Der Traum vom eigenen Haus endet für die Familie Anderau aus Amriswil TG mit einer lapidaren Mitteilung des Betreibungsamts. Ihr Haus wird versteigert, Anderaus bleiben mit 100'000 Franken Schulden zurück. Wut und Verzweiflung machen sich breit. «Ich weiss nicht, was ich am Tag der Versteigerung tun werde. Ich kann für nichts garantieren», sagt Andreas Anderau.

Dabei suchten sie bloss eine neue Wohnung. Das Inserat der Trend Haus 2000 AG aber machte sie neugierig: Angepriesen wurden schlüsselfertige Einfamilienhäuser in Fertigelementbauweise. Nach mehreren Treffen mit dem Geschäftsführer der Trend Haus 2000 AG, Siegfried Hellbrück, unterschrieb das Paar einen Werkvertrag mit der Firma.

Die Bauzeit geriet zu einem Albtraum. Die Arbeiten gingen schleppend voran, teilweise blieb die Baustelle wochenlang verwaist. Reibereien mit Geschäftsführer Hellbrück waren an der Tagesordnung. Als dieser verkündete, das Haus sei fertig, verweigerten die Anderaus den Einzug. «Das Haus war noch die reinste Baustelle und wies zahlreiche Baumängel auf», sagt Andreas Anderau. «Der qualitative Standard des Hauses zum Zeitpunkt, als ich die Anderaus zum Einzug aufforderte, war sehr gut», sagt dagegen Hellbrück. Der unabhängige Experte Kurt Breitenmoser vom Bautreuhandbüro BBB Architektur AG in Appenzell urteilt allerdings: «Das Haus der Familie Anderau ist bautechnisch gesehen schlichtweg eine Katastrophe.»

Die Konflikte mit Hellbrück zogen sich in die Länge; die Anderaus mussten gleichzeitig Miete und Hypozins zahlen. Die Belastung war hoch. Zu hoch. Zahlungsrückstände trübten die Beziehung zur Bank, es kam zum Eklat: Die Bank verlangte die Zwangsverwertung des Hauses.

Was Anderaus bei Baubeginn nicht wussten: Siegfried Hellbrück hatte sowohl in Deutschland als auch in Österreich bereits die Gerichte beschäftigt. So war Hellbrück Alleingesellschafter und Geschäftsführer der VIP-Hausbau- und Vertriebs GmbH mit Sitz in Höchst (A), die in Vorarlberg mehrere Wohneigentumsanlagen und Einfamilienhäuser errichtet hat. Im Dezember 1998 eröffnete das Landesgericht Feldkirch den Konkurs über die VIP-Hausbau, im September 1999 auch über das Vermögen von Hellbrück selber. Im Konkursverfahren meldeten rund 40 Gläubiger Forderungen in der Höhe von über fünf Millionen Euro an. Der Masseverwalter, der Bregenzer Rechtsanwalt Michael Barnay, anerkannte einen Betrag von über 4,5 Millionen Euro – Schulden, die Hellbrück nie beglichen hat. Gläubiger sind vor allem Banken, Handwerker, das Finanzamt, Lieferanten und Sozialversicherungen.

Etliche Geprellte und Geschädigte
Im Zusammenhang mit diesem Konkurs verurteilte das Oberlandesgericht Innsbruck Hellbrück wegen betrügerischer Krida, also der Verheimlichung von Vermögenswerten im Verlauf eines Konkursverfahrens. Vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs wurde er nach einjähriger Untersuchungshaft freigesprochen. «Ich habe keine Schulden. Gegen die Banken, die für meinen Konkurs verantwortlich sind, laufen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe», sagt Hellbrück.

Hellbrück hinterlässt Geprellte und Geschädigte. Etwa Gerhard Leitenmaier, Geschäftsführer einer Baumaschinenfirma aus dem deutschen Ziemetshausen. Er habe Hellbrück Baugeräte im Wert von rund 80000 Euro geliefert. Die Raten seien zunehmend verspätet gekommen und hätten schliesslich ganz aufgehört. «Durch ungeeignetes Personal der Trend Haus 2000 AG entstanden Schäden an den Maschinen. Hellbrück behauptete dann, wir hätten ihm schadhafte Maschinen geliefert. Die Sache ging vor Gericht, wir schlossen im Sinn einer Schadensbegrenzung einen Vergleich über 40000 Euro ab», so Leitenmaier. Hellbrück entgegnet: «Leitenmaier macht wissentlich falsche Angaben. Gemäss dem Vergleichsurteil musste er zuerst den Kran auf seine Kosten reparieren. Erst nach abgeschlossener Reparatur war ich zur Zahlung verpflichtet.» Laut der mit der Reparatur beauftragten Firma wies der Kran aber tatsächlich auch Beschädigungen auf, die durch unsachgemässe Bedienung entstanden sein müssen.

Bevorzugt operierte – und operiert – Hellbrück mit mehreren Firmen parallel. Der Fensterbauer Adolf Rank aus Wittislingen (D) lieferte vor vier Jahren Fenster im Wert von rund 5100 Euro an eine Firma namens Asshaus-H. Schatke OHG. Seither versucht Rank, zu seinem Geld zu kommen. Ohne Erfolg. «Mir ist nicht bekannt, ob Rank Fenster an die Asshaus geliefert hat. Ich war weder Geschäftsführer noch Gesellschafter dieser Firma», so Hellbrück.

Recht hat er – als Gesellschafterin fungierte gemeinsam mit Horst Schatke Hellbrücks Frau Verena. Weitere Indizien für die enge Verbindung: Schatkes Adresse war zeitweise identisch mit Hellbrücks Wohnadresse an der Luxburgstrasse in Egnach TG. Und die Unterschrift auf einem Brief der Asshaus an Fensterbauer Rank zeigt verblüffende Ähnlichkeit mit jener Hellbrücks. «Siegfried Hellbrück war bei der Asshaus als Prokurist tätig und verantwortlich für Materialbestellungen und den Zahlungsverkehr», sagt Schatke. Gegen die Asshaus, Horst Schatke und Verena Hellbrück hat Fensterbauer Rank ein rechtsgültiges Urteil des Bezirksgerichts Bregenz in der Hand. Es nützt ihm nichts, da es in der Schweiz wegen fehlender Rechtshilfe nicht vollstreckbar ist.

Erfahrung mit Hellbrücks Zahlungsmoral haben auch Schweizer Handwerker. So etwa die Röthlin Fensterbau AG in Egnach. Trotz wiederholten telefonischen Mahnungen habe die Trend Haus 2000 AG, so Geschäftsführer Niklaus Röthlin, die Zahlungen für gelieferte Fenster eingestellt. «Hellbrück führte dafür immer wieder neue Gründe an. Erst war er gerade an einer Umfinanzierung, dann fehlte nur noch die Unterschrift eines Bankangestellten, dann war eben dieser Bankangestellte in den Ferien, schliesslich waren es seine Kunden, die nicht bezahlten», sagt Röthlin. Er fragte bei diesen Kunden nach. Die zeigten ihm die Zahlungsbelege: Sie hatten die Rechnungen für die Fenster längst beglichen.

Auch die Egnacher Heizungs- und Sanitärfirma Ackermann AG wurde mit ihrer Geschäftsbeziehung zur Trend Haus 2000 AG nicht glücklich. «Die ersten Abschlagszahlungen wurden einigermassen korrekt, wenn auch mit Verspätung ausgeführt. Dann aber versiegten die Zahlungen und blieben schliesslich ganz aus», sagt Geschäftsführer Walter Ackermann. Wieder begründete Hellbrück den Verzug mit fehlenden Zahlungen seiner Kunden. Ackermann forschte nach: Die Kunden der Trend Haus hatten längst bezahlt.

Den Spiess einfach umgedreht
Im Büro der Trend Haus stellte Ackermann Hellbrück zur Rede. Da nahm der Fall eine überraschende Wendung. «Er sagte, er müsse die Trend Haus 2000 AG stilllegen, weil ihn Kunden und Handwerker mit Aussagen geschäftlich geschädigt hätten», so Ackermann. Er und Röthlin reichten beim Bezirksamt Arbon Strafanzeige ein wegen Verdachts auf Betrug, Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung.

Hellbrück bestätigt die offenen Rechnungen der beiden Firmen. «Ackermann hat mangelhafte Arbeit geliefert und nie eine anständige Abschlussrechnung geliefert.» Dieser entgegnet: «Alle Bauherren haben schriftlich bestätigt, dass die Arbeiten fachgemäss ausgeführt und ordnungsgemäss abgerechnet wurden.» Zur Firma Röthlin meint Hellbrück: «Mit dieser Firma befinde ich mich in einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Sie hetzt unsere Kunden gegen uns auf. Ich fordere Schadenersatz wegen der erlittenen Geschäftsschädigung. Ich kann umfassenden Schriftverkehr vorweisen.» Tatsächlich pflegt die Trend Haus mit ihren Geschäftskunden umfangreichen Briefverkehr: Die Ordner der meisten Kunden sind gefüllt mit juristischer Korrespondenz.

Etwa die Ordner der Familie Yamak in Frauenfeld TG. Auch dort verliefen laut Metin Yamak die Bauarbeiten schleppend: «Hellbrück hatte uns gesagt, wir sollen unsere Wohnung kündigen. Zum vereinbarten Termin war das Haus aber noch gar nicht fertig.» Die Verzögerungen machten die Yamaks misstrauisch. Sie begannen Erkundigungen über die Trend Haus einzuholen. Hellbrück reagierte prompt. Er kündigte den Bauvertrag, weil «die notwendige Vertrauensbasis zur Erfüllung unseres Werkvertrags durch Ihre Handlungen und Verleumdungen in den letzten Tagen und Wochen entzogen wurde».

Dass es schwierig ist, Hellbrücks Vorstellungen einer Vertrauensbasis gerecht zu werden, zeigt der Umstand, dass er mit einer Ausnahme alle sieben Bauverträge der Trend Haus mit derselben Begründung gekündigt hat. Auch jenen der Familie Meier (Name geändert). Die Meiers haben der Trend Haus 2000 AG schon mehr als 35'0000 Franken überwiesen – ihr Haus steht noch im Rohbau. Um Antworten ist Hellbrück nicht verlegen: Familie Meier habe «zusammen mit dem Grundstück einen realen Gegenwert für den Betrag bekommen». Im Fall Yamak sagt er: «Ich habe Familie Yamak nie einen Bezugstermin in Aussicht gestellt.» Und zu den gekündigten Verträgen meint er: «Familie Yamak hat sich mit den anderen Bauherren zusammengeschlossen, um mich und die Trend Haus 2000 AG zu schädigen.»

Inzwischen hat Hellbrück die Trend Haus 2000 AG «ruhend gestellt», wie er sich ausdrückt. Er ist aus der Gesellschaft ausgeschieden, nachdem er ihren Sitz von Egnach nach Hergiswil NW verlegt hat. Praktisch dabei: In Egnach war der Betreibungsauszug der Firma zwei Seiten lang. «Die Betreibungen sind durch Kundenausstände zustande gekommen. Sie sind mit Ausnahme von zwei Rechtsfällen bezahlt», so Hellbrück. In Hergiswil ist der Auszug durch den Sitzwechsel nun blank.

Die Trend Haus 2000 AG ist eine Art Nomadin unter den Firmen. Seit dem 1. Januar 2000 hat sie viermal den Sitz gewechselt – und zweimal die Revisionsstelle. «Auch nach mehrmaligen schriftlichen Anmahnungen haben wir die zur Revision nötigen Unterlagen nie erhalten», sagt der Vertreter jener Revisionsstelle, die vor wenigen Monaten ihr Mandat gekündigt hat.

Trotz «ruhend gestellter» Trend Haus 2000 AG ist Hellbrück nicht ohne Beschäftigung. Er hat sich mit dem Thurgauer Architekten Thomas Hinrichs einen Geschäftspartner geholt und werkelt mit einer neuen Firma munter weiter im Baugeschäft. Die neue Firma heisst Trend Haus nach Mass T. Hinrichs + S. Hellbrück. «Mit der Trend Haus 2000 AG habe ich keine Verbindung», betont Thomas Hinrichs.

Die Firmengründung scheint bei Hellbrück wunderbarerweise auch die vorgängig doch arg ramponierte Vertrauensbasis zu den Bauherren der Trend Haus 2000 AG wiederhergestellt zu haben. Mehreren von ihnen hat er angeboten, ihre Häuser zu Ende zu bauen – mit der neuen Firma.

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