Dem alten Computer gehts an den Kragen: Zwei schwere Ketten hauen das einstige Hightechjuwel kurz und klein. Der so genannte Querstromzerspaner lässt nur Trümmer übrig. «Eine schonende Behandlung», widerspricht Rudolf Hafner, «denn wir zerschneiden nicht, sondern zerschlagen. So lassen sich die schadstoffhaltigen Komponenten später besser aussortieren.»

Hafner ist technischer Leiter des grössten Schweizer Elektroschrottverwerters. Die Immark-Drisa in Regensdorf ZH verarbeitet jährlich 17000 Tonnen Altgeräte. Nach diversen mechanischen und manuellen Prozessen verlassen 20 verschiedene Komponenten die Halle. Die wertvollste ist das granulatartige Schwergut. Es enthält Edelmetalle wie Gold, Silber, Palladium und Kupfer, die wieder zurückgewonnen werden.

Statt Gift gibts Edelmetall

Rund 55000 Tonnen Elektronikschrott werden jährlich in der Schweiz gesammelt, pro Kopf 7,6 Kilogramm. «Wir können es uns nicht leisten, dass jedes Jahr einige tausend Tonnen Kupfer verloren gehen», begründet Mathias Tellenbach die Sammelleidenschaft. Er ist im Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) für Industrie- und Gewerbeabfälle zuständig. Hier wurde 1998 die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG) ausgearbeitet. Seither existiert die Rückgabepflicht für Kunden und die Rücknahmepflicht für Händler.

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Notwendig wurde diese Regelung, weil Elektronikschrott sowohl wertvolle Edel- und Buntmetalle wie auch giftige Substanzen enthält. Aus zahlreichen halogenierten organischen Verbindungen in Bauteilen und Platinen können in der Kehrichtverbrennung hochgiftige Dioxine entstehen. Diese müssen mit teuren Einrichtungen herausgefiltert werden.

Das aufwändige Recycling der Elektrogeräte wird nicht nur über den Erlös der Edel- und Buntmetalle finanziert. Seit 1994 existiert für Büro- und Informatikgeräte die so genannte vorgezogene Recycling-Gebühr (VRG). Diese wird beim Neukauf bezahlt, dafür muss der Händler auch uralte Geräte zurücknehmen.

Die VRG richtet sich nach Art und Verkaufspreis des jeweiligen Geräts und reicht von null bis 1500 Franken. Eine Kompaktkamera zum Beispiel wird mit einem Franken VRG belastet, die meisten Computer plus Monitor mit zwölf Franken und ein grosser Fernseher mit 30 Franken. Auch wenn diese Gebühr nicht immer in der Werbung oder im Laden deklariert wird, ist sie im Kaufpreis enthalten. Vorgezogene Recycling- oder Entsorgungsgebühren sind auch bei Batterien, bei Flaschen, Aludosen, Reifen oder bei Autos üblich. Und seit dem Jahreswechsel gilt die kostenlose Rückgabemöglichkeit auch für Haushaltsgeräte wie Handmixer und Kühlschrank. Bei Letzterem entfällt somit das bisherige Vignettensystem.

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«Bei 98 Prozent aller Elektrogeräte ist die kostenlose Rückgabemöglichkeit sichergestellt», sagt Peter Bornand. Er leitet die Umweltkommission des Schweizerischen Wirtschaftsverbands der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico). Zusammen mit der Stiftung Entsorgung Schweiz (Sens) sammelt der Swico in der gesamten Schweiz Elektroabfälle und verwertet sie in entsprechenden Anlagen. Verlangt ein Händler für die genannten Altgeräte Geld vom Kunden, «macht er ein nicht erlaubtes Zusatzgeschäft», sagt Bornand.

Schwierig kann die Entsorgung der restlichen zwei Prozent Elektroschrott werden, denn einige Branchen haben sich noch nicht dem VRG-System angeschlossen. Für die Rückgabe von batteriebetriebenem Kinderspielzeug, Bohrmaschinen, digitalen Fieberthermometern oder elektrischen Rasenmähern zum Beispiel muss weiterhin bezahlt werden.

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Die Migros nimmts

Dies ist eine unnötige Barriere für umweltbewusste Konsumenten. Der Coop-Baumarkt beispielsweise verlangt für einen alten Rasenmäher 30 Franken und für eine Bohrmaschine fünf Franken Entsorgungsgebühren. Nur beim Kauf eines neuen Geräts wird das alte kostenlos angenommen. «Auch Coop muss für die Entsorgung eine Gebühr entrichten», begründet Sprecher Jörg Birnstiel die Massnahme.

Anders verfährt die Migros. «Wie sollen wir dem Kunden erklären, welches Gerät er bringen darf und welches nicht?», fragt Walter Staub von der Infostelle Umwelt der Migros. Ihre Do-it-yourself-Märkte nehmen deshalb alle ausgedienten Elektrogeräte kostenlos entgegen, unabhängig von einem Neukauf.

Doch nicht nur die Händler nehmen alte Geräte zurück; schweizweit existieren rund 300 weitere Annahmestellen bei Gemeinden und Entsorgungsbetrieben. Dennoch ist die Rückgabe von elektrischen Geräten vielerorts noch schwierig. Kein Wunder also, dass jährlich rund 10000 Tonnen Elektronikschrott verbotenerweise im Kehrichtsack landen. Ein Grossteil davon sind Kabel und Steckdosen. Aber auch Radios, Wecker, Akku-Bohrer, Computerteile und Trafos werden laut einer Buwal-Studie gefunden.

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Weitere böse Überraschungen lauern möglicherweise im Gewerbemüll, denn dieser wurde noch gar nicht untersucht. «Dioxinbelastete und schwermetallhaltige Schlacken aus den Kehrichtverbrennungsanlagen können langfristig zum Problem werden», warnt Chemieexperte Matthias Wüthrich von Greenpeace Schweiz. Bei der Neuproduktion müsse auf problematische Stoffe verzichtet werden, fordert er. Ausserdem sollten die Geräte langlebig, wiederverwendbar und einfach zu reparieren sein. Wüthrich: «Das ist ökologisch sinnvoller als aufwändiges Recycling.»

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