Als sie die Zahlen hört, lacht Katja Köllensperger erst einmal ungläubig: «Eine so grosse Differenz ist sehr selten. Wir gehen der Sache nach», verspricht die Sprecherin der Südtiroler Sparkasse. 2011 sollte ihre Bank 52.83 Euro an eine Raiffeisen-Filiale in der Schweiz überweisen. Es handelte sich um die Rückerstattung der Mehrwertsteuer nach einem Kleiderkauf. Auf dem Schweizer Konto landeten aber bloss 28.83 Euro.

Wo sind die 24 Euro Differenz geblieben? Auf mehrmaliges Nachbohren hin kommt aus: 14 Euro landen bei der Süd­tiroler Sparkasse – so hoch sind ihre Spesen. Und 10 Euro gehen an die Deutsche Bank, die als Korrespondenzbank dazwischengeschaltet wurde.

Die 24 Euro Gebühren hätte sich der Kleiderkäufer sparen können. Allerdings hätte er dann den Rechnungsbeleg, den er beim italienischen Zoll abstempeln liess, innert dreier Monate wieder ins Geschäft im Südtirol bringen müssen. 2012 wurde auch der Banktransfer viel günstiger.

Grundsätzlich sind ausländische Shops nicht verpflichtet, Schweizer Kunden die Mehrwertsteuer zu erstatten. Doch der Geschäftssinn gebietet es ihnen: Konsumenten aus der Schweiz geben jährlich bis zu acht Milliarden Franken für Einkäufe jenseits der Grenze aus.

Bis zu einem Drittel wird abgezogen

Weil die Mehrwertsteuer in den Nachbarländern mit rund 20 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Schweiz ist, geht es bei der Rückerstattung um erhebliche Beträge. Diesen Braten haben nicht nur gebührenhungrige Banken gerochen. Ein saftiges Stück davon schneiden sich auch international tätige Firmen ab, wie Global Blue, Tax Free Worldwide oder Premier Tax Free, die für den Kunden die Mehrwertsteuer einfordern. Viele Geschäfte arbeiten mit einem oder mehreren dieser Dienstleister zusammen. Einige wickeln die Rückerstattung ausschliesslich über sie ab. Der Kunde kann dann nicht beim nächsten Auslandseinkauf die Mehrwertsteuer direkt im Geschäft zurückholen.

Anzeige

Einige Geschäfte verlangen für ihren Service eine Verarbeitungspauschale von bis zu fünf Euro. Ein Klacks im Vergleich zu dem, was die Steuer-Dienstleister für sich abzwacken: Wer das Mehrwertsteuerformular an einer ihrer Zahlstellen – an Grenzübergängen, Flughäfen und an über 20 SBB-Bahnhöfen – vorlegt oder den Beleg einschickt, erlebt sein blaues Gebührenwunder. Da schrumpft die Rückerstattung für einen Einkauf in Österreich über einen Betrag von 306.20 Euro von 51.03 auf bescheidene 33.68 Euro. Der Vermittler genehmigt sich also 34 Prozent.

«Unsere Kommissionen hängen vom Einkaufsbetrag ab und sind je nach Land und Mehrwertsteuersatz unterschiedlich», sagt Ronald Christen, Chef von Global Blue Schweiz. Auskunft gebe ihr Gebührenrechner im Internet. Je kleiner der Betrag, je reichlicher langt Global Blue zu – bis 300 Euro macht die Gebühr für Rückerstattungen aus Deutschland, Österreich und Ita­lien knapp ein Drittel aus, für Frankreich 10 Prozent. Wie viel davon die SBB als Partner der Rückerstatter erhalten, ist Geschäftsgeheimnis. Marktführer Global Blue mit Hauptsitz in Nyon VD machte letztes Jahr 424 Millionen Euro Umsatz und erzielte einen Brutto­gewinn von 97 Millionen.

Anzeige

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz, rät Konsumenten, sich schon vor dem Shopping zu informieren: «Am besten kauft man dort ein, wo man die Mehrwertsteuer direkt zurück­erstattet erhält.» Wer nicht in Grenznähe wohne oder regelmässig im Ausland einkaufe, habe aber oft keine andere Wahl als den teuren Mehrwertsteuerservice.

Besonders kundenfreundlich sind jene Geschäfte, die die Mehrwertsteuer schon beim Kauf abziehen und das Mehrwertsteuerformular im frankierten Antwort­kuvert mitgeben. Der Kunde lässt das Formular an der Grenze abstempeln und wirft es dort in den Briefkasten – Gebühren bleiben ihm erspart.