Der Flug ist gebucht, die Vorfreude gross. Seit langem hat Oskar Wey davon geträumt, Tokio und die japanische Kultur kennen zu lernen. Bei den Vorbereitungen zur Reise geschiehts: Der 48-Jährige stolpert und bricht sich das linke Bein. Er ist verzweifelt und befürchtet, dass man ihn mit seinem voluminösen Gipsbein nicht ins Flugzeug lassen wird.

Seine Erkundigungen bei der Fluggesellschaft beruhigen ihn: Er darf reisen, sofern ein Arzt und der flugmedizinische Dienst ihn für flugtauglich erklären. Bernard Povel, Arzt beim unabhängigen ärztlichen Beratungszentrum Medgate, erklärt Wey, worauf er achten soll. Damit der Blutkreislauf während des Fluges nicht beeinträchtigt wird, muss der Gips unbedingt gespalten sein. Zudem wird der Ingenieur ein blutverdünnendes Mittel erhalten, um der Gefahr zu begegnen, dass das Blut Pfropfen bilden könnte.

Oskar Wey ist mit seinen Fragen nicht allein. Der medizinische Dienst der Fluggesellschaft Swiss, die Swiss Medical Services, hat laut Severin Muff, dem leitenden Arzt, allein im letzten Jahr 2012 Patientenfragen abgeklärt. «Manchmal rufen Fach- oder Hausärzte auch direkt an, und wir besprechen die Flugtauglichkeit eines Patienten», sagt Muff. Viele Reisende mit gesundheitlichen Problemen müssen auf bevorstehende Flüge hin besondere Vorbereitungen treffen.

Die wichtigsten Tipps

  • Nehmen Sie möglichst früh Kontakt auf mit der Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter und schildern Sie Ihre Beeinträchtigung. Besprechen Sie Ihre Reisepläne auch mit Ihrem Haus- oder Facharzt. Er wird Sie beraten und ein so genanntes INCAD-Formular ausfüllen, das «Fit to Fly». Gestützt darauf, entscheidet der medizinische Dienst der Fluggesellschaft endgültig über Ihre Flugtauglichkeit. Als Richtlinie gilt: Wer allein über zwei Stockwerke Treppen steigen kann, ist fit zum Fliegen. Personen mit schweren Atem- oder Herzproblemen, mit akuten Erkältungen oder Mittelohrentzündungen oder kurz nach einer Operation sollten auf eine Flugreise verzichten.
  • Flughäfen haben endlos lange Gänge – ein Albtraum für Gehbehinderte. Die Fluggesellschaften bieten Hilfe an. Bestellen Sie frühzeitig eine Begleitung am Flughafen, einen Rollstuhl oder einen «Legrest» – ein Gestell, auf dem das Bein abgestützt werden kann. Diese Dienstleistungen sind in der Regel kostenlos. Manche Fluglinien verlangen, dass Passagiere mit einem Gipsbein in der Businessclass reisen, weil die Bestuhlung in der Economyclass zu eng sei. Wenn ein Passagier wegen seines steifen Beins aus Platzgründen auf einen benachbarten zweiten Sitz angewiesen ist, muss er diesen bezahlen. Unter Umständen übernimmt die Versicherung die Kosten.
  • Langstreckenflüge sind für den Organismus eine Belastung. Der Luftdruck in der Flugkabine wird während des Fluges so eingestellt, dass er einem Aufenthalt in der Höhe von etwa 2000 bis 2400 Meter über dem Meeresspiegel entspricht. Es empfiehlt sich, Stützstrümpfe zu tragen, um die Thrombosengefahr zu verringern. Die Luft in der Kabine ist sehr trocken. Sie wird umgewälzt, teilweise von aussen zugeführt, gefiltert und angewärmt. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt im Flugzeug bei bescheidenen fünf bis zehn Prozent. Damit die Augen nicht jucken und die Schleimhäute in Mund und Nase nicht austrocknen, ist es wichtig, während des Fluges reichlich zu trinken. Allerdings nicht Kaffee, Schwarztee und Alkohol, weil diese Getränke dem Körper Flüssigkeit entziehen. Die Fluggesellschaften empfehlen, etwa einen Viertelliter Wasser oder Fruchtsäfte pro Flugstunde zu trinken.


Reichliches Trinken bewirkt häufige Toilettenbesuche. Der Organismus ist für diese und jede andere Bewegung dankbar, denn sie regen die Blutzirkulation an. Je mehr Sie sich bewegen, desto besser. Also strecken und recken Sie sich, bewegen Sie Ihre Füsse und Beine, soweit der Gips dies erlaubt, wackeln Sie mit den Zehen und dehnen Sie die Wadenmuskulatur – für einen angenehmen Flug.

Weitere Infos

  • Medizinische Tipps des Bundesamts für Gesundheit und von vier Schweizer Universitäten: www.safetravel.ch
  • Medizinische Auskunftsstelle der Fluggesellschaft Swiss: Telefon 043 812 68 33 (Montag bis Donnerstag, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr, Freitag bis 15.30 Uhr), www.swiss.com/medicalservices
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