der Rest bleibt, wie er ist.»

Schönheitschirurgie statt Psychotherapie?

Ihr «innerer Schönheitsknacks», wie es Daniela Lüscher nennt, liesse sich mit einer Operation auch nicht beseitigen. «Wer das erwartet, erlebt zwangsläufig eine Enttäuschung», betont der renommierte St. Galler Schönheitschirurg Jan Poëll (siehe Artikel zum Thema «Jan Poëll, der Chirurg»). Es sei daher die Pflicht der Chirurgen, herauszufinden, ob hinter einem Operationswunsch eine vernünftige Absicht beziehungsweise ein hoher Leidensdruck steht. «Letztlich ist jede Ope­ration eine Körperverletzung und birgt ­entsprechende Risiken», so Poëll. Stephan Hägeli von Acredis bläst ins gleiche Horn: «Wer zum Beispiel unter einem extremen Minder­wertigkeitskomplex leidet, gehört in psychiatrische Behandlung und nicht auf den OP-Tisch.»

Gleichwohl ist eine Therapie nicht immer eine Alternative. «Auch mit einer zehnjährigen Therapie lässt sich eine Nase nicht begradigen. Da braucht es unter Umständen tatsächlich einen Chirurgen», so der Psychologe Thomas Steiner, der Patienten vor und nach Eingriffen betreut. Bisweilen landen auf seiner Couch «tragische Fälle». Doch die positiven würden klar überwiegen. Ein Eingriff könne eine Selbstwertsteigerung für den Rest des Lebens bewirken, erklärt Steiner, weil man sich nachhaltig als von einem Makel befreit empfinde. «Häufig geht das einher mit einem neuen Gefühl von Freiheit: der Freiheit, sich so zeigen zu können, wie man ist.» Nasenchirurg Stephan Bessler bezeichnet sich deshalb gern als psychologischen Chirurgen: «Ich operiere das Ungleichgewicht weg», erklärt er. Denn letztlich strahle vor allem die Zufriedenheit mit sich selbst Schönheit aus und nicht nur eine verschönerte Nase.

«Rundum zufrieden»: Niklaus Knecht, 49, zwei Monate nach der Augenlidkorrektur
Quelle: Christian Schnur

Bei Niklaus Knecht war es nicht die ­Nase. Zwei 1,8 Zentimeter auf neun Millimeter grosse Hautstücke standen dem 49-Jähri­gen vor der Sonne – im wahrsten Sinne des Wortes. «Die oberen Lider hingen he­runter, nahmen mir die Sicht und liessen mich ständig müde aussehen», sagt er. Vor zwei Monaten – «als Auffrischung zum 50. Geburtstag» – liess Knecht das altersschwache Gewebe entfernen. Gekostet hat ihn das «einige tausend Franken». Mit dem Ergebnis ist er rundum zufrieden. Seine Frau findet es sogar «den Hammer».

Niklaus Knecht ist ein Ästhet und ein Lebemensch. Neid und Missgunst sind ihm ein Gräuel. «Ich gönne jedem etwas Schönes», sagt er. Auch sich selber. Das Leben sei eh schon ein Kampf: «Warum soll ich es mir unnötig schwerer machen? Wer Schmerzen hat, nimmt doch auch eine ­Pille.» Doch leider gebe es halt auch ­kritische Stimmen.

 

12%    der Frauen mögen ihren Körper so, wie er ist.
     
31%   können sich eine eigene Schönheits­operation vorstellen oder haben bereits einen Eingriff hinter sich.
     
38%   halten Schönheits­operationen für etwas Alltägliches.
     
48%   sind überzeugt, dass schönes Aussehen wichtig ist, um privat und beruflich Erfolg zu haben.
     
10%   haben im Kampf für ein ­besseres Aussehen schon zu Medikamenten gegriffen.
     
Quelle:   Die repräsentative Studie «Schönheit und Schönheitschirurgie 2007» basiert auf einer Online-Befragung von 675 Schweizerinnen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren.

Doppelmoral und Wildwuchs

In der Tat setzt sich leicht in die Nesseln, wer zu einer Schönheitsoperation steht. Auch Daniela Lüscher bekam die Moralkeule zu spüren. «Du spinnst doch!» war die häufigste Reaktion. Ihre Schwester habe gar einige Tage nicht mehr mit ihr geredet, als sie ihr von der geplanten OP erzählt ­habe. Sie werde auf natürliche Weise alt, habe sie ihr unter die Nase gerieben. Was das Prädikat «natürlich» im Zeitalter der Zahnspangen, gefärbten Haare, rasierten Achselhöhlen und gebleichten Zähne noch für einen Wert hat, diese Antwort blieb die Schwester schuldig. Das Streben nach künstlicher Schönheit ist auch keine neue Erscheinung. Vom Henna-Make-up für die Dame der Steinzeit über die Allonge­perücke für den trendbewussten Louis XIV bis zum Botox für die faltenfreie Frau von heute war es ein langer, aber gradliniger Weg.

Gleichwohl hält es jede zweite Schwei­zerin für moralisch bedenklich, sich zur Verschönerung unters Messer zu legen. Dabei ist es keineswegs so, dass sich Frau Schweizer besonders wohl fühlen würde in ihrer Haut. Im Gegenteil: Nur zwölf Prozent sind mit ihrem Aussehen zufrieden. Neun von zehn Frauen würden gern etwas gegen ihre Problemzonen tun. Laut der Acredis-Studie stört sich jede zweite an ihrem Bauch, mehr als jede dritte hadert mit ihrer Figur. Sieben von zehn Frauen haben schon versucht, durch Diät oder Sport den Fett­pölsterchen zu Leibe zu rücken, zehn Prozent griffen dafür sogar zu Medikamenten.

Doch sich operieren zu lassen – das geht vielen dann doch zu weit. Stattdessen wendet die Hälfte der Frauen lieber täglich ­eine halbe bis eine Stunde dafür auf, sich vor dem Spiegel schön aufzubrezeln. Und das darf auch einiges kosten: Nach eigenen ­Angaben investieren 78 Prozent bis zu 200 Franken und sieben Prozent sogar über 400 Franken pro Monat in ihr Aussehen.

Acredis-Leiter Stephan Hägeli spricht von einer Doppelmoral, die bezüglich Schönheit und Schönheitschirurgie noch immer herrsche: «Obwohl viele Frauen der Schönheit mit allen Mitteln nachhelfen, teil­weise auch chirurgisch, streiten es viele ab.» Es wird gern tiefgestapelt, wenn es um den Stellenwert von Schönheit geht. Nach Familie/Partnerschaft, Freunden, Gesundheit, Wohnen, Beruf und Sex landete Schönheit in der Umfrage lediglich auf Platz sieben. «Die Psychologen sind sich einig: Da haben die Frauen mächtig ge­flunkert», relativiert Hägeli.

Dass die Schönheitschirurgie einen zweifelhaften Ruf geniesst, hat nicht nur moralische, sondern auch durchaus handfeste Gründe. So ist der Titel Schönheitschirurg nicht geschützt. Jeder approbierte Arzt, ob Anfänger oder Routinier, darf sich so nennen. Das führt zur absurden Situa­tion, dass Frauenärzte nebenbei Fett absau­gen und Kieferchirurgen Brüste operieren. Sogar Kosmetikerinnen spritzen Falten auf. In der Schweiz laben sich geschätzte 1600 Anbieter von ästhetischer Chirurgie und Haut- und Faltenbehandlungen am lukrativen Beauty-Kuchen.

Laut der Schweizerischen Gesellschaft für plastische Chi­rurgie hängt der Erfolg eines ästhetischen Eingriffs zu 90 Pro­zent vom Ope­rateur ab. Ob aber ein «Schönheits­experte» eher ­schwarzes Schaf oder Halbgott in Weiss ist, merken Patientinnen oft erst zu spät. Ein Facharzttitel in plastischer, rekonstruktiver und ästhetischer Chi­rurgie bietet eine gewisse Sicherheit, ist aber kein Garant, dass der Arzt die notwendige Kom­petenz und Erfahrung mitbringt. Zumal die meisten plastischen Chirurgen alle rund 20 spezifischen Eingriffe anbieten, von Bauchdeckenstraffung bis Stirnlifting. Nur wenige sind auf ein Teilgebiet spezialisiert.

Pro Jahr gibt es rund ein Dutzend ­Abklärungen wegen möglicher Sorgfaltspflichtverletzungen bei Schönheits-OPs. «Immer wieder werden Patientin­nen regelrecht verstümmelt», sagt Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz. Sie fordert deshalb schon lange, dass nur noch ausgewiesene Fachleute, die über eine entsprechende Haftpflichtversicherung verfügen, ästhetisch-chirurgische Eingriffe vornehmen dürf

Die häufigsten Eingriffe und ihre Risiken

Stirn-/Brauenlifting: 10'000 bis 16'000 Franken

Risiken*: Asymmetrie, maskenhafter Gesichtsausdruck, ­Verletzung von Nervenbahnen mit lokalen Lähmungs­erscheinungen, Taubheit
der Haut, Narben.

Botox und Faltenunterspritzung: 400 bis 1000 Franken

Risiken*: maskenhafter Gesichtsausdruck, Hängelid, Probleme beim Sprechen. Hände weg von nicht abbaubaren Substanzen!

Ohrenkorrektur: 5000 bis 7000 Franken

Risiken*: Schmerzhaftigkeit, ­Infektion, Gefühlsstörung, ­Narben, künstlich
aussehende Ohren.

Augenlidstraffung: 4000 bis 8000 Franken

Risiken*: Beeinträchtigung der Augenschliessfunktion, Hängelid, Triefauge.

Facelifting: 20'000 bis 25'000 Franken

Risiken**: Asymmetrien, ­maskenhafter Gesichts­ausdruck, lokale Lähmungserscheinungen, Narben, ­Versetzen des Haaransatzes.

Nasenkorrektur: 7000 bis 11'000 Franken

Risiken**: unbefriedigendes Ergebnis, Asymmetrien, Deformierungen, abgesenkter Nasenrücken, ­Infektion.

Lippenvergrösserung: 600 bis 800 Franken

Verwendete Materialien: Eigenfett, Kollagen oder Hyaluronsäure. Risiken*: unnatürliches ­Aussehen.

Brustvergrösserung: 11'000 bis 15'000 Franken

Risiken**: Gewebeverhärtung, Sensibilitätsstörung, Ent­zündung der Wundhöhlen, Probleme mit dem Implantat. ­Spätfolgen möglich.

Brustverkleinerung: 10'000 bis 14'000 Franken

Risiken***: Asymmetrien und «schielende» Brustwarzen, Wundheilungsstörungen, Infektion, Gefühlsstörungen in den Brustwarzen, gestörte Stillfähigkeit, Narben.

Bauchdeckenstraffung: 14'000 bis 16'000 Franken

Wird oft in Kombination mit Fettabsaugung eingesetzt. ­Risiken**: unschöne Narben, Dellen und Asymmetrien, ­Gefühlsstörung, Infektion.

Schamlippenkorrektur: 4500 bis 6000 Franken

Die Verkleinerung der Schamlippen hat die drittgrösste Wachstumsrate aller Schönheits-OPs. Risiken**: Asymme­trien, Narben, Verwachsungen, Gefühlsstörung, Infektion. ­Weitere Intim-Eingriffe sind: Scheidenverengung, G-Punkt-Aufspritzung, Rekonstruktion des Jungfernhäutchens.

Fettabsaugung: 5000 bis 10'000 Franken

Dient primär der Kontur­verbesserung. Anwendungs­zonen sind Bauch, Taille, Po, Hüfte, Oberschenkel und -arme, Kinn und Hals. Risiken**: Asymmetrien, ­Furchen, Dellen, Embolie, ­Gefühlsstörung.

Risiken

*** hoch
** mittel
* gering

Quelle: Acredis/SGPRAC. (Die SGPRAC nennt keine Preise, hält aber fest, dass die Kosten im Einzel­fall bis 30 Prozent unter dem von Acredis angegebenen Mindestpreis liegen können.)

Umstrittene «Lifestyle-OP»: Wer zahlt was?

Zur Kassenpflicht nimmt das Bundesamt für Gesundheit wie folgt Stellung: «Für eine Schönheitsoperation muss der Patient selber aufkommen. Die Krankenkasse bezahlt nur, wenn Betroffene ohne den Eingriff nachweislich körperlich oder psychisch leiden würden. Bei Komplikationen übernimmt die Kasse die Kosten der Nachbehandlung nur, wenn trotz der fachgerechten Behandlung des Arztes eine behandlungsbedürftige Gesundheitsstörung auftritt, die ihrerseits Krankheitswert hat und deren Behandlung grundsätzlich eine Pflichtleistung darstellt.»

So weit das Gesetz. Die Grundversicherung muss aber immer häu­figer für ­Ein­griffe wie Brustvergrösserungen oder Fettabsaugen aufkommen, weil ein Arzt den Eingriff als «medizinisch ­indiziert» beurteilt. Laut Schätzungen entstehen so jährlich Kosten von über 30 Millionen Franken. Parlamentarier fordern deshalb, «Lifestyle-Operatio­nen» aus der Grundversicherung zu nehmen. Bei Gesundheitskosten von bald 60 Milliarden Franken ein Tropfen auf den heissen Stein. Zudem müssen Schönheits­operationen auch unter medizinischen Aspekten nicht grundsätzlich unsinnig sein, betonen Experten.

Wichtig: Ein Arzt schuldet nur eine fachgerechte Behandlung, aber keinen Behandlungserfolg. Das Arzthonorar ist auch dann fällig, wenn ein Patient mit dem Resultat nicht zufrieden ist.

So wählen Sie den richtigen Arzt

  • Prüfen Sie, ob der Arzt ­einen Facharzttitel führt (plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie). Dann verfügt er über die nötige Aus- und ­Weiterbildung.

  • Holen Sie eine Zweitmeinung ein. Wichtig ist, dass der Arzt Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie (SGPRAC) ist.

  • Der Arzt muss Sie über Eingriff, Narkose und Nachbehandlung aufklären sowie über Risiken, Komplikationen und allfällige vorübergehende Arbeitsunfähigkeit.

  • Verlangen Sie ­einen detaillierten Kostenvoranschlag für Narkose, Spital, Nachkontrolle und allfällige Korrektureingriffe.

  • Ist der Arzt vertrauens­würdig? Lässt er Ihnen ­Bedenkzeit? Hände weg von Spezialkliniken, Sonderange­boten und Ärzten, die Rabatte anbieten und Reklame machen.

  • Vergewissern Sie sich, dass der gewählte Arzt eine Haftpflichtversicherung hat, die auch bei Schadenersatzklagen aus ästheti­schen Eingriffen aufkommt.

  • Bestehen Sie auf schriftlichem Informations­material zum geplanten Eingriff.

  • Zur Einwilligungserklärung: Unterschreiben Sie keine unklaren Formulierungen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach – bei einer Patientenorganisation oder einer Rechtsberatung.

  • Lassen Sie sich schriftlich ­zu­sichern, dass Sie von demjenigen Arzt ­operiert werden, der Sie zuvor beraten hat.

Weitere Infos

Weitere Infos zu Schönheitsoperationen oder geeigneten ­Spezialisten finden Sie über das Beratungszentrum Acredis oder über die ­Schweizerische Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ­ästhetische Chirurgie (SGPRAC):
www.acredis.ch
www.plastic-surgery.ch

Veröffentlicht am 2009 M08 04