Auskunft, Sie wünschen?» 50 Millionen Mal jährlich erteilen die rund 1000 Swisscom-Angestellten unter der Nummer 111 Auskünfte über Telefonnummern und Adressen. Der Andrang ist nach wie vor gross – obwohl immer mehr Leute dank Telefonbuch-CD oder Internet billiger zu den gewünschten Informationen kommen.

Konkurrenz droht der Swisscom jedoch von anderer Seite. Seit ein paar Wochen ist es mit der Monopolstellung im Auskunftsservice vorbei. Unter der Nummer 1850 bietet die irische Firma Conduit einen privaten Konkurrenzdienst an, und noch dieses Jahr wollen weitere Firmen – darunter Sunrise und Tele2 – mit eigenen Auskunftsdiensten starten. Das Bundesamt für Kommunikation hat Anfang Jahr insgesamt 17 Anbietern erlaubt, ebenfalls einen Auskunftsdienst zu betreiben, und ihnen Kurznummern von 1800 bis 1899 zugeteilt.

Wie viele von diesen 17 Firmen den Betrieb tatsächlich aufnehmen und wie viele überleben, ist jedoch offen. Denn wer pro Jahr weniger als fünf Millionen Anrufe verzeichnet, muss die Kurznummer wieder abgeben. Zudem dürfen nur Auskünfte über Rufnummern, Namen und Adressen erteilt, nicht aber weiter gehende Dienstleistungen wie Wegbeschreibungen erbracht werden: Dafür gibt es andere Nummern. In ein paar Jahren wird die Swisscom auch die eingängige Nummer 111 verlieren und auf 1822 wechseln müssen.

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Mit Geografiewissen hapert es
Der Beobachter hat mit Testanrufen die Swisscom-Auskunft 111 und die neue Konkurrenz von 1850 herausgefordert. Ebenfalls in die Stichprobe einbezogen wurde der nur für Orange-Mobiltelefonkunden verfügbare Auskunftsdienst (Nummer 111 via Orange-Handys). Auch dieser Auskunftsdienst wird von der irischen Firma Conduit betrieben.

  • Ziemlich überfordert zeigten sich die Auskunftsdienste bei der Bitte, einen Campingplatz im Simmental zu suchen. Der Mitarbeiter von 1850 sitzt in einem Bieler Callcenter, wusste aber trotz breitem Berndeutsch nicht einmal, dass das Simmental im Kanton Bern liegt. Nach zwei Minuten fand er doch noch einen Campingplatz an der Lenk. Sein Kollege von Orange war zwar ähnlich ratlos, fand aber den gleichen Campingplatz an der Lenk schneller – und gleich noch einen zweiten dazu. Enttäuschend schnitt die Swisscom ab: Die Mitarbeiterin fand nach geschlagenen drei Minuten einzig einen Zeltplatz am Jaunpass. Dieser gehört zwar zur Gemeinde Boltigen und damit politisch zum Simmental, nicht aber geografisch. Ein schlechtes Resultat für die Swisscom, die in einer Werbekampagne für die 111 verkündet: «Wir finden alles.»

  • Problematisch waren die Antworten auf die um 22 Uhr gestellte Frage nach einer Notfallapotheke im thurgauischen Kreuzlingen: Kein Auskunftsdienst wusste die richtige Nummer. Immerhin: Orange riet korrekt, irgendeine der vier Kreuzlinger Apotheken anzurufen – ab Band werde dann über die Dienst habende Notfallapotheke informiert. Dem Mitarbeiter von 1850 kam nach mehr als zwei Minuten in den Sinn, die Nummer des örtlichen Spitals anzugeben. Die Swisscom-Operatrice hingegen wusste einzig die schweizweit gültige Notarztnummer 144.

  • Bei einfachen Auskünften sind alle drei Auskunftsservices gleich zuverlässig. So hat die Frage nach der Telefonnummer einer Beobachter-Redaktorin Swisscom, Orange und Conduit nicht ins Schleudern gebracht. Alles andere wäre auch sehr bedenklich gewesen – schliesslich gibt es in der ganzen Schweiz nur einen einzigen Telefonanschluss unter dem betreffenden Namen.

  • Schwieriger war die Frage nach der Nummer von «Martin Müller in Zürich». Die Angabe, in welchem Stadtkreis der Gesuchte wohnt, half allen Anbietern weiter, doch der 1850-Mitarbeiter fragte nicht nach dem Beruf und nannte am Schluss zwei Nummern (darunter die richtige).

  • Gute Noten gibts für alle drei Anbieter bei der Suche nach dem Zivilstandsamt in Appenzell. Alle fanden die direkte Telefonnummer – in manchen elektronischen Verzeichnissen erscheint nur die Hauptnummer der Kantonsverwaltung.

Der Service ist freundlich und fix

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Die Richtigkeit der Auskunft ist das eine, der Preis das andere. Weil die drei Dienste unterschiedlich abrechnen, ist ein direkter Vergleich schwierig: Swisscom und Conduit verrechnen eine Grundtaxe plus Minutengebühren, Orange erhebt eine Gebühr pro Auskunft.

Und wie lange muss man warten, bis man durchkommt? Die Stichprobe hat unerwartet kurze Wartezeiten ergeben. Bei keinem Anruf kam die Durchsage, alle Leitungen seien besetzt. Spätestens nach neunmaligem Klingeln kamen die Verbindungen zustande – unabhängig von der Tageszeit. Bei Orange und 1850 war die Wartezeit noch kürzer – doch das könnte sich rasch ändern, wenn diese beiden Auskunftsdienste bekannter werden.

Auffallend ist auch die betonte Freundlichkeit der Angestellten von 1850 und Orange, die zum Schluss meist noch einen schönen Tag wünschen. Die Swisscom-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind eher nüchterner, aber deswegen nicht unfreundlich.

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Fazit: Punkto Qualität sind die neuen Auskunftsdienste nicht schlechter als die 111 der Swisscom. Bei Fragen, die sich rasch beantworten lassen, ist 1850 eher billiger. Und bei komplizierteren Auskünften hat sich der Handy-Auskunftsdienst von Orange bewährt.