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AutoLeasing ist etwas für Reiche

Autoleasing
Mit der Unterschrift auf einem Leasingvertrag gehen Sie eine langjährige und hohe finanzielle Verpflichtung ein. Bild: Thinkstock Kollektion

Jeder zweite Neuwagen auf unseren Strassen ist geleast. Doch wenige Lenker wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Die häufigsten Irrtümer über Leasing auf einen Blick.

von Gabriela Baumgartneraktualisiert am 2015 M11 19

«Wenn ich alle Leasingraten bezahlt habe, gehört der Wagen mir.»

Falsch. Leasen bedeutet mieten. Der Wagen gehört der Leasinggesellschaft und muss am Vertragsende retourniert werden. Wie bei einer Mietwohnung muss der Lenker für Schäden und übermässige Abnützung bezahlen. Ein Vorkaufsrecht besteht nur, wenn dies vertraglich vereinbart wurde.

«Leasing ist flexibel und günstig.»

Im Gegenteil. Mit dem Leasingvertrag gehen Konsumenten eine langjährige Verpflichtung ein. Zudem ist Leasing enorm teuer: Der Kunde zahlt während der ganzen Vertragsdauer einen Schuldzins und ist laut allgemeinen Geschäftsbedingungen verpflichtet, eine Vollkaskoversicherung für die ganze Vertragsdauer abzuschliessen. Bei Junglenkern kann diese Prämie rasch 4000 Franken im Jahr kosten. Service und Reparaturen müssen in Markengaragen ausgeführt werden. Laut Touring-Club (TCS) sind die tatsächlichen Betriebskosten inklusive Abschreiber etwa doppelt so hoch wie die Leasingrate. Ein geleastes Auto kommt 10 bis 15 Prozent teurer als ein gekauftes. Deshalb eignet sich Leasing für Geschäftsleute und gut Verdienende - nicht aber für Leute mit knappem Budget.

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Sie überlegen sich, ein Auto zu leasen oder haben es bereits getan? Guider erläutert seinen Mitgliedern, welche Leasingkosten auf sie zukommen und gibt Tipps für einen kostengünstigen Ausstieg aus dem Leasingvertrag.

«Mit meinem geleasten Wagen kann ich tun und lassen, was ich will.»

Falsch. Viele Anbieter sehen in ihren Geschäftsbedingungen etliche Einschränkungen vor: In der Regel darf der Lenker mit dem Wagen weder ins Ausland fahren noch ihn anderen ausleihen. Wer das Auto verziert oder etwas einbaut, muss dies am Vertragsende auf eigene Kosten rückgängig machen. Und wer einen Wagen zurückbringt, der nach Rauch oder Hund riecht, muss die Wertminderung bezahlen.

«Ich kann jederzeit aus dem Vertrag aussteigen.»

Das ist theoretisch richtig. Faktisch ist eine Vertragsauflösung enorm teuer, weil die Leasinggesellschaft die Raten rückwirkend erhöhen darf. Diese Kosten von ein paar tausend Franken kann man nur vermeiden, wenn man dem Leasinggeber einen Nachfolger präsentiert, der bereit ist, den Vertrag zu denselben Bedingungen zu übernehmen.

«Wenn der Vertrag ausläuft, habe ich das Recht, den Wagen zum Restwert zu kaufen.»

Falsch. Der Restwert ist eine rein kalkulatorische Grösse im Vertrag, die zur Berechnung der Leasingraten benötigt wird. Wer das Leasingauto am Vertragsende kaufen möchte, muss über den Preis verhandeln. Ohne ausdrückliches Vorkaufsrecht im Vertrag hat der Kunde keinen Anspruch auf den Kauf.

«Ich muss die Leasingrate nicht bezahlen, wenn der Wagen wegen Mängeln in der Reparatur ist.»

Falsch. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen ist festgehalten, dass der Kunde die Leasingrate auch dann zahlen muss, wenn er den Wagen nicht benützen kann, weil dieser in Reparatur ist. Allerdings ist fraglich, ob ein Gericht eine solche Klausel schützen würde. Urteile gibt es bis jetzt nicht. Fachleute vertreten jedoch die Meinung, dass der Kunde in solchen Situationen - ähnlich wie beim Mietrecht - eine Reduktion der Leasingrate verlangen kann. Wer ein Montagsauto erwischt hat, sollte jedoch auf keinen Fall auf eigene Faust die Raten kürzen oder nicht bezahlen, sondern sich unbedingt rechtlich beraten lassen.

Unterschrift verpflichtet: Drum prüfe, wer sich bindet

Mit der Unterschrift auf einem Leasingvertrag gehen Sie eine langjährige und hohe finanzielle Verpflichtung ein.

Beachten Sie deshalb folgende Punkte:

  • Prüfen Sie anhand eines realistischen Haushaltsbudgets, ob Sie sich den Wagen wirklich leisten können. Neben der Leasingrate fallen weitere Kosten an für Versicherungen, Parkplatzmiete, Benzin sowie Reparatur- und Servicearbeiten.
     
  • Überlegen Sie sich, ob Sie sich die Raten während der ganzen Vertragsdauer auch noch leisten können, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt, zum Beispiel ein Auslandsaufenthalt, ein Stellenverlust oder Familienzuwachs. Ein frühzeitiger Ausstieg ist dann zwar möglich, aber enorm teuer.
     
  • Wer mit beruflichen oder privaten Veränderungen rechnet, sollte - wenn überhaupt - höchstens einen Leasingvertrag mit sehr kurzen Laufzeiten abschliessen.
     
  • Achten Sie darauf, dass sich auf dem Formular für die Fahrzeugbestellung der Hinweis «Finanzierung durch Leasing» befindet.
     
  • Wenn Sie das Auto am Vertragsende behalten wollen, müssen Sie beim Vertragsschluss auf einem schriftlichen Vorkaufsrecht bestehen.
     
  • Prüfen Sie, ob die Kilometerzahl realistisch ist, die Sie pro Jahr fahren dürfen. Mehrkilometer sind sehr teuer.
     
  • Schliessen Sie eine Rechtsschutzversicherung ab. Achten Sie darauf, dass Streitigkeiten aus Leasingverträgen in den allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht ausgeschlossen sind.
     
  • Vorteilhafter als leasen ist allemal der Barkauf. Wem dazu das nötige Geld fehlt, fährt mit Finanzierung durch ein privates Darlehen oder einen Kredit besser.