Egal, wo Uber hinkommt: Es gibt Ärger. Überall sehen Taxifahrer ihre Existenz bedroht und wehren sich gegen die Billigkonkurrenz. Vielerorts wurde der Taxidienst ver­boten, so etwa in Deutschland. In Südkorea gibts sogar eine Belohnung für Uber-Nutzer, die Fahrer verpetzen.

Auch in der Schweiz hagelts Kritik. «Wir haben nichts gegen Uber. Das Problem ist, dass die Bedingungen nicht für alle gleich sind», sagt Patrick Favre, Präsident von Taxisuisse, dem nationalen Taxifahrer-Verband. Weil Uber nur in der Vermittlung tätig ist und die Fahrer alle selbständig sind, gilt das Gesetz über den Personentransport nicht für die Firma aus Kalifornien.

Für die Uber-Fahrer selbst gilt es aber. Eigentlich. Wer regelmässig gewerbliche Fahrten durchführt, braucht den entsprechenden Zusatzcode im Führerschein, einen Fahrtenschreiber und eine Zusatzversicherung. Alle Fahrer bei Uber black und UberX ­(siehe: «Uber ist auf der Überholspur») erfüllten diese Bedingungen, sagt ­Rasoul Jalali, Chef von Uber in der Deutschschweiz. Überprüfen lässt sich das aber nicht. Auch nicht polizeilich: Uber-Autos sehen aus wie normale Privatwagen. Sie haben kein Taxischild auf dem Dach, der Fahrtenschreiber könnte auch im Kofferraum sein. Bei Kontrollen kann die Polizei gar nicht merken, dass sie ein Fahrzeug vor sich hat, das für Uber unterwegs ist.

Hinzu kommt: Bei normalen Taxis wird automatisch die Mehrwertsteuer abgezogen, nicht aber bei Uber-Fahrern. Sie müssen Umsatz und Einkünfte selber anmelden. Das kommt einer Einladung zum «Steuersparen» gleich.

Fahrten sind bis zu 40 Prozent billiger

Die regulären Taxifahrer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Sie zahlen für ihre Betriebsbewilligung, unter Umständen für den Anschluss an eine Zentrale, und sie werden regelmässig kontrolliert. Uber dagegen fliegt unter dem Radar dieser Gesetze. Uber-Chauffeure können deshalb zu Preisen fahren, die 30 bis 40 Prozent unter dem normalen Taxitarif liegen. «Bei den über 10'000 in der Schweiz regis­trierten Taxifahrern stehen viele Jobs auf dem Spiel», sagt Taxisuisse-Präsident Favre.

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In Zürich ist deshalb der fünf­köpfige Vorstand der Taxi-Sektion, des grössten Taxiverbands der Schweiz, Mitte Februar aus Protest zurückgetreten. Nicht primär wegen Uber, so Sprecherin Dolores Zanini, sondern wegen der Stadt Zürich, die nicht mehr hinter den Stadt-Taxis stehe. Die Stadt verkaufe zu viele Bewilligungen. Auf 245 Standplätze kämen an die 1600 Taxis. Die Folge: Fahrer warten lange auf den nächsten Kunden. So kann es nicht verwundern, dass Täxeler Kurzstreckenfahrten häufig ablehnen.

Die Verbände streiten – doch viele Taxifahrer haben sich längst mit Uber arrangiert. Sie haben sich die Uber-App aufs Smartphone geladen und fahren zwischendurch für die Billigkonkurrenz. Inzwischen machten das 40 Prozent der Zürcher Taxifahrer, schätzt Dolores Zanini. Uber-Chef ­Jalali will diese Zahl nicht bestätigen. Tatsache sei, dass sich viele Taxifahrer, denen lange Leerzeiten drohten, bei Uber einloggten, so Lücken füllten und ihren Verdienst aufbesserten.

Ganz anders die Lage beim dritten Uber-Dienst: Uber Pop, ein Mitfahrangebot. Hier sitzen normale Autofahrer am Steuer – ohne entsprechende Ausbildung, Zusatzcode im Führerschein und Zusatzversicherung. Erlaubt sind solche Fahrten nur, wenn sie weder ­regelmässig noch gewinnbringend angeboten werden. Konkret: Der Fahrer darf höchstens zweimal in 16 Tagen eine Fahrt anbieten und nur einen Unkostenbeitrag kassieren. Nur: Die Einhaltung der Bestimmung lässt sich polizeilich kaum kontrollieren. Und es ist fraglich, ob Fahrer, die hobbymässig für Uber unterwegs sind, dem Steueramt den Zusatzverdienst melden.

Streik macht Uber noch populärer

Die Verbände und Uber spielen derweil munter Schwarzer Peter. Patrick Favre sagt, er habe Uber im Oktober 2014 einen Vorschlag für eine Zusammenarbeit zukommen lassen, aber keine Antwort erhalten. Rasoul Jalali antwortet, er habe Favre ein Konzept für ein gemeinsames Pilotprojekt vorgelegt, aber «keine klare Antwort erhalten». Favre kommentiert wiederum: «Dass Uber uns ein Pilotprojekt vorgelegt hätte, wäre mir neu.»

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Inzwischen hat Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf angekündigt, dass der Bundesrat Uber unter die Lupe nehmen wolle. Nur: Zu viel Widerstand gegen Uber kann schädlich sein. Als in London die Taxifahrer gegen die neue Konkurrenz demons­trierten und die Medien breit darüber berichteten, registrierten sich bei Uber 850 Prozent mehr Neukunden.

Uber ist auf der Überholspur

Uber wurde 2009 in San Francisco als Limousinenservice gegründet, expandierte aber schnell in den traditionellen Taxi-Service. Hinter der Firma stehen grosse Risikokapitalgeber, darunter Goldman Sachs und Google. Uber ist in 45 Ländern in über 200 Städten vertreten. Der Firmenwert wird auf mindestens 17 Milliarden Dollar geschätzt. 2013 setzte der Konzern 213 Millionen Dollar um. In Deutschland droht dem Taxi-Dienst nun das Aus. Das Frankfurter Landgericht hat den Dienst Uber Pop landesweit verboten. Uber darf damit keine Fahrten anbieten, bei denen die Fahrer keine behördliche Genehmigung haben.

Das Uber-Taxi bestellt man nicht per Anruf, sondern über die Smartphone-App oder via Website. Es gibt drei Angebote: den Limousinenservice Uber black, den «normalen» Taxidienst UberX und Uber Pop, für den jeder fahren kann, der einen einwandfreien Leumund, seit mindestens drei Jahren einen Führerschein und ein noch nicht zehn Jahre altes, viertüriges Auto hat. Die Fahrt wird per App der Kreditkarte belastet. Uber kassiert 20 Prozent des Fahrpreises als Kommission.

In der Schweiz hat Uber laut eigenen Angaben mehrere zehntausend Nutzer. Uber fährt ab Zürich, Genf, Lausanne und Basel. Der Firmenname kommt vom deutschen «über» (wie in «Übermensch»). Im Englischen wird es dafür verwendet, dass etwas besser sei.