Trotz Klimakrise scheint das Reisefieber der Schweizerinnen und Schweizer ungebrochen. Allein im ersten Halbjahr 2019 hat die Fluggesellschaft Swiss fast neun Millionen Passagiere befördert, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Kunden der grossen Touristikunternehmen Hotelplan Suisse und DER Touristik Suisse buchen weiterhin eifrig Flugreisen Mobilität Ist dieses Wachstum noch zu bewältigen? . Allerdings freuen sich die SBB ebenso über wachsende Zahlen im internationalen Personenverkehr. Die Bilanz sei in der ersten Jahreshälfte auch deshalb so positiv ausgefallen, weil im Vorjahr Streiks und Bauarbeiten die Bahn behindert hatten.

Kurze Flugreisen im Trend

Drei von vier Passagieren, die ab Zürich fliegen, landen in Europa, über die Hälfte davon in Deutschland, Spanien, Grossbritannien, Italien und Frankreich. Destinationen, die weniger als 1500 Kilometer von der Schweiz entfernt liegen und die man mit dem Zug innerhalb eines Tages – oder einer Nacht – erreichen kann.

Statt sich in einen Flieger zu setzen, könnte man mit überschaubarem zeitlichen Mehraufwand Ferien im Ausland vs. Klimaschutz Für viele zählt nur der Preis den Zug nehmen. Das machen aber nicht viele. Der letzte Mikrozensus für Mobilität und Verkehr von 2015 zeigt, dass das Flugzeug nach wie vor der Schweizer liebstes Fortbewegungsmittel für Mehrtagesreisen ist. So bringen wir es auf rund 6000 Flugkilometer pro Kopf und Jahr. Das entspricht der Distanz Zürich – New York oder 7,5-mal Basel–Barcelona. Für das Flugzeug sprechen zwei Gründe: Zeit und Geld.

Zug ist ähnlich schnell

Ein realistischer Vergleich Ferien So finden Sie das beste Angebot zeigt aber, dass man mit dem Flieger auf Kurzstrecken nicht viel Zeit spart. So dauert die Zugfahrt von Zürich nach Mailand 3 Stunden 40 Minuten, nach Paris 4 Stunden 3 Minuten, nach Köln 5 Stunden 5 Minuten und nach Salzburg 5 Stunden 23 Minuten. Wer beim Fliegen auch die Zeit fürs Einchecken, die Sicherheitskontrolle und die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum miteinkalkuliert, kommt auf ähnliche Reisedauern. Bei Reisen von weniger als 500 Kilometern kann der Zug zeitlich problemlos mit dem Flugzeug mithalten.

Auch das Preisargument sticht nicht immer, zeigt ein Kostenvergleich am Beispiel Zürich–Mailand zum Herbstferienbeginn im Oktober (siehe unten «Geld, Zeit, CO2: Reisearten im Vergleich»). Das Zugbillett SBB Es geht auch massiv billiger (mit Halbtax-Abo) schlägt mit Fr. 61.10 zu Buche. Das ist gerade einmal die Hälfte von dem, was die gleiche Strecke mit dem Flugzeug und dem öffentlichen Nahverkehr ins Zentrum der nord­italienischen Stadt kostet.

Dass das keine Ausnahme ist, zeigt eine Untersuchung, die das Vergleichsportal Omio diesen Frühling für die «Sonntagszeitung» durchführte. Bei den beliebtesten Städtezielen ab Basel, Genf und Zürich lohnt sich der Zug durchwegs. Noch krasser sind die Unterschiede bei der Ökobilanz. Gemäss der Stiftung Myclimate ist der CO2-Ausstoss für die Strecke Zürich–Mailand mit dem Flugzeug über 53-mal höher als mit dem Zug. Die beste Ökobilanz haben Fussgänger. Allerdings müssen sie für den Ausflug nach Mailand etwas mehr Zeit ein­rechnen. Zu Fuss braucht man rund 75 Stunden – für den Hinweg.

Ökologischer Fernbus

Anders sieht es bei Zielen über 500 Kilometer Distanz aus – was Preis und Zeitaufwand betrifft. Die Zugfahrt von Bern nach Rom etwa dauert 6,5 Stunden, nach London 8,5 Stunden, nach Wien 9 Stunden, nach Barcelona fast 10 Stunden. Die Kosten für weite Zugreisen können viel höher sein als mit dem Flugzeug. Doch die Preisspanne ist bei Flugtickets einiges grösser als beim Zug. Je nachdem kann sich der Umstieg auf die Schiene also dennoch lohnen.

Wer Geld sparen und trotzdem einigermassen ökologisch unterwegs sein möchte, nimmt den Fernbus Schweizer Fernbusse Darum bleiben die Passagiere aus . Er ist meist billiger als die anderen Verkehrsmittel und klar ökologischer als ein Flug. Der Nachteil: Mit dem Fernbus kann die Reise schnell deutlich länger dauern als mit dem Zug – erst recht, wenn es Staus auf den Strassen hat.

Wie man reist, wirkt sich auf die CO2-Bilanz von Ferien dramatisch aus. Reisen zum und am Ferienort sind für 90 Prozent der Gesamtbelastung des Tourismus verantwortlich.

«Reisende können sich an drei einfache Faust­regeln halten.»

Kai Landwehr, Leiter Marketing und Pressesprecher, Myclimate

3 einfache Faustregeln für Reisende

  • 1. Faustregel: Das Flugzeug ist immer die klimaschädlichste Option.
  • 2. Faustregel: Die Umweltbilanz wird umso negativer, je mehr Platz und Masse man für sich beansprucht.
    «Ein voll besetztes Auto ist auch im Vergleich mit einem normal ausgelasteten Bus gut unterwegs. Als Einzelperson mehr als eine Tonne Gewicht von A nach B zu bewegen, ergibt hingegen nicht viel Sinn», so Landwehr. Wer zum Beispiel allein im Auto von Zürich nach Mailand fährt, kommt auf eine CO2-Belastung von über 93 Kilo und fast so viel wie bei einem Flug. Fährt man zu viert Carpooling «Fahrgemeinschaften haben sehr grosses Potenzial» , ist man mit etwas über 23 Kilo CO2 pro Kopf weniger klimaschädlich unterwegs.
  • 3. Faustregel: Mit dem Zug hat man immer die beste Ökobilanz.

Hilfe im Labeldschungel

Doch nicht nur Nachhaltigkeit ist relevant, auch gesellschaftliche und soziale Aspekte zählen, sagt Therese Lehmann von der Forschungsstelle Tourismus an der Univer­sität Bern. «Als Reisender hat man sehr viele Handlungsmöglichkeiten. Etwa indem man ein lokales Ökohotel wählt und lokale Restaurants und Anbieter unterstützt, statt das Geld in grosse internationale Unternehmen zu stecken.» Reisebüros Übers Reisebüro buchen Was sind die Vorteile? geben oftmals Angaben zu Labels und Qualitätsstandards an. «Bei vielen wird deklariert, dass beispielsweise nicht mit Unternehmen zusammengearbeitet wird, die Kinderarbeit unterstützen.» Man könne sich aber auch im Internet informieren. Die Website fairunterwegs.org gebe Orientierung im Labeldschungel und helfe, die richtigen Anbieter zu finden.

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Zu Hause bleiben?

All das kann Reisen nachhaltiger machen – nicht aber nachhaltig. «Ökologisch gesehen ist Reisen nie gut», sagt Stefan Forster, Professor am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Aber man könne Mobilität nicht aus unserer Gesellschaft wegdenken.

«Deshalb ist es keine sehr realistische Forderung, dass wir nun alle einfach zu Hause bleiben.»

Stefan Forster, Leiter Forschungsbereich Tourismus und nachhaltige Entwicklung, ZHAW

Nachhaltigkeit habe sich in den letzten 20 Jahren vom Nischenthema zum Verkaufsargument entwickelt. Das ist laut Forster ein grosses Problem. «Nachhaltigkeit ist ein Konsumstil geworden und damit genau das Gegenteil von dem, was es eigentlich sein sollte: Mass halten.» Denn Nachhaltigkeit bedeute in erster Linie weniger von allem. «Solange Überfluss sozial akzeptiert wird, weil er das Gütesiegel ‹nachhaltig› trägt, ist das eben auch nicht ideal.» Aber Bewusstsein für einen ökologischeren Lebensstil Erwachen einer Generation So hat die Klimajugend die Politik verändert zu schaffen, sei ein erster Schritt, und bis es zu Verhaltensänderungen komme, letztlich eine Frage der Zeit, ist sich Forster sicher.

Geld, Zeit, CO2: Reisearten im Vergleich

Alle Angaben beziehen sich auf eine einfache Reise aus der Schweiz, für eine Person, von Stadtmitte zu Stadtmitte. Die Preisabfragen wurden allesamt Ende Juli für den 5. Oktober 2019 gemacht.
Hinweis Zug: 2. Klasse mit Halbtax-Abo
Hinweis Auto: 1 Person in schwerem Benziner (Kombi) und Mautgebühren 
und Fähre, 71 Rp./km
Hinweis Flugzeug: Economy mit einem Aufgabegepäckstück (23 Kilo)

Tabelle Verbrauch von Zeit, Kosten und CO2 pro Reisemittel
Quelle: Infografik: Rudi-Renoir Appoldt / Quelle: Eigene Recherche
abelle Verbrauch von Zeit, Kosten und CO2 pro Reisemittel
Quelle: Infografik: Rudi-Renoir Appoldt / Quelle: Eigene Recherche
Tabelle Verbrauch von Zeit, Kosten und CO2 pro Reisemittel
Quelle: Infografik: Rudi-Renoir Appoldt / Quelle: Eigene Recherche
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