1. Home
  2. Konsum
  3. Elektroauto: E-Auto mieten statt kaufen – lohnt sich das?

ElektroautoE-Auto mieten statt kaufen – lohnt sich das?

Verschiedene Firmen drängen mit Mietangeboten für E-Wagen auf den Markt. Für die Kunden lohnen sie sich nicht immer.

Abo-Modelle bei E-Autos werden in der Schweiz stärker nachgefragt, sagen Anbieter.

Von Veröffentlicht am 09. Juli 2019

Es klingt verführerisch: Online ein Auto aussuchen, Personalien eintippen und ein Abo abschliessen. Sämtliche Versicherungen, Verkehrsabgaben, Reparaturen, Montage von Winter- und Sommerreifen sind im monatlichen Fixpreis drin (siehe Übersicht unten «E-Auto im Abo mieten: Ein Vergleich»). Wenn man das Auto nicht mehr braucht oder lieber ein neueres will, kündigt man den Vertrag per Ende Monat und lässt das Fahrzeug abholen. Schwupps: alles geregelt.

Ganz einfach, dachte sich Jeremie Maret, 36, aus Zürich. Sein Occasions Occasionsauto Erste Wahl aus zweiter Hand -Audi passte nicht mehr zu seinem ­neuen Leben. «Ich habe jetzt einen einjährigen Sohn», erklärt er. Doch auch ökologische Aspekte trieben ihn um. Er verglich verschiedene Elektroautos und stiess dabei auf Abonnements. «Ich hasse Autos eigentlich, aber sie sind wahnsinnig praktisch. Nur noch das Minimum damit zu tun zu haben, finde ich daher super.» Seit vier Monaten fährt er einen elektrischen BMW i3 zur Miete. «Wir schauen mal, wie das so klappt. Wenn es uns nicht passt, geben wir ihn eben wieder zurück.»

Nach der Film-, Musik- und Software­industrie hat das Prinzip «Miete statt Kauf» die Autobranche erfasst. Audi, BMW, Cadillac, Mercedes, Porsche, ­Volvo – alle testen zumindest Abo-­Modelle: Doch nicht die Autoriesen ­dominieren das neue Geschäftsfeld in der Schweiz. Es sind Juicar vom Stromkonzern Alpiq, Upto vom Versicherer Axa und das Start-up Carvolution. Auch die SBB machen mit: Sie kombinieren mit «SBB Green Class» E-Auto-Miete und Generalabonnement. Mit «Care by Volvo» will demnächst auch ein Autohersteller ein Abo-Modell in der Schweiz lancieren.

Abo-Modelle für E-Autos wirken erst mal günstig

733 Franken pro Monat zahlt man in der Schweiz im Schnitt fürs Auto, für E-Autos sogar 928 Franken – gemäss Car Cost Index der Leasingfirma Leaseplan. Im Vergleich wirken E-Autos im Abo günstig bis erschwinglich. Sie starten bei 299 Franken pro Monat ohne Kilome­terguthaben und 749 Franken mit 1750 Kilometern (siehe Übersicht unten «E-Auto im Abo mieten: Ein Vergleich»).

Die Angebote unterscheiden sich auch bei der Mindestlaufzeit des Mietvertrags. Bei Juicar ist es gerade mal ein Monat, bei Upto dagegen ein halbes Jahr. Zudem sind bei Carvolution und Upto grundsätzlich alle Zusatzfahrer mit einem gültigen Führerschein ver­sichert, Juicar beschränkt das auf ­gemeldete und an derselben Adresse wohnende Familienmitglieder.

Die Abo-Variante kann interessant sein für Leute, die immer das neuste Modell fahren und sich nicht zu lange an ein Auto binden möchten, meint ­Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen. «Je länger dasselbe Auto genutzt wird, umso eher lohnt sich aber der klassische Kauf.» Schon wer einen Wagen rund fünf Jahre nutzen wolle, müsse prüfen, ob sich ein Abo tatsächlich rechnet. «Und wer jährlich 50'000 Kilometer fährt, ist mit einem eigenen Auto oft auch besser aufgehoben.»

Beim TCS sieht man das «Rundum-sorglos-Paket» als bequemes Komfortangebot, das auch seinen Preis ­haben darf. «Ob sich das aber die ­gros­sen Massen leisten wollen, scheint fraglich.» Profitieren könne wohl vor allem, wer nur für eine begrenzte Zeit ein Fahrzeug braucht oder Erfahrungen mit der Elektromobilität sammeln will.

Boost für E-Autos?

«Eine Abo-­Lö­sung ist weniger verbindlich und könnte tatsächlich die Etablierung der Elektromobilität fördern», glaubt der Automobilwirtschafter Dudenhöffer. ­E-Autos seien heute nicht so stark verbreitet, so gebe es bei der Technik oder beim Preis für Gebrauchtwagen noch ein grösseres Risiko. «Auto-Abos nehmen einem dieses Risiko ab. Das könnte der Verbreitung von E-Autos dienen.»

Zahlen sprechen für diese Vermutung. «Wir bemerken einen Anstieg bei der Nachfrage nach Abos für E-Autos», heisst es bei Carvolution. Auch bei Upto sind die Elektroautos beliebt. «Sie machen heute schon rund 40 Prozent unserer Flotte aus.»

Experten sind sich allerdings uneins, wie ökologisch nachhaltig das Abo-Modell ist. «Neuere Fahrzeuge sind zwar in der Regel Treibstoff-effizienter. Andererseits führt der frühere Wechsel dazu, dass Fahrzeuge früher in die Schrottpresse gehen», sagt Branchenkenner Dudenhöffer.

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) hat eine klare Meinung zu Abos, bei denen Kilo­meter pauschal inbegriffen sind: «Sie animieren dazu, die bereits gekauften Kilometer auch tat­sächlich zu fahren – ob nötig oder nicht. Das ist aus Sicht des Umweltschutzes nicht zu begrüssen.» Bei Juicar wird sogar belohnt, wer mehr fährt: Pro 100 verfahrene Kilometer gibts 20 Franken zurück – jeden Monat.

SBB mit Kombi-Abo für Schiene und Strasse

Mit dem Abo-Modell «SBB Green Class» setzen die SBB auf die Langzeitmiete von Elektroautos. Sie haben vier Modelle im Angebot. Die Miete ist mit einem General­abonnement kombiniert. Das günstigste Angebot kostet aktuell 1270 Franken pro Monat für einen BMW i3 mit einem GA zweiter Klasse, Vertragsdauer ein Jahr. Inbe­griffen sind unter anderem 15'000 Kilometer jährlich, 150 Tage freies Parkieren an ­Bahnhöfen und ein Car- und Bikesharing-Abo.

E-Auto im Abo mieten: Ein Vergleich

Halten Sie Ihr Smartphone horizontal für eine optimale Ansicht auf einem mobilen Gerät.

  Carvolution Juicar Upto
Autotyp Renault Zoe BMW i3 BMW i3
Preis pro Monat 749 Franken 299 bis 559 Franken; reduziert sich um 20 Franken pro 100 gefahrene Kilometer («Cashback») 799 oder 999 Franken
Inbegriffene Kilometer pro Monat 1750 Keine. Kosten: 65, 51 oder 42 Rappen pro Kilometer 1700 oder 3000 Kilometer
Preis für zusätzliche Kilometer 20 Rappen 20 Rappen
Inbegriffene Versicherungen - Vollkasko
- Haftpflicht
- Vollkasko
- Haftpflicht
- Vollkasko
- Haftpflicht
- Unfall
- Insassen
- Verkehrsrechtsschutz
- europaweite Assistance
Zusatzfahrer Alle Personen, die über einen in der Schweiz gültigen Führerschein verfügen, dürfen mit dem Auto fahren. Alle Familienangehörigen, die einen in der Schweiz gültigen Führerschein haben, im gleichen Haushalt wohnen und an der gleichen Adresse gemeldet sind, können angemeldet werden. Alle Personen, die über einen in der Schweiz gültigen Führerschein verfügen und über 21 sind, dürfen das Auto fahren.
Selbstbehalt im Schadensfall 1000 Franken bei Selbstverschulden, sonst 0 1000 Franken 1000 Franken bei einer Kollision, sonst 0
Initialgebühr 390 Franken 299 Franken keine
Mindestvertragslauf-
zeit
3 Monate 1 Monat 6 Monate
Kündigungsfrist monatlich monatlich nach 6 Monaten monatlich
Auslieferungskosten Bei Mindestmietdauer von 6 Monaten oder Abholung in Bannwil BE: gratis keine Bei Abholung in Volketswil ZH gratis, Lieferservice 250 Franken
Rückgabe- oder Wechselkosten Fahrzeugwechsel alle 6 Monate gratis; davor 200 Franken bei Abholung in Bannwil BE Bei Rückgabe keine, bei Wechsel 299 Franken Keine. Ausnahme: Bei Verstoss gegen Vertragsbestimmungen können Gebühren anfallen.

Jetzt Beobachter-Mitglied werden!

Ratgeber und Orientierungshilfen, auf die Sie sich verlassen können.

Werden Sie jetzt Beobachter-Mitglied und profitieren Sie bereits ab 79 Franken von Vorteilen wie zum Beispiel unserer kostenlosen Rechtsberatung oder vergünstigten Ratgeberbüchern.

Abos ansehen

«Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox»

Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox

Der Beobachter Newsletter

Veröffentlicht am 04. Juli 2019