Alte Liebe rostet nicht – Sprachkenntnisse hingegen setzen gern Patina an. Einige Jahre nach dem letzten Blick ins Lehrbuch lassen sich ­Deklinationsformen meist nur noch mit Mühe aus den Ecken des Gehirns klauben, statt eines flüssigen Satzes kommt nur ein Stammeln über die Lippen. Wer eine alte Sprache auffrischt oder gar eine neue lernt, greift meist zu den üblichen Lernunter­lagen. Doch als spielerische Ergänzung zu Büchern und Kursen bieten sich immer mehr auch die modernen Medien an. «Diese Medien können für zusätzliche ­Motivation sorgen», sagt Verena Steiner, Autorin des Beobachter-Ratgebers «Sprachen lernen mit Power». «Allerdings: Damit ist noch keine Sprache gelernt.»

Die digitalen Lernhilfen seien als Ergänzung, nicht aber als Ersatz für herkömmliche Materialien und Methoden ­geeignet. Ganz wichtig sei ohnehin die Selbstdisziplin: «Ohne Fleiss und Beharrlichkeit und ohne den Willen zum Austausch mit anderen Menschen kommt man beim Sprachenlernen nicht weit.»

Elektronische Sprachtrainer

Smart­phones und Tablets sind die beliebtesten E-Lehrer. Lernbegierige können für diese Geräte etwa elektronische Vokabeltrainer, Konjugationstrainer oder multimediale Lernprogramme herunterladen und nutzen. Populär sind vor allem Sprach­trainer – zurzeit boomt die App Babbel (De.babbel.com). Die Start-up-Firma aus Berlin zählt über 20 Millionen Nutzer, dazu gehört laut «Wall Street Journal» Angela Merkel: Die deutsche Bundeskanzlerin wolle damit ihr Polnisch verbessern.

Benutzer können zwischen verschiedenen Sprachniveaus wählen, anschliessend serviert Babbel kleine Lernhäppchen. So prägt man sich etwa neue Wörter ein und muss diese dann auf verschiedene Arten wiedergeben. Neben Lückentexten bietet die App Hörtests, manchmal fordert sie auch auf, die Wörter selber einzutippen oder ins Mikrofon zu sprechen. Solche elektronischen Sprachtrainer eignen sich nicht nur gut für kurzweilige Lernübungen unterwegs, sie können auch zum Fleiss mahnen. Bei vielen Anwendungen lassen sich automatische Erinnerungen ein­schalten: Zuverlässig zu einer bestimmten Uhrzeit piepst das Smartphone – Zeit fürs Spanischlernen.

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Die E-Lehrer bieten in der Regel viel Nutzen zu einem geringen Preis. Gerade bei Babbel können Unwissende jedoch in eine Kostenfalle tappen: Die Registrierung ist zwar noch kostenlos, aber nach der Einstiegslektion fallen für alle Kurse Gebühren an – für einen Monat zahlt man zehn Euro, für ein Jahr knapp 60.

Ein ähnliches Vor­gehen haben auch ­andere Entwickler gewählt, ­etwa die der Sprach-Apps Living Language oder Busuu. Es empfiehlt sich daher, erst sorgfältig ­abzuklären, für welche Leistungen man wie viel zahlen muss. «Von fast allen Apps gibt es Probeversionen», sagt Lern­expertin Verena Steiner. «Es lohnt sich, diese vor ­einem Kauf zu testen.» Es gibt ­jedoch auch komplett kostenlose ­Anwendungen, die ähnlich wie Babbel funktionieren, etwa Duolingo.

Austauschplattformen

Während Apps und Programme eher für den passiven Wortschatz geeignet sind, bietet das Internet auch Möglichkeiten, den aktiven Wortschatz zu trainieren – im Tandem von Angesicht zu Angesicht. ­Ve­rena Steiner nutzt Skype, um mit ihrem ehemaligen Spanischlehrer in Andalusien ein Sprachtandem zu bilden: «Wir unterhalten uns zuerst 45 Minuten in Spanisch, und er korrigiert mich. Dann 45 Minuten in Deutsch, und ich korrigiere ihn.» Sprach­tandems sind zwar sinnvoller, wenn sich die Teilnehmer persönlich begegnen – via Internet ist es aber möglich, Kontakte mit dem Ausland zu pflegen. Zudem können sich digital auch Tandempartner fürs echte Leben finden (siehe «Was es sonst noch gibt»). Über interaktive Plattformen wie Livemocha können sich Sprachschüler ­zudem virtuell verbinden, chatten oder ­telefonieren.

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Akustikprogramme

Mit Hilfe moderner Technologie lassen sich auch herkömmliche Lernhilfen effi­zienter nutzen. Lernexpertin Verena Steiner empfiehlt etwa, normale Hör-CDs auf einen MP3-Player zu überspielen und Wiedergabelisten zu erstellen, da sich so die einzelnen Tracks beliebig oft wiederholen lassen. Mit dem MP3-Sound im Ohr kann man anschliessend beim Einkaufen, im Zug oder beim Spazieren in die Klangwelt einer Sprache eintauchen und auch das Ohr für die richtige Aussprache schulen.

Fernsehen

Nicht nur eine CD, auch das gute alte Fern­sehen kann man fürs Lernen einspannen. «Beim digitalen TV lassen sich die Unter­titel oft in der Originalsprache zuschalten», erklärt Steiner. So lernt man auf drei verschiedenen Ebenen: Man hört die Sprache, sieht den Zusammenhang und kann das Gesprochene vom Bildschirm ablesen.

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Was es sonst noch gibt

  • Im Internet lassen sich viele Vokabeltrainer finden, ob als Desktopversionen oder als Apps. Mit einer digitalen Lernkartei vergleichbar sind iVocabulary (fünf Franken für die Vollversion) oder ­Flashcards (gratis). Während iVocabulary komplette Decks für mehrere Fremdsprachen bietet, hält Flashcards ­weniger Optionen bereit, hat dafür aber eine ­ansprechende ­Benutzeroberfläche.

  • Lernen mit Untertiteln ist nicht nur über das Digitalfernsehen möglich. Auf fluentu.com kann man Videos mit Untertiteln ansehen, danach fragt das Programm das Vokabular des Videos ab. Derzeit gibt es die Anwendung erst in Englisch; wer diese Sprache aber gut ­beherrscht, kann sein Spanisch oder Französisch unterhaltsam verbessern.

  • Sender wie TV5 oder BBC bieten ­ebenfalls gratis Sprachtrainer an. TV5 (apprendre.tv5monde.com) offeriert ­gute Kleinkurse auf verschiedenen ­Niveaus für Französisch, da­runter Hörübungen. Das Angebot der britischen BBC (bbc.co.uk/languages) eignet sich primär für Leute, die gut Englisch sprechen und eine weitere Fremdsprache ­dazulernen wollen. Onlinekurse gibt es in Französisch, Spanisch, Griechisch, Chinesisch und weiteren 35 Sprachen, das ­Niveau bleibt aber eher oberflächlich.

  • Auf sprach-tandem.ch findet man schnell, gratis und einfach Leute, die persönlich oder online Sprachen üben wollen. Neben Spanisch oder Englisch wird Albanisch, Arabisch, Griechisch, Hindi (Urdu) oder Polnisch angeboten. Man muss sich nicht einmal anmelden.