Marcel Messerli, Chef der Firma Bestlife 3000 GmbH, projiziert in einem Hotel in Dietikon ZH eine Hellraumgrafik mit dem Titel «Karriereplan» auf die Leinwand. Darauf wimmelt es von komplizierten Begriffen. Rund um Bern sei Bestlife 3000 mit mehreren hundert Vertriebspartnern bereits etabliert. «Jetzt wollen wir in der Region Aargau/Zürich den Durchbruch schaffen», referiert der in edles Tuch gekleidete Geschäftsführer. Das sei auch für die Anwesenden interessant, verspricht Marcel Messerli, denn «wer will, kann bei uns Geld verdienen». Fünf Personen hören ihm mit Interesse zu, alles Männer unter 40 Jahren.

Die Produkte, die sie unter die Leute bringen sollen, spielen an dieser Veranstaltung nur eine Nebenrolle; es handelt sich um allerlei Cremen, Pillen und Getränke, die Colostrum enthalten. So wird die Vormilch genannt, die Kühe unmittelbar nach dem Kalben produzieren und die wegen ihres Nährstoffgehalts als besonders gut fürs menschliche Immunsystem gilt.

Der Glaube ans Produkt

Das mag sogar stimmen, bloss sind die Colostrum-Produkte - anders als es Messerli suggeriert - in der Schweiz längst nicht nur über Bestlife 3000 zu kaufen, sondern auch in Drogerien und übers Internet. Und dies zum Teil deutlich billiger: Die 1,25-Deziliter-Flasche Colostrum flüssig kostet bei Bestlife 3000 56 Franken, übers Internet ist sie schon ab 34 Franken zu haben. Seine Produkte seien qualitativ besser, sagt Messerli dazu.

Den Wiederverkäufern, die er an den Präsentationsabenden anwirbt, reibt er das nicht unter die Nase - vielmehr will er ihnen weismachen, hier erwarte sie das grosse Geschäft. Die einzige Voraussetzung sei der Glaube ans Produkt. Und dann gelte es, möglichst fleissig Mund-zu-Mund-Propaganda zu betreiben sowie Freunde und Bekannte anzuwerben. Als Nebenverdienst, «praktisch ohne Aufwand», so Messerli, komme man so «locker auf 400 bis 500 Franken im Monat». Und wer sich richtig Mühe gibt, knackt auch die 10'000-Franken-Marke.

Auf diesem schneeballähnlichen Prinzip basieren Hunderte andere Vertriebssysteme. Für die Vertreter zerschlägt sich die Hoffnung auf das grosse Geld schnell, denn die Zahl der Verkäufer übersteigt rasch die der potentiellen Kunden. Ausserdem bleiben die meisten auf einer der untersten Stufen der Organisationspyramide stecken. Und die in Aussicht gestellten Belohnungen wie Gratisferien oder Luxusautos entpuppen sich als leere Versprechungen. Er habe selber schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Messerli, dennoch glaube er daran, dass dieses Geschäftsmodell für viele Menschen eine Chance sei, ihren Lebensstandard zu verbessern. Wie viele von ihm Angeheuerte mit Bestlife 3000 tatsächlich 500 Franken im Monat verdienen, will der Chef dem Beobachter aber nicht sagen.

Teurer Einstieg in den Vertrieb

An der Präsentation muss Messerli keine Kritik gewärtigen: Die Interessenten stellen nicht eine Frage. Auch dann nicht, als sie nach anderthalb Stunden Referat endlich erfahren, was es kostet, bei Bestlife 3000 einzusteigen: 1914 Franken, ein Set mit den verschiedenen Produkten und ein paar Visitenkärtli inklusive. Wer das Ganze nur als Nebenverdienst betreiben will, kommt vielleicht auch mit der Sparvariante (für knapp unter 1000 Franken) über die Runden.

Haben deshalb nur gerade fünf Männer den Weg zu seiner Veranstaltung gefunden? Jedenfalls setzt Messerli an diesem Abend wenig Druck auf, um die Interessenten zum Kauf des Starterkits zu bewegen; er hat nicht einmal Bestellformulare dabei. «Aber Sie müssen sowieso nur eine Entscheidung treffen», sagt er den Interessierten: «ja oder ja.»

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