BonitätsauskunftWarum bin ich nicht kreditwürdig?

«Ihre Zahlung wurde verweigert!» Firmen dürfen bis zu einem gewissen Grad Daten über unsere Zahlungsfähigkeit sammeln. Bild: Getty Images

Spezielle Firmen speichern Millionen von Daten zur Kreditwürdigkeit von Privaten und Unternehmen. Und geben sie weiter. Dürfen sie das?

von Doris Huberaktualisiert am 2017 M06 22

Sie haben online ein Handy bestellt – und erhalten Bescheid, dass Sie es nur gegen Vorauskasse bekommen. Wegen schlechter Zahlungserfahrungen. Offenbar hat sich der Verkäufer bei einer Auskunftei nach Ihrer Bonität erkundigt. Darf er das? Fragen und Antworten.

Was ist eine Wirtschaftsauskunftei?

Eine Wirtschafts- oder Kreditauskunftei sammelt und bearbeitet Daten zum Zahlungsverhalten von Firmen und Privatpersonen. Sie verkauft diese Bonitätsdaten an interessierte Stellen. In der Schweiz gibt es vier Auskunfteien: Bisnode, Creditreform, CRIF und Intrum Justitia.

Steckbrief: Schweizer Auskunfteien

Wer kauft diese Daten?

Finanzinstitute, Telekomfirmen und Versandhäuser, die wissen wollen, wie zahlungsfähig ein Kunde ist. Auch Privatpersonen können diese Infos kaufen, wenn sie die Bonität eines möglichen Vertragspartners überprüfen wollen. Zum Beispiel die Zahlungsfähigkeit eines neuen Arbeitgebers vor einem Stellenwechsel, eines Generalunternehmers beim Hausbau oder einer Person, der sie ein Darlehen gewähren wollen.

Sind diese Datensammlungen legal?

Ja, das Datenschutzgesetz erlaubt Datensammlungen, die es ermöglichen, die Kreditwürdigkeit einer Person zu prüfen. Eine Einwilligung der betroffenen Person ist nicht erforderlich. Die Auskunftei muss aber die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes einhalten. So müssen die Daten rechtmässig erhoben, die Bearbeitung muss verhältnismässig und zweckgebunden sein. Zudem muss die Auskunftei dafür sorgen, dass die Daten sicher verwahrt und korrekt sind. Im Übrigen darf die Auskunftei die Daten nur dann weitergeben, wenn der Empfänger ein überwiegendes Interesse nachweisen kann (etwa mit einer Bestellung oder einem Kreditantrag). Und schliesslich muss die Auskunftei ihre Datensammlung beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) anmelden.

Ist diese Anmeldung zugleich ein Qualitätssiegel?

Nein. Der EDÖB kontrolliert die Datensammlung nicht. Aber wer die Anmeldepflicht missachtet, macht sich strafbar. Die gemeldeten Datensammlungen sind öffentlich unter www.datareg.admin.ch verzeichnet.

Welche Daten darf die Auskunftei sammeln?

Die Auskunftei darf alle Daten sammeln, die nötig sind, um die Bonitätsauskunft zu geben. Zum Beispiel: Vorname, Name, Geburtsdatum, Adresse, Inkassoverfahren, Betreibungen, Konkurse, Verlustscheine.

Welche Daten darf sie nicht sammeln?

Alles, was nichts mit der Zahlungsfähigkeit zu tun hat. Darunter fallen Bewegungsdaten (Handy, GPS), der Heimatort sowie Infos über die Gesundheit oder die Religionszugehörigkeit. Ausserdem darf die Auskunftei keine Informationen über andere Personen wie zum Beispiel Ehegatten, Kinder, Eltern oder WG-Mitbewohner aufführen.

Woher beziehen die Auskunfteien die Daten?

Aus öffentlich zugänglichen Quellen, beispielsweise aus Amtsblättern, aus dem «Schweizerischen Handelsamtsblatt», dem Handelsregister, dem Telefonbuch, aus Umzugsmeldungen der Post, Geschäftsberichten. Ausserdem erhalten die Auskunfteien von ihren Mitgliedern respektive von den ihnen angeschlossenen Firmen Informationen über Zahlungserfahrungen, die diese mit ihren Kunden machen. Oder sie haben eigene Zahlungserfahrungen wie Intrum Justitia.

Wie kann ich herausfinden, welche Daten über mich gespeichert sind?

Leider gibt es dafür keine zentrale Stelle. Es bleibt nur, die Auskunfteien sowie die IKO und die ZEK einzeln anzuschreiben (siehe «Auch IKO und ZEK sammeln Daten»). Jeder hat das Recht, jederzeit Auskunft zu erhalten. Dazu reicht es, wenn man der Auskunftei ein schriftliches Auskunftsgesuch mit einer Ausweiskopie schickt (siehe Musterbrief unten «So stellen Sie ein Auskunftsgesuch zu Ihrer Bonität»). Die Antwort muss innert 30 Tagen schriftlich erfolgen.

Musterbrief Auskunftsgesuch Bonität

Auch IKO und ZEK sammeln Daten

Neben den vier Schweizer Wirtschaftsauskunfteien sammeln noch zwei weitere Stellen Bonitätsdaten. Sie sind jedoch keine Wirtschaftsauskunfteien.

  • Die IKO (Informationsstelle für Konsumkredit) ist ein Bundesorgan, das im Konsumkreditgesetz vorgeschrieben ist. Sie speichert Daten von Personen, die einen Kredit aufgenommen oder einen Leasingvertrag abgeschlossen haben. Kreditgeber müssen ihr Personen melden, die mit Teilzahlungen oder Leasingraten erheblich in Rückstand geraten sind oder ihre Kredit- oder Kundenkarten mehrfach überzogen haben. Zugriff auf IKO-Daten haben Kredit- und Leasingfirmen, die dem Konsumkreditgesetz unterstehen.

  • Die ZEK (Zentralstelle für Kreditinformation) ist ein Verein mit rund 150 Mitgliedern, vor allem Banken und Leasingfirmen. Von diesen erhält sie Daten über die Bonität von Firmen und Privatpersonen, speichert sie und macht sie ihren Mitgliedern zugänglich. Ausserdem führt sie die IKO.

Die Datenbanken von IKO und ZEK werden getrennt geführt; es gibt aber Überschneidungen.

Was kostet eine Auskunft?

In der Regel nichts. Nur wenn man mehrere Auskünfte pro Jahr verlangt, ohne dass sich Daten verändert haben, oder wenn das Begehren überdurchschnittlichen Aufwand verursacht, darf die Auskunftei eine Rechnung stellen – maximal 300 Franken. Sie muss darüber allerdings vorgängig informieren.

Was ist, wenn ich feststelle, dass die Daten falsch sind?

Dann können Sie verlangen, dass die Daten berichtigt oder gelöscht werden (siehe Musterbrief unten «So verlangen Sie die Löschung/Berichtigung über Ihre Bonität»). Beschaffen Sie sich dazu die Unterlagen, die belegen, dass die kritisierten Angaben falsch sind. Wenn es zu einer Löschung respektive Berichtigung kommt, muss die Auskunftei ihre Informanten und Abnehmer entsprechend informieren.

Musterbrief Löschung/Berichtigung Bonität

Wie gehe ich vor, wenn die Auskunftei die Daten nicht löschen will?

Sie können eine Meldung an den EDÖB machen. Allerdings schreitet dieser nicht im Einzelfall ein, sondern interveniert nur, wenn sich entsprechende Meldungen häufen. Um gegen die Auskunftei vorzugehen, müssen Sie klagen.

Und wenn sie mich zu ihrem Informanten weiterschickt?

Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen. Jede Auskunftei ist für die Richtigkeit ihrer Daten verantwortlich und muss bei entsprechenden Belegen die falschen Informationen löschen oder korrigieren.

Wie lange dürfen die Daten gespeichert bleiben?

Das Gesetz gibt dazu keine genaue Antwort, es verlangt bloss Verhältnismässigkeit. Der EDÖB sagt: «Personendaten dürfen nur so lange gespeichert bleiben, wie dies zur Prüfung der Kreditwürdigkeit einer Person notwendig ist.» Als Beispiele nennt er 10 Jahre für Betreibungen oder 20 Jahre für einen Privatkonkurs. Daneben verweist er auf eine Tabelle der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK). Darin steht zum Beispiel, dass ein abgelehnter Kreditkartenantrag zwei Jahre lang gespeichert bleibt oder eine gesperrte Kreditkarte fünf Jahre.

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