Lange Jahre herrschte Friede zwischen dem Wallis und Zürich. An winternebligen Tagen traf man sich in der «Walliserkanne» in Zürich zum Fondue. Auf der Riederalp las man in der Sonne den Beobachter. Und zu den Bildern aus dem Fernsehstudio Leutschenbach wurde man eingebettet ins wohlige Walliser-diitsch von Rainer Maria Salzgeber und Patrick Rohr.

Dann kam der Fall «Chrütgagger». Der Beobachter schrieb eine Satire «Zeit für einen Tabubruch» und vertäubte die Fendant-Stube nachhaltig.

Was war passiert? Der Journalist, nachmalig «Chrütgagger» genannt (laut «Walliser Bote» für «dümmliche, kurzbehoste, sandalentragende und daumenlutschende Deutschschweizer»), hatte «das Wichtigste in Sachen Zukunft» proklamiert und gefordert, die Schweiz müsse wirtschaftlich denken und sich von nicht rentablen Teilen trennen. Addio, Ticino, adieu, le Valais. «Gmögige Gesellen können wir uns einfach nicht mehr leisten.»

Satire darf alles – aber das ging zu weit. Der Fall «Chrütgagger» wurde via Facebook zum Thema, das das ganze Wallis aufwühlte. Der Beobachter entschuldigte sich für die Satire. Die «Üsserschwiiz» meldete sich via Gratiszeitung «20 Minuten», und bald redeten auch all jene mit, die weder die Kolumne
gelesen noch das Wallis je bereist hatten.

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Die Schweiz spaltete sich einige bange Stunden lang nicht mehr am Röstigraben, sondern am Fall «Chrütgagger». Schliesslich gabs doch noch ein Happy End und die versöhnliche Erkenntnis: Worte wie «Chrütgagger» gehören ab sofort in den Wortschatz jedes Zürchers.