David Beckham wäre vor 30 Jahren kaum für einen Fussballer gehalten worden. Eher für einen Matrosen, einen Kriminellen – vielleicht für einen Rockstar. Heute ist das anders: Der Kassierer im Quartierladen trägt einen Drachen am Unterarm, die TV-Moderatorin im Abendkleid zeigt ihr Dornenband am Oberarm. Tätowierungen sind alltagstauglich geworden. Doch noch immer gilt: Bloss nichts übereilen! Ist der Entscheid für ein Tattoo mal gefällt, sollte noch einiges sorgfältig überdacht werden.

Welches Motiv soll es sein?

Eine gute Entscheidungshilfe ist die eigene Motivation für das Tattoo: Soll es für ein Ereignis wie die Geburt eines Kindes oder den Abschluss eines Lebensabschnitts stehen? Will man Werte wie Liebe oder Freiheit auf der Haut verewigen? Oder einfach eine gute Szene aus dem Lieblingsfilm?

Nicht jedes Tattoo muss eine tiefere Bedeutung haben. «Die meisten Kunden kommen mit klaren Vorstellungen ins Studio», sagt Ivan Pavan, Zürcher Tätowierer in Berlin. Meistens müsse er die gewünschten Motive neu zeichnen, weil die Vorlage schlecht sei und nicht übernommen werden könne. Oft zeichnet er das Motiv direkt auf die Haut. So sehe der Kunde am besten, wie es in etwa aussehen werde.

Wo am Körper?

Ein explodierender Totenschädel am Hals oder auf dem Handrücken? Die in Jugendjahren hippe Tätowierung kann sich später im Berufsleben nachteilig auswirken. Je nach Plänen ist es besser, das Tattoo unter der sogenannten T-Shirt-Grenze zu platzieren.

Auch das Motiv beeinflusst die Wahl der Körperstelle. Ein Babyporträt auf einer behaarten Männerbrust wird ungewollt komisch wirken, wenn dem Kind Haare aus der Nase und den Augen wachsen. Es ist daher eine Herausforderung für den Tätowierer, das Tattoo möglichst harmonisch an Muskelbewegung und Körperform anzupassen.

Welche Stilrichtung?

Mit feinen schwarz-grauen Schattierungen wirkt ein Tiermotiv ganz anders als im Old-School-Stil mit seinen klaren Aussenlinien und starken Kontrasten durch Schwarz und Farbflächen. In den letzten Jahren haben sich viele neue Stilarten entwickelt, Biomechanik (technische Details mit Organischem verbunden), Tribals (Motive oder Ornamente aus schwarzen Balken und Linien) oder fotorealistische Porträts beispielsweise. Ein paar Tipps, wo man sich informieren kann:

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  • Ein guter Einstieg sind die vielen Fachzeitschriften an grösseren Kiosken.

  • Inspirierend sind Besuche von Tattoo-Conventions – Messen, an denen Tätowierer ihr Können zur Schau stellen. Da kann man den Profis direkt über die Schulter schauen, deren Werkmappen durchblättern und Fragen stellen. Jährliche Conventions gibt es in Zürich, Basel und Gossau SG, aber auch im näheren Ausland. Die Daten findet man in Tattoo-Zeitschriften.

  • In Tattoo-Studios gibt es Mappen, sortiert nach Motivgruppen und Stilrichtungen. Fast alle Studios haben eine Website mit einer Auswahl ihrer Arbeiten.

  • Eine grenzenlose Inspirationsquelle ist das Internet. Hier findet man zahlreiche Portale, die Motive aller Art zeigen. Sie können gegen eine kleine Gebühr oder sogar gratis heruntergeladen werden.


Hat man Motiv und Stilart ausgewählt, kann es bis zum tatsächlichen Tattoo-Termin einige Zeit dauern: Je nach Tätowierer betragen die Wartezeiten ein paar Wochen – oder ein bis zwei Jahre.

«Die Beweggründe sind wichtiger als die Wahl des Motivs»

«Mit 13 Jahren betrat ich, damals bloss als Begleitung, das erste Mal ein Tattoo-Studio. Seither befasste ich mich Tag und Nacht mit dem Thema Körperkunst. Als ich endlich 18 wurde, hatte ich so viele Ideen, dass ich noch ein Jahr brauchte, bis ich mir dann endlich mein erstes Hautbild machen liess. Wichtiger als die Wahl des Motivs sind die Beweggründe, weshalb ein neues Tattoo entstehen soll. Die Tattoos auf meinem rechten Arm beispielsweise stehen für meine schöne Kindheit. Das Faszinierende an Tattoos ist für mich, dass man sich für immer an etwas bindet. Die Erlebnisse vergehen, die Erinnerung daran aber bleibt. Im Sommer falle ich auf, die Leute schauen, was mir oft unangenehm ist. Ich kann es aber nachvollziehen. Meine Leidenschaft für diese Art von Körperschmuck ist immer ein Thema, vor allem für Leute, die mich nicht kennen. Manchmal wäre ich lieber etwas unauffälliger, aber meine Tattoos gehören zu mir, und ich bereue keines davon.» Stephanie Gross, 22, Piercerin

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Quelle: Thinkstock Kollektion

«Tattoos kommen aus einem längeren Entscheidungsprozess»

«Schon vor dem ersten Tattoo war mir klar: Es ist der Anfang eines Ganzkörperprojekts. Mir haben stark tätowierte Menschen schon immer gefallen. Fast alle meiner Motive haben für mich eine spezielle Bedeutung. Zum Beispiel faszinieren mich seit meiner Kindheit japanische Comics, und ich habe diesen Stil für den linken Arm ausgewählt. Unter anderem sind symbolisch auch meine beiden Brüder drauf. Am Anfang gefielen mir vor allem schwarze Tattoos. Inzwischen mag ich es bunt, wie man an mei­nem Hals sehen kann. Ich wähle immer wieder neue Tätowierer aus. Für das eine Teilprojekt musste ich fast drei Jahre auf einen Sitzungstermin warten. Das nehme ich in Kauf. Tattoos sind für mich keine spontane Schnellschüsse, sondern kommen aus einem längeren Entscheidungsprozess.» Sebo, 24, stellvertretender Geschäftsführer

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Quelle: Thinkstock Kollektion

«Haut mit Farbe sieht einfach schöner aus»

«Tattoos gefielen mir schon das ganze Leben lang – sie müssen für mich aber keine tiefere Bedeutung haben. Haut mit Farbe sieht einfach schöner aus. Mein erstes Tattoo habe ich selber gezeichnet – ein Herz mit Flügeln. Drei Monate später war es auf meinen Oberarm tätowiert. Auch die weiteren Motive habe ich meistens allein gezeichnet. Das neuste am Bein stammt von einem Graffiti-Künstler, der seit ein paar Monaten auch tätowiert. Da ich von seinen Werken begeistert bin, wollte ich unbedingt eins von ihm auf meiner persönlichen Leinwand. Die Wahl fiel auf eine seiner ­typischen Comic-Figuren. Hinter jedem Tattoo steckt auch ohne tiefergehende Be­deutung eine kleine Geschichte, das gefällt mir. Oft werde ich gefragt, ob ich nicht befürchte, dass es im Alter schlecht aussieht. Nein, denn auch gealterte Haut sieht für mich mit Tattoos schöner aus als ohne.» Gabriela Domeisen, 44, Fotografin

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Vorsicht: Farben sind oft giftig!

Das Bundesamt für Gesundheit hat schweizweit 152 Stichproben von Tattoo-Farben genommen und festgestellt, dass nur gerade 20 Prozent davon den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Reinhard Dummer, Professor der Dermatologie an der Universität Zürich, warnt vor allem vor Farben, die für glitzernde oder glänzende Tattoos eingesetzt werden: «Metallicfarben haben komplizierte chemische Verbindungen und sind vergleichbar mit Autolacken.» Die schädlichen Stoffe würden sich in der ­Regel in Haut und Lymphknoten ablagern – und damit für immer im Körper verbleiben. (fan)

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Müssen 16-Jährige erst die Eltern fragen?

Nein. Grundsätzlich sind zwar Kinder unter 18 Jahren nicht alleine handlungsfähig und benötigen die Einwilligung der Eltern, um Verträge abzuschliessen. Ist ein Kind jedoch urteilsfähig – was bereits ab etwa 14 Jahren möglich ist –, kann es höchstpersönliche Rechte selber aus­üben. Das sind Rechte, die eng mit der Persönlichkeit verbunden sind, wie zum Beispiel Eingriffe am eigenen Körper. Lässt sich das Tattoo mit dem Taschengeld oder Lehrlingslohn bezahlen, kann der Jugendliche also selber entscheiden.