Waschbare Stoffmasken haben erhebliche Qualitätsmängel. Drei von fünf geprüften Stoffmasken schützen ungenügend gegen Kleinstpartikel in der Grösse von 0,3 Mikrometern und einem Mikrometer. Also gegen feine Aerosole und kleine Tröpfchen. Das hat die Stichprobe offengelegt, die das Labor der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag des Beobachters gemacht hat .

Wer trotzdem eine Stoffmaske tragen will, stellt am besten sicher, dass die Maske industriell hergestellt wurde. Vom Tragen selbstgenähter Masken rät das Bundesamt für Gesundheit jedoch ab. Der Hersteller sollte idealerweise einen Prüfbericht der eidgenössischen Forschungsanstalt Empa für die Stoffmaske haben. Er zeigt, wie viel Prozent der Kleinstpartikel die Maske filtert. Gemessen haben die Empa-Forscher die Filtrationsleistung in der Regel mit Kleinstpartikeln, die einen Durchmesser von 0,5 Mikrometern haben.

Die Schweizer Maske Livipro etwa filtert gemäss Empa-Prüfbericht 95 Prozent dieser Kleinstteilchen heraus. Die Empa empfiehlt, dass eine Stoffmaske im Minimum 70 Prozent Filterleistung erreichen sollte. Firmenchef Pascal Eggmann sagt: «Unsere Maske soll bestmöglich gegen Covid-19 oder andere Viren schützen.»

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Hygienemasken haben im Test besser abgeschnitten als Stoffmasken. Allen, die an Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung leiden, rät das Bundesamt für Gesundheit, Hygienemasken zu tragen Schutz vor Coronavirus So verwenden Sie die Hygienemaske richtig .

Unterschiede kaum erkennbar

Für Hygienemasken und Atemschutzmasken hat die Industrie Normen festgelegt. Einigermassen streng sind die Anforderungen der europäischen Norm EN 149. Allerdings gibt es auch eine Lightversion dieser Norm, die keine gleich hohen Standards erfüllt. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist der Unterschied zwischen Lightversion und Original kaum erkennbar.

Beim Originalstandard testen die Prüfer den Filterdurchlass mit Kleinstpartikeln aus Salz und Paraffinöl. Das ist so in der insgesamt 69 Seiten langen Prüfverordnung festgelegt. Atemschutzmasken mit den europäischen Labels FFP1, FFP2 oder FFP3 müssen zwischen 80 und 99 Prozent dieser Kleinstpartikel herausfiltern.

Weil am Anfang der Pandemie viele chinesische KN95-Atemschutzmasken ohne europäisches Label eingeflogen wurden, mussten die Behörden die Prüfanforderungen an die Masken herunterschrauben. Sonst hätte es zu lange gedauert, bis die Masken verfügbar gewesen wären, sagt der Leiter der zuständigen Normierungsstelle ZLS in München. So entstand eine Lightversion der Norm EN 149. Für die Filterdurchlassprüfung wurde etwa auf ein zurückgezogenes Prüfverfahren aus dem Jahr 2008 zurückgegriffen statt auf das neuste Prüfverfahren von 2019. Die Grösse der Prüfteilchen ist in der alten Version weniger klar geregelt. Das lässt offenbar Spielraum.

Verschiedene Anbieter in der Schweiz verkaufen Atemschutzmasken mit dem Label EN 149, obwohl sie nur gemäss der Lightversion getestet wurden. In der Schweiz ist das zulässig, in Deutschland nicht. Dort dürfen Masken, die nur das erleichterte Prüfverfahren bestanden haben, nicht das Label «FFP2» oder «EN 149» aufgedruckt haben. Damit wollen die deutschen Behörden die Konsumentinnen und Konsumenten vor irreführenden Werbeversprechen schützen.

«Dass Prüfergebnisse bei unterschiedlichen Methoden unterschiedlich ausfallen können, ist normal. Das ist Wissenschaft.»

René Rossi, ETH-Professor und Mitglied der Covid-19-Wissenschafts-Taskforce

Die eidgenössische Forschungsanstalt Empa und die Fachhochschule Nordwestschweiz haben dagegen nach einem Prüfprotokoll getestet, das sich nicht exakt an der Industrienorm orientiert.

«Wir haben unsere Tests nach den Vorgaben der Wissenschafts-Taskforce Covid-19 des Bundes ausgerichtet», begründet ETH-Professor René Rossi das Vorgehen. Der Abteilungsleiter der Empa ist Mitglied der Covid-19-Wissenschafts-Taskforce und hat die Empa-Tests entwickelt. Er sagt: «Unsere Taskforce hat die Testempfehlungen vor dem Hintergrund der Pandemie festgelegt. Dabei war die mögliche Grösse der Viruströpfchen entscheidend.» Der Empa-Test sei aber nicht zwingend strenger als die Industrienorm.

Laut ETH-Professor Rossi gibt es mehrere Methoden, um die Filterleistung einer Maske gegen Coronaviren zu messen. Es gebe weder ein richtiges noch ein falsches Testprotokoll. «Dass Prüfergebnisse bei unterschiedlichen Methoden unterschiedlich ausfallen können, ist normal. Das ist Wissenschaft.»

Die Schweiz bestellte nicht konforme Masken

Im Frühjahr mangelte es in der Schweiz an Hygienemasken. Der Bund bestellte damals 18 Millionen Masken aus China, die anschliessend in Apotheken und im Detailhandel verkauft wurden.

Diese entsprechen nicht dem europäischen Standard (siehe Box unten) und müssten entsprechend gekennzeichnet sein. Dass das oft nicht der Fall ist, zeigt nun eine Recherche des «Kassensturz». Konsumentinnen können sich also nicht immer auf die Deklarationen verlassen.

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will nun prüfen, wie viele noch im Umlauf sind.

Prüfnormen

Für Atemschutzmasken und Hygienemasken:

  • Die Prüfnormen-Abkürzungen FFP (Europa), KN (China) und N (USA) dienen bei Atemschutzmasken als Qualitätsgarantie. FFP bedeutet «Filtering Face Piece». FFP1 heisst, die Maske muss bei allen Partikelgrössen eine minimale Filterwirkung von 80 Prozent aufweisen. Bei FFP2 sind es 94, bei KN95 und N95 95 Prozent und bei FFP3 99 Prozent.
     
  • Hygienemasken müssen die Norm EN 14683 erfüllen. Eine Hygienemaske vom «Typ II» oder «Typ IIR» muss eine bakterielle Mindestfilterwirkung von 98 Prozent erzielen, eine vom «Typ I» von 95 Prozent. Die bakterielle Filterleistung ist zwar schwächer als die Filterwirkung der Atemschutzmasken, im Test schneiden die drei Hygienemasken mit einer Aerosol-Filterleistung von 75 bis 86 Prozent respektabel ab.

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Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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