Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, ein kurzes Auffahren vor dem Rotlicht – und die böse Folge per Post von der Garage. Der Bagatell­unfall soll mehrere tausend Franken kosten.

Heutige Autos sind mit Systemen wie Abstandsregeltempomat oder Parksensor ausgerüstet. Die Helferlein, so bequem und nützlich sie sind, haben ­einen gravierenden Nachteil: Sie müssen funktions­bedingt an ­ungeschützten Stellen wie der Stossstange eingebaut werden – und sie sind teuer.

Das fällt vor allem den Autoversicherungen auf. «Die Reparaturkosten sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die übliche Teuerung», sagt Bernd de Wall von der Allianz Suisse. Gar von einer «explosionsartigen» Zunahme spricht Bruno Kuhn von der Mobiliar-Versicherung. Weil die Preise für Neuwagen markant gesunken seien, würden die Garagen die grossen Margen heute vorwiegend bei den Reparaturen erzielen.

Währungsvorteile einbehalten

Tatsächlich zeigt ein Blick auf den Landesindex der Konsumentenpreise, dass die Preise für Neuwagen und Ersatzteile in den letzten Jahren unterschiedlich stark gesunken sind. Neue Autos sind zwischen Oktober 2010 und Oktober 2012 14 Prozent günstiger geworden, Ersatzteile jedoch nur sieben Prozent. Die Garagen­betriebe geben die Währungsvorteile nicht an den Kunden weiter: «Die derzeitige Schwäche des Euro hat keinen mindernden Einfluss auf die Höhe der Schadenzah­lungen für Autoreparaturen», sagt Ursula Steingruber von der Axa Winterthur.

Der Direktor von Auto Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Importeure, weist diesen Vorwurf zurück: «Ich kann das nicht nachvollziehen», sagt Andreas Burgener. In der Schweiz könne der Kunde sein Auto im Reparaturfall am selben Tag wieder abholen. Das sei möglich, weil Gara­gen­betriebe hierzulande mehrmals täglich mit Ersatzteilen beliefert würden. Das und weitere Faktoren wie kleinere Lager sorgten dafür, dass Ersatzteile in der Schweiz teurer seien als im Ausland.

Hält der Trend bei den Kosten für Reparaturen und Ersatzteile an, wird das Folgen für die Prämienzahler haben. «Steigende Reparaturkosten führen mittelfristig zu Prämienerhöhungen oder zu Anpassungen der Versicherungslösungen», sagt Frank Keidel von der Zürich-Versicherung. Auch bei der Axa Winterthur rechnet man mit einer Erhöhung der Kaskoprämien, falls die Teuerung bei Reparaturen anhält.

3206 Franken für einen Sensor

Der Touring-Club empfiehlt den Autoherstellern, Sensoren so zu verbauen, dass sie bei einem ­Bagatellunfall nicht getroffen werden. Wo das nicht möglich ist, sollen sogenannte Sollbruchstellen dafür sorgen, dass teure, empfindliche Teile bei plötzlich auftretenden starken Belastungen abbrechen und damit keinen Schaden nehmen. Ein Preisvergleich des Touring-Clubs zeigt erstaunliche Unterschiede: So verlangt Mercedes für den Sensor des Abstandsregeltempomaten bei einer E-Klasse 2850 Franken, Jaguar gar 3206 Franken. Dass es auch günstiger geht, zeigt Peu­geot. Der französische Hersteller verkauft das Bauteil für 930 Franken.

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Konsumenten sollen beim Kauf eines neuen Autos kritisch fragen, wie viel Radarsensoren, Xenonscheinwerfer und weitere technische Hilfen im Fall eines Bagatellschadens kosten werden. «Ein subtiler, systematischer Druck des Markts kann die Hersteller veranlassen, Preisvorteile, die durch eine wachsende Verbreitung solcher Bauteile und Produktion in grösseren Stückzahlen noch möglich sind, möglichst rasch an den Kunden weiterzugeben», sagt Stephan Müller, Sprecher des Touring-Clubs. Die Schadenkosten der Versicherungen bei Fahrassistenzsystemen würden sich durch eine Senkung der Ersatzteil­preise verringern.