Wer einen Brief von Tatjana, Swetlana oder Vera aus der Ukraine erhält, kann ihn getrost zum Altpapier legen auch wenn die Absenderin und ihr Kind mit noch so traurigen Augen aus dem beigelegten Foto blicken. Der persönlich adressierte Brief stammt nicht von Hilfsbedürftigen, sondern aus einer Schreibstube in der ukrainischen Kleinstadt Nikolajew. Dort lässt Sergej Gerasjuta, Exil-Ukrainer mit Wohnsitz in Spiegel bei Bern, die Briefe ab Vorlage von einheimischen Frauen per Hand abschreiben und verpacken.

«Etwa 70 Helferinnen schreiben je etwa 1000 Briefe», räumte Gerasjutas Sekretär kürzlich gegenüber der «Neuen Mittelland-Zeitung» ein. Dabei werde die Geschichte der gleichen Person rund 70-mal erzählt. Der Sammelprofi verschickt dann die Massenpost versehen mit einem roten Einzahlungsschein zugunsten von «Gerasjuta SOS International» von Bern aus an potenzielle Spender in der ganzen Schweiz. Nach der Region Bern sind jetzt die Kantone Solothurn und Aargau an der Reihe: Zehntausende von Personen wurden dort per Telefonbuch ausgewählt.

Nicht zum Spenden empfohlen

Wie der Beobachter bereits berichtete, zeichnen sich Gerasjutas «Hilfsaktionen» seit 1995 durch unwahre Angaben, aggressives Spendenmarketing und hohe Verwaltungskosten aus (Nr. 11/00). Wie viel Geld wirklich an ukrainische Notleidende fliesst und wie viele «Unkosten» Gerasjuta verrechnet, weiss nur einer: Sergej selbst. Deshalb rät die Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen nach wie vor: nicht zum Spenden empfohlen.

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