Wer kennt das nicht: Man steigt am Urlaubsort aus dem Flugzeug, und die Sonne scheint einem herrlich warm, aber grell ins Gesicht. Das hektische Suchen in Jacken- und Handtasche nach der Sonnenbrille bleibt erfolglos, denn das getönte Nasenvelo liegt zu Hause auf dem Küchentisch. Auf dem Weg zum Strand kauft man noch schnell eine neue.

Doch Vorsicht! Nicht alle Sonnenbrillen bieten den nötigen Schutz vor UV-Strahlen. Blaue, orange oder gar durchsichtige Gläser sehen zwar peppig aus und liegen im Trend. «Aber am Meer setzt man solche Sonnenbrillen besser nicht auf», warnt Augenarzt Isaak Schipper von der Augenklinik des Kantonsspitals Luzern. Denn viele Modebrillen lassen das gleissende Sonnenlicht fast ungefiltert durch. «Nach Jahren kann dies die Sehzellen schädigen und zu einem Sehverlust führen», sagt Schipper.

Für jeden Ort die richtige Sonnenbrille


Verhindern lässt sich das durch einen lichtdämpfenden Filter. «Am Strand, auf dem Wasser und im Gebirge sollte man dunkle Gläser mit einer nachgewiesenen Absorption im ganzen UV-Bereich verwenden, da dort die Sonneneinstrahlung besonders stark ist», empfiehlt Schipper. Im Strassenverkehr hingegen kann eine zu dunkel getönte Brille gefährlich sein, weil sie etwa in Tunnels die Sicht behindert.

Deshalb gilt: für jeden Ort die richtige Sonnenbrille (siehe Artikel zum Thema «Brillenkauf: Darauf sollten Sie ein Auge werfen»). Eine Orientierungshilfe bieten Broschüren, die guten Sonnenbrillen beiliegen. Sie geben Aufschluss darüber, zu welcher Tönungskategorie eine Brille gehört, ob sie eher fürs Hochgebirge oder fürs Autofahren geeignet ist. Und auch der Optiker weiss, welche Sonnenbrille für welchen Zweck geeignet ist.

Die teilweise zerstörte Ozonschicht macht den Sonnenschutz für die Augen immer wichtiger. Zwar werden die energiereichen UV-C-Strahlen von der Erdatmosphäre gänzlich abgehalten und die UV-B-Strahlen zumindest teilweise durch die Ozonschicht gebremst. UV-A-Strahlen dringen hingegen ungefiltert bis auf die Erde durch. Als Grundregel gilt auch hier: Je heller die Haut, desto besser sollten auch die Augen geschützt werden.

«Die Folgen des Missbrauchs können zu einer Trübung der Augenlinse führen. Nach Jahren droht der graue Star oder sogar eine auch operativ nicht zu heilende Erkrankung der Netzhautmitte», warnt Augenspezialist Schipper. Ein Zusammenhang zwischen UV-Exposition und Augenerkrankungen ist gemäss Charlotte Remé, Professorin der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich, in zahlreichen Studien an Mensch und Tier nachgewiesen worden. Allerdings machen sich die Folgen laut Remé nicht gleich bemerkbar: «Erst Jahre später zeigen sich die Schäden auf der Netzhaut.»

Studien zeigen, dass die Linse eines 50-jährigen Menschen doppelt so viel Licht absorbiert wie diejenige eines Kindes. Kinder und Jugendliche benötigen einen besonderen Schutz, da die Linse sehr lichtdurchlässig ist. Remé: «Erst im Laufe der Jahre bildet sich das gelbe Linsenpigment, das die Netzhaut schützt.» Wer sich mit seinen Kindern viel an der Sonne aufhält, sollte ihnen also unbedingt eine Sonnenbrille auf die Nase setzen.

Sonnenbrillen ohne UV-Schutz dürfen heutzutage gar nicht mehr verkauft werden. Markus Jäggi vom Schweizer Optikerverband rät, auf den Vermerk «CE», «100% UV» oder den Kleber «UV 400» zu achten. «Dann hat man die grösste Sicherheit, dass auch wirklich alle UV-Strahlen gefiltert werden.» Solche Brillen lassen höchstens 0,5 Prozent des ultravioletten Lichtanteils durch.

Dunkle Gläser – und doch kein Schutz


So genannte fototrope Brillen, bei denen die Gläser automatisch abdunkeln, schützen meist ungenügend, wie Laboruntersuchungen des Kantonalen Labors Baselland zeigen. Das Tückische daran: Die Gläser sind zwar dunkel, lassen aber trotzdem die gefährliche Strahlung passieren. «Selbst neuste Modelle dieser Kategorie lassen oft zu viel UV-Licht durch», sagt Peter Wenk vom Kantonalen Labor Baselland.

Wer eine ältere Sonnenbrille besitzt, deren Sonnenschutz unbestimmt ist, kann jetzt auf Nummer sicher gehen und die Brille prüfen lassen. Das Kantonale Labor Baselland hat sich bereit erklärt, Sonnenbrillen von Beobachter-Lesern zu testen (siehe Artikel zum Thema «Beobachter-Aktion: Sonnenbrillentest für zehn Franken»). Das Labor hält sich dabei an die Empfehlungen des Schweizerischen Optikerverbands. Wer seine Brille testen lässt, erhält einen Bericht, der die Brille in eine der Kategorien «optimaler», «guter», «genügender» oder «ungenügender Schutz» einteilt.

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Quelle: Archiv