Letzten Herbst brachte Rolf Schmid* seinen Ford-Transporter zum Service. Als er die Rechnung erhielt, staunte der Handwerker aus dem Zürcher Oberland. Für den Ölwechsel verlangte die Garage Müliholz AG in Uster Fr. 235.–, also pro Liter Motorenöl Fr. 23.50. Ein stolzer Preis, denn das gleiche Öl kostet online nur Fr. 7.80 pro Liter. 

Noch mehr wunderte sich Schmid, als er im Handbuch seines Ford-Lieferwagens nachlas, dass ein Service erst nach zwei Jahren oder 60'000 gefahrenen Kilometern Teure Mehrkilometer Mit Vollgas in die Leasing-Falle nötig sei. Seine Garage aber macht Ölwechsel einmal pro Jahr, nach rund 15'000 Kilometern. Der Handwerker wandte sich an den Beobachter.
 

Dementi von Ford

Bis die Bütikofergruppe, zu der die Garage gehört, antwortete, verstrich mehr als ein Monat. Die Firma, Betreiberin von fast einem Dutzend Garagen in der Ostschweiz, teilte dann im Namen der Garage mit: «Aus langjährigen Erfahrungen und der Problematik des Kurzstreckenbetriebs dieser dieselbetriebenen Fahrzeuge und auch der Komplexität der Wartungsintervalle der verschiedenen Ford-Produkte» habe man Schmid «die aus unserer Sicht bestmögliche Variante, um ein unbeschwertes und pannenfreies Fahrerlebnis zu gewährleisten, angeboten.» 

Den jährlichen Ölwechsel hat die Bütikofergruppe offensichtlich selber eingeführt. Denn Ford Schweiz dementiert, dass es eine solche Anweisung gebe: «Ein Ölwechsel wird nur dann ausgeführt, wenn die Ölqualitätsprüfung dies erforderlich macht.» 
 

Ölwechsel als wichtige Einnahmequelle

Laut Erich Schwizer, Experte beim TCS TCS-Reiseversicherung Keine Kulanz trotz Krebsdiagnose , ist beim betroffenen Ford-Transporter bei 15'000 Kilometern pro Jahr der Ölwechsel erst nach zwei Jahren fällig. «Wenn der Garagist empfiehlt, den Serviceintervall zu verkürzen, liegt der Eindruck nahe, dass er mehr Öl verkaufen möchte.» 

Die Ölwechselintervalle würden von den Herstellern vorgegeben, nicht von den Garagisten. Es könne allerdings technische Gründe für einen jährlichen Wechsel geben. War der Ölwechsel bei Rolf Schmid nötig? Eine eindeutige Antwort erhielt er auch bei einem Gespräch mit Vertretern der Bütikofergruppe nicht.
 

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3 Mal mehr kostete das Öl in der Garage als im Online-Handel.

Dass Garagisten das Motorenöl teurer als im Handel verkaufen, bestätigt TCS-Experte Schwizer. «Ihre Marge dürfte ähnlich hoch wie bei Betriebsstoffen in anderen Branchen sein.» Manche Öle kosten im Einkauf nur einen Zehntel des verrechneten Preises, zeigten zum Beispiel Recherchen der Sendung «Kassensturz». Gemäss einem Experten sind Ölwechsel eine wichtige Einnahmequelle für die Händler geworden, denn an Neuwagen Neuwagen in der Schweiz Beliebte Dreckschleudern verdienen sie kaum etwas. 
 

Viskosität ist wichtig

Laut Schwizer ist «nicht die Ölmarke oder der Preis relevant», sondern dass das Öl «die vorgeschriebene Viskosität und Klassifizierung» habe. Dann könne man als Kunde das Öl problemlos selber beschaffen.

Ford Schweiz macht beim Öl «dem Händler keine preislichen Vorschriften», er sei «frei in der Preisgestaltung». Das scheint auch für die Wahl des Öls zu gelten. Denn die Garage bot nun Rolf Schmid an, dass er künftig sein Öl selber mitbringt. Es müssten aber «aus Garantie- und technischen Gründen die vorgeschriebenen Ölspezifikationen verwendet werden». Und beim nächsten Ölwechsel will die Garage die Ölkosten sogar übernehmen.


*Name geändert
 

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Quelle: Getty Images

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