Heidi Galliker aus Malters war «granateverruckt». Zunächst fühlte sie sich vom Verkäufer überredet, einen sündhaft teuren Computerkurs (knapp 4500 Franken für 18 mal 2 Stunden) zu buchen. Dann gab es für alle Kursteilnehmer nur einen einzigen Computer. Als Anfängerin war sie völlig überfordert und der Lehrer schlecht vorbereitet. Da platzte ihr der Kragen. Nach mehreren geharnischten Reklamationen kann sie den Kurs wiederholen. Dennoch ist das Kursniveau mit Excel-Formeln und Buchhaltungsprogrammen viel zu hoch für die 60-Jährige, die doch einfach nur lernen wollte, wie man auf dem Computer Briefe schreibt. Der in der Computerbranche tätige Schwiegersohn studierte ihre Kursunterlagen und sagte: «Das könnte ich auch nicht.»

Heidi Galliker ist nicht die Einzige, die sich über die vom Institut Franchi angebotenen Computerkurse ärgert. Die Liste der Klagen, die beim Beobachter-Beratungszentrum eingehen, ist umfangreich:

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  • Gebrochene Versprechen: Wegen einer Krankheit kann Cornelia Bott nur tagsüber an einem Kurs teilnehmen und nur an ihrem Wohnort Baar. Dies sicherte ihr der Verkäufer auch zu; dennoch bot ihr Franchi danach nur einen Abendkurs in Cham an. Als Bott protestierte, verwies die Firma kühl auf das Kleingedruckte: Um aus dem Vertrag auszusteigen, musste sie 2050 Franken bezahlen, ohne eine einzige Lektion besucht zu haben.
  • Falsche Kurseinteilungen: Hedy Lutz aus Frasnacht TG wies bei der Anmeldung, beim Infoabend wie beim ersten Kurstermin darauf hin, dass sie «blutige Anfängerin» sei. Dennoch geriet die 69-Jährige in einen Fortgeschrittenenkurs, konnte dem Unterricht nicht folgen und war nach der dritten Lektion mit den Nerven fertig. Das Arztzeugnis beeindruckte die Schule nicht; erst als sich ihre Rechtsschutzversicherung einschaltete, erhielt sie rund einen Drittel des bezahlten Geldes zurück.
  • Mangelhafte Kurse: Obwohl es explizit um Computerschulungen geht, stehen den Teilnehmern an den Kursen keine eigenen Computer zur Verfügung. Lediglich der Lehrer verfügt über ein Gerät - die Teilnehmer können den Ausführungen einzig auf einem Bildschirm folgen.
  • Kundenfeindliche Vertragsbedingungen: Max Frei wollte im Januar 2006 aus dem Kursvertrag aussteigen. Die siebentägige Rücktrittsfrist hatte er zwar verpasst, der Kurs sollte aber «frühestens im Juni 2006» beginnen, weder Zeit noch Ort noch Kursbeginn standen fest. Dennoch beharrte Franchi darauf, die Kündigung erfolge «zur Unzeit» und Frei müsse bezahlen. Erst nachdem sich Frei vom Beobachter beraten liess, krebste die Firma zurück.
  • Vertröstete Kunden: Jean-Pierre Cailleret aus Kaltenbach TG musste im Herbst 2004 den eben begonnenen Kurs wegen einer Hüftoperation unterbrechen. Obwohl Franchi schriftlich versicherte, es werde ihm ein Platz im nächsten Kurs offeriert, geschah zweieinhalb Jahre lang nichts. Erst als Cailleret ultimativ sein Geld rückforderte, bot das Institut einen neuen Kurs an - 45 Minuten von seinem Wohnort entfernt.


Bereits früher war Franchi negativ aufgefallen. In den Jahren 2003 und 2004 berichtete der Beobachter unter anderem, dass fremdsprachigen Ausländern und Kindern überteuerte Informatiklehrgänge angedreht werden. Genützt hat die Kritik offenbar nicht viel. Die aktuellen Vorwürfe weist das Institut Franchi allesamt zurück. Die Kurse seien nicht zu anspruchsvoll und die allgemeinen Geschäftsbedingungen branchenüblich. Die «einzigartige Unterrichtsmethode» begeistere die Kundschaft, schreibt Franchi-Anwalt Patrick Stach. Jeder Kunde sei «eine Erfolgsgeschichte». Ach ja?