1666 – Sir Isaac Newton: Gravitationsgesetze

Ob der Apfel Isaac Newton wirklich auf den Kopf gefallen ist, weiss niemand.

Gesichert ist aber, dass er auf dem ländlichen Familiensitz Woolsthorpe Manor Äpfel beobachtete, die von den Bäumen im Garten fielen und Überlegungen zur Schwerkraft anstellte.

Musse dazu hatte er, weil die Universität Cambridge geschlossen war – die Pest suchte in diesen Jahren England heim. Ohne intellektuellen Austausch auf dem Landsitz festsitzend, sann er den fallenden Äpfeln nach.

Zum Glück.

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1839 – Charles Goodyear: Galvanisierung

Wie verschiedene andere Wissenschaftler versuchte Charles Goodyear vergeblich, Gummi widerstandfähiger und temperaturbeständiger zu machen.

Eines Tages liess er unbeabsichtigterweise ein Schwefel-Gummi-Gemisch auf einem heissen Ofen stehen.

Statt zu schmelzen, härtete die Masse aus und verwandelte sich in ein langlebiges, zähes Produkt, das trotzdem über alle Eigenschaften von Gummi verfügt. 

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1867 – Alfred Nobel: Dynamit

Alfred Nobel hatte ein Verfahren entwickelt, mit dem er grosse Mengen Nitroglyzerin produzieren konnte. Der flüssige Sprengstoff war aber sehr gefährlich, weil er leicht hochging. Flaschen voller dem hochexplosiven Nitroglyzerin transportierte man deshalb eingebettet in Kisten mit Sägemehl.

Einzelne Behälter leckten und so fand Nobel heraus, dass von Sägemehl aufgesogenes Nitroglyzerin weniger explosiv ist, aber mit Zündkaspeln trotzdem zur Explosion gebracht werden kann.

Auf der Suche nach dem perfekten Trägermaterial stiessen seine Leute schliesslich auf Kieselguhr – ein Sedimentgestein, das direkt neben Nobels Fabrik in Krümmel (D) vorkam und sich sehr gut eignete. Vermengt mit Nitroglyzerin bildet Kieselgur einen dicken Kitt, der sicher zu handhaben ist – Dynamit.

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1879 – Louis Pasteur: Impfung

Louis Pasteur hatte erkannt, dass Mikroorganismen Krankheiten verursachten.

Um Gegenmittel zu finden, injizierte er Hühner mit Bakterien, die Geflügelcholera erregen. Mal für Mal starben sämtliche Hühner. Pasteur unterbrach die Versuche und nahm ein paar Wochen Ferien.

Beim ersten Test nach seiner Rückkehr überlebten plötzlich alle Versuchstiere. Die Bakterienprobe war über die Sommerferien liegen geblieben und die Erreger durch die Hitze offensichtlich geschädigt worden.

Als Pasteur den Hühnern frische Bakterien spritzte, wurden prompt alle krank und einige starben auch bald – aber all jene Tiere, denen zuvor die verdorbenen Erreger verabreicht worden waren, erholten sich wieder.

Die Injektion der geschwächten Krankheitserreger hatte sie offensichtlich geschützt: Pasteur hatte das Prinzip des Impfens entdeckt.

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1938 – Roy Plunkett: Teflon

Als Kühlungsmittel für Kühlschränke stellte der junge Chemiker Roy Plunkett flaschenweise Fluorkohlenwasserstoff her.

Über Nacht kühlte er einige Gasflaschen, indem er sie auf Trockeneis lagerte. Am nächsten Tag enthielten die Flaschen kein Gas mehr, dafür weisse, extrem seifige Flocken. Das Gas hatte spontan zu Polytetrafluorethylen (PTFE) polymerisiert.

Plunkett untersuchte die Substanz genauer und fand einzigartige Eigenschaften: So konnten ihr Hitze und auch die meisten Chemikalien nichts anhaben. Plunketts Arbeitgeber gab der Substanz später den Namen Teflon.

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1945 – Percy Spencer: Mikrowelle

Der amerikanische Ingenieur Percy Spencer arbeitete an der Verbesserung von Radargeräten.

Als er in seinem Labor vor einem Gerät stand, das Mikrowellen generierte, fühlte er, dass der Schokostengel in seiner Brusttasche zu schmelzen begann.

Darauf experimentierte er mit anderen Lebensmitteln, die er den Mikrowellen aussetzte; prophetischerweise auch mit einem Maiskorn – es poppte. Und der Mikrowellenofen war geboren.

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1958 – Wilson Greatbatch: Herzschrittmacher

Elektroingenieur Wilson Greatbatch arbeitete an einem Gerät zur Messung von Herzfrequenzen.

Weil er in einen elektronischen Schaltkreis einen falschen Widerstand einbaute – 100fach stärker als beabsichtigt –, lieferte dieser eine Art elektrischen Puls.

Einige Jahre zuvor hatte Greatbatch mit Chirurgen über das Problem des Herzstillstands nach Operationen gesprochen. Dem Ingenieur war darum sofort klar, dass er einen elektrischen Taktgeber vor sich hatte, der ein Herz am Schlagen halten konnte.

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1968 – Spencer Silver, Art Fry: Post-it

Auf der Suche nach einem Superklebstoff entwickelte der Chemiker Spencer Silver 1968 einen Leim, der sich auch von Papier rückstandlos wieder entfernen liess – er nannte seine Entdeckung «Lösung ohne Problem».

Jahre später fand Silvers Kollege Art Fry eine Einsatzmöglichkeit: Er strich den Leim auf Lesezeichen, damit ihm diese im Kirchenchor nicht mehr aus den Liederbüchern fielen.

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1983 – J. Robin Warren: Heliobacter Pylori

Der australische Arzt und Wissenschaftler J. Robin Warren liess eine Bakterienprobe über die Ostertage liegen, weshalb diese zu fünf statt nur zu zwei Tagen Wachstumszeit kam.

Erst dadurch wurden in der Probe die ziemlich langsam wachsenden Heliobacter Pylori sichtbar. Diese Bakterien spielen eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Magen- und Darmgeschwüren.

Für seine Entdeckungen erhielt Warren zusammen mit seinem Forscherkollegen Barry Marshall 2005 den Nobelpreis für Medizin.

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1996 – Viagra

Der Arzneistoff Sildenafil erwies sich in Tests als Mittel gegen hohen Blutdruck als Flop.

Da mehrere Männer von unerwarteten Erektionen berichteten, ging die Pharmafirma Pfizer der Sache nach.

1998 kam Viagra als Potenzpille auf den Markt.

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Wo der Zufall sonst noch seine Finger im Spiel hatte..

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